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Das jüdische Echo · 1925-01-23 · 4 (23.1.1925) · p. Seite 57

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
4 (23.1.1925)
Date
1925-01-23
Page
Seite 57 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 4 57 Das Jüuiscae Echo Freund der Juden und der jüdischen Arbeit in Palästina. Er sei überzeugt, daß nur die jüdische Arbeit, das jüdische Geld, die jüdische Begabung und das jüdische Interesse Palästina wieder aufbauen können. Die von den Juden in Palästina geschaffenen geistigen Werte tragen zur Bereicherung der Welt bei. Frater Gaudenzio Orfali sagte weiter, er habe dem Papst einen Bericht über die Lage in Palästina erstattet, und auch der Papst bewies großes Interesse für die Wiederaufbauarbeit des jüdischen Volkes. Über die Frage der Heiligen Stätten in Palästina äußerte sich Frater Orfali dahin, es sei ein Fehler, die ethnologisch-religiösen Fragen durch gewisse politische Tendenzen zu verwirren. Er habe nie irgend einen Mangel an Achtung für den christlichen Glauben und die christlichen religiösen Traditionen seitens der jüdischen Kolonisten in Palästina bemerkt. Warschauer Fleischhändler errichten ein Schlachthaus in Palästina. Warschau (J.T.A.). Eine Gruppe jüdischer Groß-Fleischhändler in Warschau beschloß, in Palästina ein großes Schlachthaus mit allen neuzeitlichen Einrichtungen zu erbauen. Das Ziel ist, Palästina zu einem Zentrum der Fleischversorgung für den Mittleren Osten zu machen. Die Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem Wie nunmehr feststeht, wird die Eröffnung der Hebräischen Universität Jerusalem am 1. April stattfinden. Die Feier soll drei Tage dauern. Die Universität wird durch Lord Balfour eröffnet werden. (Ziko.) Deutschland Weizmann in Köln In Köln, wo Dr. Weizmann Dienstag gegen 6 Uhr eintraf, fand um 7.30 Uhr eine Massenversammlung statt, die glänzend verlief. Im Namen der Kölner Jüdischen Gemeinde sprach deren Vorsitzender Blumenau, sodann Kurt Blumenfeld. Die längere Rede Weizmanns nahmen die Anwesenden, die dem Führer zujubelten, mit ungeheurer Begeisterung auf. Um 9 Uhr abends fand bei Herrn A. Tietz eine Zirkelversammlung statt, zu der Einladungen an die führenden Juden des Rheinlandes ergangen waren. Alle Geladenen, bis auf drei, die sich hatten entschuldigen lassen, sind der Einladung gefolgt. Die Stimmung auf dieser Zirkelversammlung, an der die führenden Juden aus allen Städten des Rheinlandes teilnahmen, war eine glänzende. Dr. Weizmann sprach zweimal und erwiderte auf alle an ihn gestellten Fragen. Der Vorsitzende des neutralen Keren Hajessod, der Nichtzionist Cahen, hielt eine begeisterte Rede über den Zionismus. Als Vertreter der alten Generation sprach einer der ältesten Rabbiner Deutschlands, Dr. Rosenblum, der ebenfalls zu Opfern für den Keren Hajessod aufforderte. Von Köln ist Dr. Weizmann um 12.30 Uhr nachts nach Paris abgereist. (Ziko.) Ablehnung eines völkischen Antrages im Bayerischen Landtag München (J.T.A.). Im Plenum des Bayerischen Landtages kam es am 16. Januar zu einer Aussprache über einen völkischen Antrag, der einen Schutz der deutschen Wirtschaft vor jüdischer Ausbeutung forderte. Der Redner der Bayer. Volkspartei Dr. Horlacher führte u. a. aus, daß dieser Antrag gegen die Grundsätze der Reichsverfassung verstoße. Die Bayer. Volkspartei habe einen erfolgreichen Kampf gegen die Einwanderung von Ostjuden in Bayern geführt und auch die Regierung" habe sich in dieser Beziehung Verdienste erworben; sie habe seit dem Kriege die Einwanderung von Ostjuden verhindert. So lange aber nicht nachgewiesen sei, daß jeder Christ gut und jeder Jude schlecht sei, könne ein vernünftiger Mensch diesen blöden Antisemitismus der Völkischen nicht mitmachen. — Der völkische Antrag wurde schließlich abgelehnt. i mir ■ii i ii n i 11 | Feuilleton | 1 Illlll "1 1 i.i iilill Vom jüdischen Humor Über jüdischen Humor sprechen ist beinahe eine undankbare Aufgabe, denn es gibt ein russisches Sprichwort: Wenn man keinen Schnaps hat, spricht man vom Schnaps; und über den jüdischen Humor zu sprechen bedeutet, keinen zu haben. Tatsächlich hat es den Anschein, daß der Jude unserer Umgebung wohl Witz, aber keinen Humor hat, wohl spotten aber nicht, lachen, wohl sich lustig machen, aber nicht lustig sein kann. In der ganzen Welt kennt man den jüdischen Witz als ein skeptisch-spöttisches Mitteilen seiner selbst, das dem Juden angeblich Bedürfnis ist. Daher ist er auch dem Nicht-Juden zumeist unverständlich, wie schon das gewissermaßen geflügelte Wort sagt: Ein Witz ist das, was ein Goj nie versteht und ein Jude längst schon kennt. Der jüdische Witz aber, so charakteristisch er ist, so reich seine Assoziationsfähigkeit, durch welche dann immer das Unerwartetste eintritt, so eindringlich auch seine mitteilend-belehrende Tendenz, ist noch kein Zeichen von wirklichem Humor. Denn Humor ist im Grunde genommen die Befreiung des Menschen von der Enge, in welche ihn die Determination, die Gebundenheit des Willens gegenüber dem Ablauf der Welt gebannt hat. Humor ist befreiter Lebensinhalt. Warum können wir Humor bei den Juden nur dort suchen, wo es einen freien jüdischen Lebensinhalt gibt, nicht aber in der Sphäre jüdischen Absterbens. Wir dürfen es nicht leugnen: der jüdische Humor ist im Absterben begriffen. Denn der jüdische Lebensinhalt, der so lange Jahrhunderte verhältnismäßig ungebrochen war, wird in seinem Bestände von allen Seiten bedrängt, auch dort, wo die Juden noch heute eine geschlossene einheitliche Masse bilden. Aber viel vom jüdischen Humor ist noch aus jenen Zeiten erhalten und erfreut und belebt bis heute die jüdische Menschheit. Der Humor ist der Ausdruck der Vitalität, der Lebenskraft des Juden, welche alle Schicksale bisher überwunden hat und als dieser Ausdruck ist er in der Volkssprache zu finden. Dort drückt er sich in Redensarten, Phrasen und Sprichwörtern aus. Man denke etwa an das jüdische Sprichwort, welches wohl kein Kompliment für die Frauen ist, aber die humorvolle Lebensanschauung eines geschlossenen Kulturinhaltes wiedergibt. Es heißt: „A Jidene hot neun Maß Red’.“ Dies gibt die humorvolle Auffassung eines Volkes von gewissen Leiden der Ehe wieder, eines Volkes, bei dem dort, wo es noch seinen geschlossenen Kulturinhalt hat, die Gelehrsamkeit des Mannes die Hauptsache bildet und

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