Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 4 (23.1.1925)
- Date
- 1925-01-23
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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56 Das Jüdische Echo N r. 4 Aus der Jüdischen Welt Osteuropa Die jüdische Kolonisation in der Krim Moskau (J.T.A.). Schon in den nächsten Wochen soll mit der Ansiedlung von Juden auf dem Lande in der Krim begonnen werden. Die Siedlungstätigkeit wird zunächst in kleinem Maßstabe vor sich gehen. 500 Familien werden noch im Verlauf des Winters und 1400 Familien mit ungefähr 8000 Seelen während des kommenden Frühjahrs angesiedelt werden. Zwischen dem von der Regierung eingesetzten Komitee für jüdische Kolonisation und dem ukrainischen Kommissariat für Landwirtschaft wurde soeben ein Abkommen unterzeichnet, laut welchem ein Gebiet von 40 000 Desjatinen anbaufähigen Landes sofort für die jüdische Kolonisation zur Verfügung gestellt wird. Dieser Boden ist ausschließlich für die Ansiedlung jener Juden bestimmt, die aus anderen Teilen der Sowjet- Union nach der Krim kommen. Wie erinnerlich, wurde vor etwa einem Jahre in jüdischen kommunistischen Kreisen ein Plan erörtert* auf der Krim eine großangelegte jüdische Siedlung einzuleiten mit dem Ziel, dort eine jüdische autonome Republik zu errichten. Von diesem Plan ist jetzt nicht mehr die Rede. Auch die jüdische Siedlungstätigkeit selbst wird vorläufig nur in kleinem Maßstabe durchgeführt werden können. Ein Lehrstuhl für Jiddisch an der Moskauer Universität Moskau (J.T.A.). An der pädagogischen Fakultät der Moskauer Universität wurde ein Lehrstuhl für jiddische Sprache und Literatur errichtet. Die Studenten der Universität, die sich dem Lehrerberufe widmen wollen, werden verpflichtet, die Vorlesungen über jiddische Sprache und Literatur, sowie über jüdische Geschichte zu hören. Die jüdische Emigrationskonferenz in Warschau eröffnet Am Sonntag, den 18. Januar, begann in Warschau die für mehrere Tage berechnete große jüdische Emigrationskonferenz, zu welcher Delegierte aus ganz Polen eingetroffen sind. Seitens des Berliner Emigrationsdirektoriums wohnt Herr Latzky- Bertholdy der Konferenz bei. Die Frage der Emigration ist für die polnische Judenheit deshalb so brennend, weil durch die andauernde Wirtschaftskrisis das Auswanderungsbedürfnis unter den jüdischen Massen täglich wächst, aber wegen der Immigrationsbeschränkungen in den westlichen und Überseeländern den Emigranten jeder Weg verstellt ist. Zu Ehren des gegenwärtig in Warschau weilenden Vertreters des Emigrationsdirektoriums und früheren Ministers W. Lartzky-Bertholdy fand im Kaminsky-Theater ein feierlicher Empfang statt. Herr Lartzky wurde von zahlreichen Rednern begrüßt; er antwortete mit einer Rede über die Entwicklung des jüdisch-nationalen Gedankens in den letzten 100 Jahren. Erleichterung für Palästina-Wanderer aus Polen Warschau (J.T.A.). Laut dem palästinensischen Einwanderungsgesetz müssen sich die nach Palästina Einwandernden über einen Besitz von mindestens 500 Pfund ausweisen können. Der britische Konsul in Warschau hat jetzt bestimmt, daß qualifizierte Arbeiter einwandern' können, auch wenn sie nur die Hälfte der erwähnten Summe, nämlich 250 Pfund, besitzen. Den jüdischen Arbeitern ist es aber schwer, sich als qualifizierte Arbeiter auszuweisen, da hierzu ein Diplom eines Mitglieds der Meistergilde notwendig ist. Bekanntlich werden aber die Juden seit einiger Zeit nicht mehr in die Handwerker-Zünfte aufgenommen, sodaß sie ihren Gehilfen keine Diplome ausstellen können. Dieser Tage wurde eine Beratung zwischen den Mitgliedern des Palästina-Amtes, der Zionistischen Organisation in Warschau und des Zentralverbandes der jüdischen Arbeiter abgehalten, in welcher beschlossen wurde, den britischen Konsul zu ersuchen, die vom Zentralverband jüdischer Arbeiter ausgegebenen Diplome anzuerkennen. Erez Israel Die Wiedereinrichtung des deutschen Generalkonsulates Berlin (J.T.A.). Die deutsche Regierung hat den Legationsrat im Auswärtigen Amte Dr. Nord zum Generalkonsul des Deutschen Reiches für Palästina mit dem Sitze in Jerusalem ernannt. Dieser Posten war seit dem Kriege unbesetzt. Der spanische Konsul vertrat die deutschen Interessen in Palästina; ihm war der Vizekonsul K. Kapp als Gehilfe zur Erledigung der deutschen Angelegenheiten beigegeben worden. Die Palästinaregierung hat vor kurzem dem spanischen Konsul, als dem Vertreter des Deutschen Reiches, das frühere deutsche Konsulatsgebäude in Jerusalem wieder zurückgegeben. Die früheren deutschen Konsulate in Haifa und Jaffa werden vorläufig noch nicht besetzt werden. Die Einwanderung im Monat Dezember Im Laufe des Dezember sind 1825 Immigranten nach Palästina gekommen. (Der „Jewish Chronicle“ gibt die Zahl der Palästina-Ankömmlinge im Monat Dezember mit 2100 an. Wir nehmen an, daß die erste Zahl sich ausschließlich auf Juden und die vom „Jewish Chronicle“ angegebene auf alle Ankömmlinge insgesamt bezieht.) (Ziko.) Die Stadtratswahlen in Tel Awiw Bei den am 6. Jan. in Tel Awiw stattgefundenen Neuwahlen in den Stadtrat wurden gewählt: 12 Vertreter der Arbeiterschaft, 10 Mitglieder der Orthodoxen, 5 allgemeine Zionisten, 6 Vertreter der sephardischen Juden und 6 Vertreter anderer jüdischer Gruppen. (Ziko.) Ein modernes Touristen-Hotel für Jerusalem Jerusalem (J.T.A.). Die Palestine Securities, Inc., die Unterkörperschaft des amerikanischen Zion Commonwealth für den Verkauf von palästinensischen Obligationen, die an der erfolgreichen Unterbringung der Tel-Awiw-Anleihe in den Vereinigten Staaten mitgewirkt bat, teilt nun mit, daß sie Vorbereitungen für den Bau und die Einrichtung des ersten großen modernen Touristen-Hotels in Palästina getroffen hat. Das Hotel wird in Jerusalem Ecke King George Avenue und Ben Yehuda Street erbaut werden. Der Baugrund gehört der Zion Commonwealth. Das Hotel wird vom früheren Besitzer des Zentral-Hotels, Mr. Yerahmiel Amdursky, und von dem amerikanischen Kaufmann Mr. Louis Rosenblatt, verwaltet werden. Ein katholischer Führer über die Leistungen der Juden Professor Gaudenzio Orfali, Mitglied des Archäologischen Rates bei dem Antiquitäten-Departement der Palästina-Regierung und Organisator des Palästina-Pavillons auf der Missions-Ausstellung der römisch-katholischen Kirche im Vatikan, erklärte gegenüber dem JTA-Vertreter, er sei ein warmer