Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 4 (23.1.1925)
- Date
- 1925-01-23
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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54 Das Jüdische Echo Mr. 4 Eisenbahnen- und Telephonlinien, schaffen elektrische Zentralen. Was sie tun, kommt nicht nur ihnen zugute, sondern hebt die Produktivität des ganzen Landes und seinen wirtschaftlichen Kredit. Das alles wäre den Fellachen aus ihrer Kraft nie gelungen, zunächst wohl nur darum, weil ihnen die Begriffe und die organisatorische Initiative fehlen und weil diejenigen, deren Aufgabe dies wäre, die Großgrundbesitzer, nicht im Lande wohnen. Trotzdem aber bleibt die arabische Exekutive, das ist nur ein anderer Ausdruck für die von Rom aus instruierte Gruppe, auf ihrem Standpunkt. Sie hat, wie der Berichterstatter sich ausdrückt, nichts vergessen und nichts gelernt. # * * Aus dieser Gegenüberstellung von schaffender Tal und negativer Kritik ergeben sich einige nicht unwichtige Folgerungen. Der schöpferische Inhalt des Zionismus ist so reich, daß er Mißgunst und Unverständnis leicht überwinden kann. Er muß seine Arbeit fortsetzen, ihr Tempo beschwingen, Geld und Menschen herbeischaffen. Er muß seine gemeinschaftsbildende Fälligkeit vertausendfachen, die Ströme jüdischer Wanderung nach dem neuen alten Land dirigieren und die zweckentsprechende Organisation zimmern. Der Zionismus muß unablässig die jüdische Gesamtheit an ihre Pflicht erinnern, die Maschine in Gang zu erhalten. Er muß an der Führung des Judentums bleiben als die Keimzelle der werdenden jüdischen Zukunft. Er muß Werte schaffen, Mißverständnisse beseitigen und darf mit der Aufklärung nicht aussetzen, daß das jüdische Friedenswerk, weil es ein Friedensvverk ist, nur zu leicht mit den Expansionstendenzen europäischer Marke verwechselt werden kann. Es ist ja sicherlich schwer für einen Europäer, an dieses Werk einen ungewohnten Maßstab anzulegen und sich von den traditionellen Vorstellungen loszulösen, die in einem europäischen Politiker wach werden, wenn er von Kolonien hört. Für ihn sind dies militärische Glanzstücke, die die Macht und den Ruhm des Vaterlandes vermehren. Es sind Vorstellungen, die sich mit Trompetengeschmetter, mit wehenden Fahnen, mit einsam auf fernem Boden sterbenden Soldaten füllen. Ein Europäer kann es vielleicht gar nicht fassen, daß das Judentum, geführt von der zionistischen Idee, diese Art der Macht- und Besitzvermehrung ablehnt. Wir bauen das Heim für uns, für unsere Kinder; wir wollen den Arabern nichts nehmen, erstens weil wir das Sittengesetz „Du sollst nicht stehlen!“ einhallen, und zweitens weil wir nicht die Revanchegelüste der ganzen arabischen Welt auf uns ziehen wollen. Die Romantik des Mordens und der Unterdrückung haben wir so tief an uns selbst empfunden, daß wir, die wir auch rings um uns die grauenhaften Wirkungen dieser Psychose sehen, sie unter allen Umständen ablehnen. Unser Werk ist einzigartig und traditionslos. Daran liegt es wohl auch zu einem großen Teile, daß die Mandatskommission uns nicht verstanden hat; wir werden von der schlecht unterrichteten an eine besser unterrichtete appellieren und dafür Sorge tragen, daß der Unterricht unzweideutig geschieht. * Vom jüd. Religionsunterricht Wir bringen die folgende Replik des Herrn Dr. Orthai auf den in Nummer 1 dieses Jahrganges erschienenen Artikel, wobei wir unter Hinweis auf die mehrfach von uns kundgegebene Absicht, die Diskussion über diesen Gegenstand zu schließen, die Aufnahme weiterer Zuschriften in dieser Sache vorläufig ablehnen müssen. Aus diesem Grunde versagen wir uns auch, zur Sache selbst Stellung zu nehmen, bemerken jedoch, daß auch uns die persönliche, fast aggressive Form des Ehren reich ’schen Aufsatzes als dem Niveau dieses Blattes und speziell der sonst so erfreulichen Diskussion nicht angemessen erschien. D. Red. Auf die Entgegnung des Herrn Lehrer Ehrenreich in Nr. 1 dieses Blattes erwidere ich, soweit diese Persönliches enthält, überhaupt nicht, soweit sie Sachliches enthält, mit folgenden kurzen Sätzen: 1. Herr E. bestreitet rundweg, daß die von mir gerügte Übersetzungsmethode an den Nürnberger Schulen eingeführt ist. Er befindet sich in einem groben Irrtum, von dem er sich durch Befragung seiner Herren Kollegen leicht hätte überzeugen können. In mindestens Dreiviertel nicht nur aller Nürnberger, sondern aller bayerischen Lehranstalten wird nach dem von mir behaupteten System unterrichtet. 2. Herr E. behauptet, daß in den unteren Klassen ein kleines grammatikalisches Gerippe geboten wird, um den in Betracht kommenden geringen hebräischen Wortschatz den Kindern zu vermitteln. Damit wäre die von mir aufgestellte Forderung ja bereits erfüllt. In Wirklichkeit aber wird nur in etwa 15 Stunden des 2. Lehrganges eine geringe Anzahl von Wörtern und grammatikalischen Formeln gelehrt; in ganz kurzer Zeit aber wird diese Methode aus einem mir unverständlichen Grunde wieder völlig aufgegeben. Ich beziehe mich zum Beweise auf die hier eingeführten Lehrbücher. 3. Mehrere Jahre hindurch nur hebräische Wortlehre und Grammatik zu betreiben, habe ich natürlich nicht in dem Sinne vorgeschlagen, daß damit der ganze Religionsunterricht ausgefüllt werden soll, sondern in dem Sinne, daß an Stelle der geistlosen Wort-um-Wortübersetzerei dieser Grammatikunterricht treten soll. 4. Da Herr E. behauptet, daß die von mir geforderte Methode bereits durchgeführt sei, so anerkennt er damit selbst die Berechtigung und Durchführbarkeit meiner Reformvorschläge. 5. Ich habe nur durch Bloßlegung der bestehenden Mißstände das öffentliche Gewissen wachzurütteln versucht; Sache der Eltern ist es nunmehr, die Abstellung dieser Mißstände durchzusetzen und zu überwachen. Dr. Heinrich Orthai. 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