Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 4 (23.1.1925)
- Date
- 1925-01-23
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 Das Jüdische Echo 53 gerade jüdisch-religiösen Gesichtspunkten hohnsprechende Auffassung dar, wenn man sich dem Bau einer Synagoge deshalb widersetzt, weil er a ucli von den Zionisten und für Zionisten gewünscht wird. Das Auftreten von Herrn Dr. Sichel mag in diesem Falle etwas abrupt, etwas unpolitisch gewesen sein — immer vorausgesetzt, daß die gegebene Sachdarstellung einwandfrei ist — in ihrem Kerne jedenfalls hat Dr. Sichel diese Frage durchaus richtig und so behandelt, daß es den Beifall jedes jüdisch Denkenden erwecken muß. Ein solcher Gemeindevertreter, wie der Vorsitzende der Chemnitzer Gemeinde nach der Darstellung der ,,C.-V.-Zeitung“ zu sein scheint, gehört tatsächlich nicht in eine jüdische Gemeindestube; er mag sich in den Landtag'oder Reichstag wählen lassen, die jüdische Wählerschaft kann in jüdischen Dingen auf seine Mitarbeit jedenfalls leicht verzichten. Es wird die Aufgabe der Wähler zu den Gemeindeverbandswahlen in Preußen sein, dafür zu sorgen, daß solche Gemeindevertreter aus den Gemeindevertretungen eliminiert werden. Der C.-V. behauptet, eine Reihe jüdischer Programmpunkte in sein Aktionsprogramm aufgenommen zu haben. Es ist erfreulich zu sehen, wie sich Holländer in einer bisher kaum gekannten Klarheit für die Rechte der Ostjuden in Deutschland, für die Förderung jüdisch-kultureller Werte usw. einsetzt. Wir zweifeln auch nicht daran, daß er in diesen Punkten es mit der Wahrheit ziemlich ernst genommen hat. Wir erlauben uns lediglich, an dieser Wandlung — deren Vorhandensein kein aufmerksamer Beobachter leugnen kann — dem Zionismus ein wesentliches Verdienst zuzuschreiben. Diesen Weg ist der C.-V., und darüber soll man sich auch einmal klar werden, keineswegs freiwillig gegangen. Seine Tendenz, die, man braucht nur frühere Jahrgänge der Zeitschrift ,,Im deutschen Reich“ zu verfolgen, mit absoluter Sicherheit immer weiter vom Judentum a b f ü h r t e, ist beeinflußt, ist umgebogen worden durch die ständige Arbeit, die dauernde Kampfestätigkeit der zionistischen Organisation. Wenn man heute im C.-V. mit Schaudern auf den „Verband nationaldeutscher Juden“ blickt, so möge man sich einmal überlegen, wie nahe gerade der C.-V. diesem Abgrunde war, von dem er durch die seinen Mitgliedern immanente jüdische Kraft und infolge der ständigen Beeinflussung durch die positiv jüdische Arbeit des so viel geschmähten Nationaljudentums von unten herauf und oftmals gegen die Führung und deren Absicht zurückgewiesen wurde. Es ist heute noch nicht an der Zeit, letzte Schleier von diesen Vorgängen wegzuziehen, die Stunde dazu wird, des sind wir gewiß, noch kommen, dann nämlich, wenn das deutsche Judentum noch einen Schritt weiter auf diesem positiven Wege gegangen sein wird, der vom Zionismus und von der jüdischen Volkspartei mit aller Kraft und mit heißem Bemühen angestrebt wird. Li-r. Oie jüdische Kolonisation Tn einem längeren Situationsbericht ihres Jerusalemer Korrespondenten würdigen die „Times“ den derzeitigen Stand der wirtschaftlichen Erschließung Palästinas. Der Artikel gewinnt seine Bedeutung dadurch, daß er kaum einen Monat nach den bekannten Vorgängen in der permanenten Mandatskommission des Völkerbundes erscheint, also Dinge behandelt, die zu diesem Termin bereits feststanden und die Verhandlungen der Kommission sehr wohl hätten beeinflussen können. Aber die Kommission hat es vorgezogen, das Memorandum der jüdischen Vertretung wegen eines herzlich unbedeutenden Formfehlers ungelesen ins Archiv zu senden und sie hat ihre Aufmerksamkeit lieber der arabischchristlichen Beschwerdeschrift gewidmet, deren Inhalt Punkt für Punkt von dem britischen Oberkommissär als bewußt unrichtig dementiert worden war. Es blieb der Kommission unbekannt, daß in dem Mandatsgebiet Leistungen vollbracht worden sind, die sich neben den schönsten Taten der angelsächsischen Kulturpioniere sehen lassen können. Der besondere Charakter dieser Arbeit liegt darin, daß sie von jüdischer Kraft und jüdischem Enthusiasmus geschaffen worden ist. Es war der Kommission bekannt, daß das Palästinamandat in einer gewissen Relation zu den Juden sich befindet und sie hätte deshalb wohl auch eine diesbezügliche Frage stellen können. Dies ist unterblieben und die Kommission fand es für notwendig, die mangelhafte und unzulängliche landwirtschaftliche Ausbildung der jüdischen Einwanderer zu beklagen. * * * In dem Bericht der „Times“ findet sich nun genügendes Material, um auch diese Klage zu entwerten, wobei noch zu bedenken ist, daß die „Times“ Judentum und jüdische Fragen nicht gerade wohlwollend betrachten. Der Korrespondent kann nicht umhin, den materiellen Fortschritt des Landes in kräftigen Zügen darzustellen, den er als für heute und für die Zukunft durch die jüdische fianzielle Hilfe von außen bestimmt ansieht. Freilich nur „zu einem großen Teil“. Hin und wieder mag sich auch Bileam seiner Aufgabe besonnen haben. Wir wissen, daß das Palästinabudget aus dem Lande bestritten wird und daß die englischen Ausgaben nur die Armee betreffen. Man macht sich keiner Zweckfälschung schuldig, wenn man den nichtjüdischen Teil der Steuerleistung als seingering veranschlagt. 95 Prozent der landwirtschaftlichen Bevölkerung — sagt der Bericht — sind arabisch und der Korrespondent schildert die Ursprünglichkeit dieses Elements in sehr krassen Worten. Er gibt auch an, daß die arabischen Führer den Unterschied zwischen der jüdischen und der arabischen Methode — den Juden und dem britischen System zur Last legen und aus diesem demagogischen Changement ihr politisches Dasein fristen. Die Juden forsten auf, bekämpfen Sümpfe und die Sumpf krankheiten, bauen Städte, legen DAS HAUS KRELL-UCKO THEATINERSTR.16 TELEFON 27831-32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGMÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN - DECKEN