Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 4 (23.1.1925)
- Date
- 1925-01-23
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Das Jüdische Echo Nr. 4 nicht, aber wir verwahren uns mit allem Nachdruck gegen eine derartige Berichterstattung, die nicht mehr tendenziös, sondern die absolut u n - w a h r h af t i g , wenn nicht noch schlimmer genannt werden muß. Wir haben keinen Anlaß, auf dem Wege der Leitartikel den Nachweis dafür zu liefern, daß die so sehr gewünschte Dauerkrise im Zionismus nicht besteht, daß die Anzahl der Palästinawanderer, die steigenden Einnahmen unserer Fonds, die Z u n a h m e wirklicher Zionisten in unseren Kreisen nicht gerade einen Beweis für ein sinkendes Interesse darstellen. Wir sind heute so weit, daß wir Taten und Zahlen für uns sprechen lassen können und wir hoffen, auch in diesem Jahre Gelegenheit genug zu finden, diese Taten und Zahlen dem C.-V. so deutlich vor Augen zu führen, wie es nur immer gewünscht werden kann. Der Besuch W e i z m a n n s in Berlin, seine Aufnahme durch die deutsche Presse, beim Reichspräsidenten und Reichskanzler und nicht zuletzt bei den deutschen Juden bildet eine treffliche Illustration zu dem trüben Bilde der „Dauerkrise im Zionismus“, wie es in der C.-V.-Zeitung mit nicht ganz sauberem Pinsel an die Wand gemalt wurde. Zur .Sache selbst haben wir bereits in der vorigen Nummer unseres Blattes ausführlich Stellung genommen. Wir haben insbesondere betont, daß die vom C.-V. angewandte Taktik, die darauf ausgehl, die zionistische Leitung in Deutschland als so ideologisch verstiegen und politisch unklug hinzustellen, daß sie Forderungen, die in anderen Ländern berechtigt sind, die eine zahlenmäßig starke jüdische Bevölkerung aufweisen, auch in Deutschland zur Durchführung verhelfen möchte. Jüdische Volksgemeinde, nationale Autonomie für die deutschen Juden und dergleichen mehr, behauptet man, seien die wahren Ziele, auf die es den Zionisten ankomme. Diese Ziele klar zu legen und an Hand verstaubter Zeitungsartikel aus der Vorkriegs- oder bestenfalls der Revolutionszeit den „schlagenden“ Nachweis dafür zu liefern, daß es wirklich einmal Zionisten gegeben hat, die derartige Forderungen einmal aufgestellt haben, darin sieht man im C.-V. ein Gebot der Wahrheit und Klarheit. Es ist schon oft genug und längst v o r diesem Wahlkampf an dieser Stelle und überall in der zionistischen Presse festgestellt worden, daß für uns Juden in Deutschland naturnotwendigerweise völlig andere Lebensbedingungen und Ziele bestehen, als beispeilsweise für die Judenlieit in Litauen. Es bedarf hier auch gerade in Bayern keiner ausgedehnten Beweisführung und Widerlegung, da hier wieder einmal die Tatsache n am lautesten sprechen. Wir glauben nicht, daß von irgend einer Seite und gerade von der Seite des C.-V. in Bayern die Behauptung aufgestellt werden kann, daß die dem Gemeindeverband ungehörigen Mitglieder der Jüdischen Volkspartei irgendwann und in irgend einer Weise Gelegenheit gegeben haben, derartige Befürchtungen in die Welt hinaus zu posaunen, wie sie heule Woche für Woche in immer neuer Aufmachung und mit immer demselben Inhalt in der C.-V.-Zeitung dem naiven Leser vorgespiegelt werden. Gerade dieser Präzedenzfall Bayern müßte doch ein hervorragendes Agitationsmaterial für Herrn II o 11 ä nd e r abgeben, wenn — ja, wenn eben irgend etwas von alledem, was da behauptet wird, eine reale Grundlage hätte. In diesem neuesten unter der Flagge: Klarheit und Wahreit segelnden Artikel lesen wir folgendes: „In Chemnitz ereignete sich in einer Sitzung des Gemeindekollegiums folgendes: Es handelte sich um den Bau eines orthodoxen Bethauses. Der Vorsitzende hatte ausgeführt, daß man eine Synagoge liir die Orthodoxen gern bauen würde, falls Geld vorhanden sei, aber nicht eine solche für Zionisten, denn man erwarte, daß die Juden, die in Deutschland wohnen, sich der deutschen Kultur anpassen. Hierauf machte der Vertreter der Zionisten, Herr Dr. Sichel, folgenden Einwurf: „Wenn Sie von deutscher Kultur sprechen, dann machen Sie, daß Sie hinauskommen. Wir sind hier in einer israelitischen Religionsgemeinde!“ Wir sind nicht in der Lage, diesen Bericht ohne weiteres als der Wahrheit entsprechend hinzunehmen. Die bisherige Berichterstattung der „C.-V.-Zeitung, die wir ja oben bereits kurz gekennzeichnet haben, scheint uns nicht die genügende Gewähr dafür zu bieten, daß ihre Meldungen ohne weiteres als klar und wahr unterstellt werden können. Aber nehmen wir einmal diesen Sachverhalt als gegeben an, so beweist er gerade, daß man im anderen Lager immer noch nicht erkannt hat, oder was wahrscheinlicher ist, nicht erkennen will, worauf es uns, worauf es überhaupt ankommt. Wir bekämpfen den typischen Standpunkt des C.-Vv der darauf hinausläuft immer wieder jüdische Dinge aus deutschen Gesichtspunkten heraus und deutsche Fragen nach jüdischen Gesichtspunkten zu behandeln. Auch hier wieder ein Beispiel dafür: Was denn in aller Welt hat der Bau einer Synagoge mit den Fragen des Deutschtums zu tun? Stellt es nicht geradezu eine allen jüdischen und "RbuThallmaier München fssilt ThßcUinßrÜrAQ.