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Das jüdische Echo · 1925-01-23 · 4 (23.1.1925) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
4 (23.1.1925)
Date
1925-01-23
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nu«nmer 4 _ 23. Januar 12 lahrgang Klarheit und Wahrheit Klarheit und Wahrheit! So lautet die Überschrift des neuesten Artikels von Ludwig Holländer in der C.-V.-Zeitung vom 16. ds. 25, einem Artikel der selbstverständlich wiederum dem Wahlkampfe zum Verband der jüdischen Gemeinden in Preußen gewidmet ist. Klarheit und Wahrheit, eine Parole, gegen die sicherlich niemand in der Welt etwas einzuwenden haben kann, die die gegebene Devise für einen innerjüdischen Wahlkampf darstellt, die aber auch, darüber muß der, der sie proklamiert, sich im Klaren sein, verpflichtet, wenn er nicht den Vorwurf auf sich sitzen lassen will, sich an Stelle eines ehrlichen, menschlich unantastbaren Vorgehens lediglich eines beliebten Taschenspieler- und Politikertricks bedient zu haben, durch den gerissene Demagogen hoffen und erwarten können, politisch Ungeschulte für ihre Zwecke einzufangen. Der Zionismus, die zionistische Bewegung und ihre Organisation, ist eine ausgesprochene Kampfesorganisation, eine Verbündung von Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, unter Übernahme von Opfern und Leistungen, die immerhin nicht als alltäglich betrachtet werden können, den Kampf aufzunehmen gegen jüdische Lauheit und Passivität, gegen die immer mehr um sich greifende Interesselosigkeit in den Fragen der Gestaltung jüdischen Lebens und aller damit verbundenen Fragen der Erziehung und der Politik, den Kampf zu führen f ii r das Neuerwachen einer jüdischen Kultur im Galuth und in Palästina, für den Aufbau einer neuen sicheren und schönen Heimat jüdischer Menschen in Erez Israel. In jahrzehntelanger Erfahrung ist es der zionistischen Führung, ist es allen zionistischen Arbeitern deutlich und klar geworden, daß dieser Kampf dann ein besonders fruchtbarer und ergebnisreicher sein kann und ist, wenn sich der Gegner zum Kampfe stellt, wenn er sich wehrt, sich verteidigt oder auch angreift und daß es nichts deprimierenderes und lähmenderes gibt, als immer wieder aufzurufen zur Stellungnahme, zur Entscheidung, zum Kampfe, ohne einen Widerhall im anderen Lager zu verspüren. Darum begrüßen wir durchaus das neuerliche Vorgehen des Centralvereins, darum freut es uns, wenn es nunmehr den Anschein hat, als wolle er den ihm hundertmal vor die Füße geworfenen Fehdehandschuh aufnehmen und vor dem Forum des gesamten deutschen Judentums im Kampfe der Meinungen und Geister im Widerstreit der Anschauungen und in der Gegenüberstellung der Endziele seinen Mann stellen. Wir sind allerdings der Ansicht, daß die Wahlen zum Landesverband der jüdischen Gemeinden in Preußen nicht das ideale Feld dar stellen, auf dem dieser Streit ausgetragen werden sollte. Zu dieser Auffassung bestimmt uns einmal die Tatsache, daß es sich letzten Endes um eine innere Angelegenheit der preußischen Gemeinden und der in ihnen ansässigen Juden hier handelt, während die Ebene, auf der unserer Anschauung nach gestritten werden sollte, möglichst breit sein, möglichst alle deutschen Juden umschließen sollte. Zum andern befürchten wir — und das bisher Geschriebene und Gesagte hat uns leider nur zu recht gegeben —, daß Fragen deutscher Politik bei diesen Wahlen eine viel größere Rolle spielen werden, als sie es an sich tun sollten, wenn es sich darum handelt, das Kräfteverhältnis zweier großer Gruppen im Judentum in Beziehung auf das Jüdische zu messen. Aber, sei dem, wie es wolle! An uns soll es nicht fehlen, so lange wenigstens nicht, als es sich mit jüdischen, das heißt mit anständigen Grundsätzen vereinbaren läßt. An Klarheit soll es dabei nicht gebrechen, und mit der Wahrheit hoffen wir es immerhin noch etwas genauer zu nehmen, als es die letzten Nummern der C.-V.-Zeitung erkennen lassen, wenn wir auch den Äußerungen unserer offiziellen und anderer Organe nicht so hochtönende Überschriften voranstellen, wie sie von der C.-V.-Zeitung beliebt werden. Die Nummer 1 der diesjährigen C.-V.-Zeitung bringt einen Bericht über den zionistischen Delegiertentag in Wiesbaden im Rahmen eines Wahlartikels. Überschrift: Dauerkrise im Zionismus. Untertitel: Sinkendes Interesse bei den Nationaljuden Deutschlands und der Welt. — „Warum laßt ihr die Westjuden nicht in ihrer sicheren Heimat?“ — Deutsche Chaluzim gegen ostjüdische. Auch ohne weiteren Kommentar wird es jedem, der irgendwie mit zionistischer Arbeit, mit statistischer jüdischer Literatur in Berührung gekommen ist, einleuchten, wie wenig sich eine derartige Berichterstattung mit den Grundsätzen von Wahrheit und Klarheit vereinbaren läßt. Für jeden Besucher dieses wahrhaft großen Delegiertentages, der durch die Anwesenheit des Präsidenten der Zionistischen Organisation ein besonders feierliches und würdiges Gepräge trug, für jeden Teilnehmer an der Eröffnungssitzung insbesondere — und es waren ja Nichtzionisten, Rabbiner, Lehrer, Gemeindevorsteher usw. in großer Zahl anwesend — aber wird es geradezu unfaßlich erscheinen, wie es möglich sein konnte, aus einer tagelangen, außerordentlich fesselnden und auf objektiv hohem Niveau stehenden Debatte einige bestenfalls mißverstandene Sätze herauszuziehen, um sie zusammenhanglos in der geeigneten Aufmachung zum Abdrucke zu bringen und um auf diese Weise Wahlstimmung zu machen. Wo leitet der Centralverein das moralische Recht her, der antisemitischen Presse wegen ihrer bekannten Tendenz, durch diese Mittel verwerflichster Art für ihre Sache Stimmung zu machen entgegenzutreten, wenn er sich selbst der gleichen Methode in einem kaum zu überbietenden Maße bedient, einer Methode, die wahrlich mit den Prinzipien, die dem Holländer’schen Artikel leitmotivartig vorangestellt sind, weniger als nichts zu tun hat? Wenn der C.-V. nicht über den Delegiertenlag berichten will, so ist es seine Sache, wenn er sich nicht in Lobeshymnen über ihn ergeht, so können wir das verstehen, wir wünschen solche Lobeshymnen von ihm auch selbstverständlich

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