Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1925-01-16 · 3 (16.1.1925) · p. Seite 42

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
3 (16.1.1925)
Date
1925-01-16
Page
Seite 42 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9072829-9103075-9153747--06405-9079114
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

42 Das Jüdische Echo Nr. 3 Eine Deklaration des rumänischen Außenministers an Herrn Nahum Sokclow Der rumänische Außenminister Duca richtete an den Vorsitzenden der Zionistischen Exekutive Herrn Nahum Sokolow, folgende Deklaration: Man hofft in Rumänien, daß Sie in dem unternommenen Werke Erfolg haben, ein Nationalheim für das jüdische Volk in Palästina zu errichten, welches Werk Sie mit allgemein anerkannter Autorität und Loyalität verfolgen. Die Schaffung dieser nationalen Heimstätte ist ein Humanitätswerk, an welchem auch Rumänien als Mitglied des Völkerbundes mitwirkte. Wir sehen kein Hindernis, daß jüdische Bürger Rumäniens an dem Werke mitwirken, welches Sie in Palästina um den Preis so vieler Opfer und Anstrengungen verfolgen. Die gegenwärtige sowie die vergangene Regierung haben Dr. Wilensky, den Spezialgesandten der Zionistischen Organisation, bei der Fondssammlung zur Wiedererrichtung Palästinas unterstützt, und wir versichern Sie, daß wir Ihre Tätigkeit in Zukunft mit demselben Wohlwollen verfolgen werden. (Ziko.) Italien Angebliche Kursänderung des Vatikans bezüglich seines Verhältnisses zum Zionismus Wie JTA , berichtet, schreibt der arabische „Harat el Scherkh“, daß, wie verlautet, Monsignore Barlassina nicht mehr nach Rom zurück-* kehren werde. Seine Stelle werde Bischof Kdan einnehmen. Dieser Wechsel soll eine Änderung des Kurses des Vatikans gegenüber dem Zionismus bedeuten, veranlaßt durch die Audienz des englischen Außenministers Chamberlain beim Papste und seine Besprechung mit Staatssekretär Kardinal Gasparri. Wir geben diese Meldung mit allem Vorbehalt wieder. (D. Red.) Deutschland Der Auftakt zu den preußisch-jüdischen Wahlen Berlin (J.T.A.). Der Kampf aus Anlaß der am 1. Februar stattfindenden Wahlen zur Landesversammlung der jüdischen Gemeinden in Preußen, der bis jetzt in Programmen und Zeitungsartikeln geführt worden ist, ist nunmehr auch in die Versammlungssäle getragen worden. Die Jüdische Volkspartei lud für Montag, den 5. Januar, in das Lehrervereinshaus zu einer Versammlung unter dem Schlagwort „Das erste Judenparlament in Preußen“ ein. Lange vor Beginn der Versammlung war der große Saal überfüllt und viele Hunderte warteten vor dem Eingänge. Es mußte eine Parallelversammlung in einem zweiten Saal arrangiert werden, der sich ebenfalls’ sofort füllte. Herr Rechtsanwalt Dr. Klee, der Listenführer der Jüdischen Volkspartei, entwickelte das Programm seiner Partei und wies darauf hin, daß die Judengesetzgebung, die noch jetzt für die jüdischen Gemeinden maßgebend ist, noch aus dem Jahre 1847, also aus der Zeit der dunkelsten Reaktion in Deutschland stammt. Das Gesetz zielte auf die Zersplitterung, nicht auf die Vereinigung der Judenschaft. Nach längeren vergeblichen Aktionen wird nun zum ersten Male der Versuch gemacht, den preußischen Juden einen organisatorischen Rahmen zu schaffen. Leider war es infolge des Partikularismus der bayerischen und württembergischen Juden nicht möglich, die Juden des ganzen Reiches in eine einheitliche Organisation zu bringen. Das Ziel der Volkspartei bleibt aber: e i n jüdisches Volk ohne Unterschied von Ost und West. Die Jüdische Volkspartei wird in der jüdischen Landesversammlung für eine jüdische Erziehung im Sinne der Erneuerung des Judentums und für eine soziale Fürsorge im breitesten Sinne, die auch das große jüdische Wanderproblem und die Aufbauarbeit in Palästina einschließt, eintreten. Das Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde, Dr. Sandler, wies darauf hin, daß das zukünftige jüdische Preußenparlament die erste legitime Vertretung für mehr als Dreiviertel der deutschen Juden bilden wird. Er polemisierte gegen die Kampfmethode des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der durch seine Parole, für keine Liste zu stimmen, auf der ein Zionist figuriert, sich selbst die Legitimation abgesprochen hat, im Namen aller deutschen Juden aufzutreten. Redner sagte, die von der preußischjüdischen Landesversammlung zu bildende Rechtsbehörde werde anstelle des Centralvereins die jüdische Vertretung im Kampfe gegen den äußeren Feind bilden. Er richtete an die Wähler die Aufforderung, von den 150 Sitzen der preußischen Landesversammlung einen möglichst großen Teil der Volkspartei erobern zu helfen. Lehrer Steinhardt, der Vorsitzende des preußisch-jüdischen Landesverbandes, schilderte die Lage des jüdischen Erziehungswesens, das infolge der Vernachlässigung durch die jüdischen Gemeinden sehr im Argen liegt. 25—30% der jüdischen Lehrer haben ihre Posten verlassen. Hunderte Gemeinden sind ohne Lehrer und Vorbeter geblieben. Er, Redner, gehöre der zionistischen Bewegung nicht an, aber er habe die Jüdische Volkspartei um ein Mandat gebeten, weil er glaube, daß diese Partei das Programm der jüdischen Erziehung erfüllen wird. Der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Dr. Kurt Blumenfeld, führte aus, nicht die erprobte Gesinnung, sondern die objektiven Tatsachen bilden die Grundlage für ein Programm. Der Centralverein, sowie der Naumannsche Verband nationaldeutscher Juden, wünschen die Gleichberechtigung für diejenigen, die ihre Gesinnung hegen; die Jüdische Volkspartei aber kämpft für die Judenheit ohne Unterschied der Gesinnung. Herr Benzion Fett als Vertreter der Ostjuden führte aus, er hoffe, daß bei den Wahlen der Geist des lebendigen Judentums siegen wird. Oberregierungsrat Hans Goslar bedauert es, daß es nicht gelungen sei, auf dem Wege des Ausgleichs einen innerjüdischen Wahlkampf zu vermeiden, der nun Formen annimmt, die der Judenheit nach außen schaden können. Wenn aber schon Kampf sein muß, dann soll der Jude zeigen, daß er mit vornehmen Waffen kämpft. Die Kampfesweise des Centralvereins, die auf eine Verdächtigung eines Teiles der Judenheit hinausgeht, schadet dem Judentum. Er appellierte an Rabbiner Mayer Hildesheimer, der ein Ehrenmann und Träger eines berühmten Namens sei, er möge öffentlich von dieser Kampfesweise abrücken. Unter großen Beifallskundgebungen schlossen die beiden Versammlungen. Die Zukunft des „völkischen“ Alpenvereins Berlin (J.T.A.). Dis Mitglied des Preußischen Landtags, Ministerialrat Dr. Hermann Badt, der als Delegierter der Berliner Sektion der Münchener Generalversammlung des Alpenvereins beiwohnte und durch die völkischen Elemente gezwungen wurde, seine Rede zu unterbrechen, veröffentlicht im „Berliner Tageblatt“ vom 16. Dezember einen Artikel „Der Alpenverein im „völkischen“ Fahrwasser“ in welchem er eine anschauliche Schilderung der Vorgänge in den Generalversammlung, die mit dem Ausschluß der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.