Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 3 (16.1.1925)
- Date
- 1925-01-16
- Page
- Seite 39 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9072829-9103075-9153747--06402-9079111- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 3 Das Jüdische Echo 39 Entwicklungsergebnissen unserer jungen Generation, die als Palästinapioniere wirken, was diese menschliche charakterliche Geschlossenheit vermag, wir sehen Resultate, die unmöglich wären, wenn das Leben durchsetzt würde von Rücksichten und Konzessionen auf Menschen und Mittel außerhalb der zionistischen oder jüdischen Kreise, wenn unsere Handlungen nur bestimmt würden von dem Willen, mit allen Juden zusammenzuwirken. Es würde dadurch der groteske Zustand entstehen, daß nicht wir Zionisten, die wir glauben, die ganzen, die Volljuden zu sein, oder mindestens den starken Willen zu haben, diesem ideal nahe zu kommen, mit unserem Einfluß auf die anderen Juden wirken und sie so immer stärker mit jüdischem Willen erfüllen, sondern umgekehrt, daß wir Zionisten auf dem Wege über die Assimilanten von deren ständigen ununterbrochenen Rücksichten auf die Außenwelt in Idee und Charakter assimilatorisch beeinflußt werden, daß letzten Endes wir den entjudenden Einflüssen der Assimilation unterliegen. Es besteht für die ganze Geistesentwicklung des Zionisten in Westeuropa und in besonderem Maße in München und Deutschland die ungeheure Gefahr, daß auf dem Wege der lebhaften und engeren Fühlung mit Nichtzionisten das zionistische Leben und die zionistische Gedankenwelt verworren und verfälscht werden, daß die klare Linie der zionistischen Lebensgesetze verloren geht. Gewiß, diese zionistischen Lebensgesetze sind nichts weiter als die Lebensgesetze klarer und geschlossener Menschen, die wissen, wohin sie gehören, sie sind keine Geheimwissenschaft, sie sind aber großen Teilen der Juden verloren gegangen durch den unglückseligen Gedanken der Assimilation: Anpassung, Anähnelung — eben Assimilation — um jeden Preis. Klarerweise müßte daraus ein fortwährend neues Aufgeben des eigenen Menschen erfolgen mit eben der Schwächung des Charakters, die wir mit Entsetzen und Trauer wahrnehmen und deren besonders schauderhaftes Beispiel die Naumann- Leute sind. Sollte es eine gemeinsame Plattform aller Juden, die guten Willens sind, wirklich nur unter Aufgabe des zionistischen menschlichen Ideals unter Aufgabe der unbeirrbaren Klarheit des Willens zum Judentum hier und in Palästina mit allen Konsequenzen dieses Willens, oder anders ausgedrückt, sollte diese gemeinsame Plattform nur unter Annahme der Assimilationsbestrebungen und ihrer ununterbrochenen Charakterkonzessionen möglich sein, dann wäre vs wahrhaftig besser, daß die Zionisten sich zusammentun und unter intensivster Einsetzung ihrer eigenen Kräfte Judentum und Palästina aufbauen. Die Reinhaltung der jüdischen Ideale, die Reinhaltung der menschlichen unbedingten Lauterkeit, die Reinhaltung unserer idealen Ziele, unseres idealen Strebens und seinen Konsequenzen ist wichtiger — und letzten Endes durch die Auswirkung auf die gesamte Judenheit nützlicher — als ein Zusammenwirken mit Nichtzionisten, das ständig Konzessionen des Charakters fordert. Jakob Reich. VERSICHERN SIE LEBEN UNO EIGENTUM Vers scher un«?s*. eschäft Dr. Finger, Ag*esstr. 47, Tel« fort 31 7 92 Denkmäler für die Jüdischen Kriegsgefallenen Münchens Sonntag, den 11. Januar vormittags halb 9 Uhr wurde eine von der Künstlerhand Arnold Zadikows, dem im Wettbewerb der erste Preis zugesprochen worden war, entworfene an der äußeren Synagogenwand an der Herzog Maxstraße angebrachte Gedenktafel enthüllt. Die Feier begann im dichtgefüllten Gotteshaus mit einem Orgelvorspiel und Psalmliedern. Darauf Hielt Rabbiner Dr. Baerwald eine Predigt, in der er das hohe Ideal der Treue feierte, die von den Gefallenen bewährt und von den überlebenden Kameraden durch die Stiftung der Gedenktafel erwidert ward. Nach erneutem Gesang übergab Rechtsanwalt Dr. Alfred Werner, Vorsitzender der Ortsgruppe München des Bundes Jüdischer Frontsoldaten, die von diesem Bunde gestiftete Tafel der Obhut der Kultusgemeinde. In deren Namen ließ Geheimer Justizrat Prof. Dr. Frankenburger die Enthüllung der Tafel vornehmen und sprach dem Bunde Jüdischer Frontsoldaten den Dank der Kultusgemeinde aus. Die aus Ruhpoldinger Marmor gefertigte Tafel ist geschmückt mit einem heraldischen Löwen und den Wappen Bayerns und Münchens. Sie trägt die Inschrift: „Seinen im Kampfe für das deutsche Vaterand gefallenen 175 Münchener Kameraden zum ehrenden Gedenken Bund Jüdischer Frontsoldaten.“ Am Sockel stehen die Jahreszahlen „1914—1918“. Chorgesang beschloß die schlichte Feier. Um 11 Uhr vormittags fand sodann die feierliche Einweihung der von der Kultusgemeinde errichteten Denkmalsanlage im Friedhof an der Ungererstraße statt. Diese Anlage, von Architekten Fritz Landauer und Bildhauer W. S. Resch geschaffen, wird gebildet durch ein vor der Trauerhalle sich ausbreitendes vertieftes Rasenparterre, zu dessen beiden Seiten je 4 quadratische Steintafeln mit den Namen der Gefallenen stehen. Im Hintergründe erhebt sich auf zweistufiger Steinbasis ein mächtiger Sarkophag, der an den Ecken von stilisierten Löwen getragen wird und die Inschrift: „Den Gefallenen“, sowie einen hebräischen Vers („Ihre Seelen seien eingefügt dem ewigen Leben“) aufweist. Die aus heimischem Muschelkalk gefertigten Steine sind durch eine gärtnerische Anlage architektonisch wirksam zusammengefaßt und bilden mit dem Rhythmus ihrer Proportionen einen in seiner schlichten Vornehmheit ergreifenden Ehrenplatz für die gefallenen Krieger. In der mit Trauerflor und Lorbeerkränzen geschmückten, durch Kerzenlicht erhellten Trauerhalle (vor 15 Jahren von Oberbaurat Prof. Gräßel geschaffen) fand sich eine zahlreiche Versammlung ein. An ihrer Spitze war im Auftrag des Kronprinzen Ruprecht der Generaladjutant General der Kavallerie Walther von Walderstölten erschienen. Auch Generalfeldmarschall Prinz Leopold hat mit seiner Gemahlin die Feier durch seine Anwesenheit ausgezeichnet. Erschienen waren ferner der Wehrkreiskommandeur Generalleutnant Kreß von Kressenstein, sowie die Vertreter des Herrn Ministerpiäsidenlen und der Ministerien des Innern und für Unterricht und Kultus, der Regierung von Oberbayern, der Polizeidirektion, sowie des Kommandeurs der Landespolizei und des Stadtkommandanten. Anwesend waren auch in Vertretung des Präsidiums des Bayerischen Kriegerbundes der Generalsekretär Hauptmann Frank, Bankdirektor Dr. Dimpfl für den Obmannsbezirk München- Stadt des Bayerischen Kriegerbundes, Abordnungen der Sanilälskolonne vom Roten Kreuz, des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, des Vereins für