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Das jüdische Echo · 1925-01-16 · 3 (16.1.1925) · p. Seite 37

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
3 (16.1.1925)
Date
1925-01-16
Page
Seite 37 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3 37 Das Jüuuscne Echo Tätigkeit des Zentralvereins betreffend, die zweite, die Haltung der Jüdischen Volkspartei untersuchend. 2. Ad. 1. Wir sind natürlich die Narren nicht, zu leugnen, daß der Zentralverein sich auf seine Weise mit Energie und einer gewissen betriebsamen Tapferkeit in den Kampf gegen die Antisemiten, gestürzt hat. Ein großer Teil dessen, was in der Öffentlichkeit geschieht, um von Fall zu Fall die Agitation der erklärt antisemitischen Parteien zurückzuweisen, kommt auf seine Rechnung. Die Z.-V.-Zeitung verzeichnet und bekämpft mit Eifer antisemitische Preß-Ausfälle und wenn sie nicht die leidige Gewohnheit angenommen hätte, ihrerseits die gleichen Methoden, die die Antisemiten den deutschen Juden gegenüber anwenden, im Kampf gegen die Zionisten nachzumachen und mit Geschick und Begabung nachzumachen, jede Perfidie, jede geschickte Verdächtigung, jede Entstellung von Tatsachen, jedes Ausspielen längst verjährter, aus dem Zusammenhang gerissener und ihres ursprünglichen Sinnes beraubter Artikel- Bruchstücke, so würde sie es noch mit mehr Nachdruck, nämlich mit besserer innerer Berechtigung tun können. Auch an Versammlungen läßt es der Zentralverein nicht fehlen, er stellt Fonds auf, die den Kampf gegen die Judenfeinde und ihre Anhänger unter den deutschen Parteien und der großen Masse der Parteilosen und Mitläufer finanzieren: kurz, er kann mit einer beträchtlichen Masse von Aktivität seine anti-antisemitische Tätigkeit nachweisen; von einem Fall zum andern, unermüdlich. Versteht man unter dem Kampf gegen den Antisemitismus nichts anderes, so ist in der Tat die Leistung des Zentral-Vereins durchaus in aller Öffentlichkeit sichtbar und verdienstlich. Denn selbstverständlich muß all diese Arbeit geleistet werden; bei dem Zustand der deutschen Nachkriegsseele wäre es ein Fehler, nicht zu versuchen, auf jeden Klotz einen Keil zu setzen. 3. Ganz anders sehen sich diese Dinge aber an, wenn man zunächst einmal die Frage stellt, was der Zentralverein tue, um die Wirkungen des Antisemitismus in den Juden zu bekämpefn. Jeder Verständige wird mit uns einer Meinung sein darüber, daß das Abwehrproblem nur zu einem Drittel in der Tätigkeit besteht, die wir eben beschrieben. Das zweite Drittel, die Stärkung der jüdischen Seele, ihre innere Aufrichtung, die überhaupt erst das eigentliche Gift der antisemitischen Atmosphäre erfaßt und unschädlich macht, wird selbstverständlich von dieser Gegenagitation von Fall zu Fall nur ganz unvollkommen betroffen; und das letzte Drittel, das allerwichtigste, die vorbeugenden Maßregeln sowohl politischer wie auch seelischer Art, der positive und schöpferische Kampf gegen den Antisemitismus, bleibt überhaupt von jener Tätigkeit unberührt. Ihn meinten wir, als wir von der zweiten Abteilung des Problems am Eingang dieser Ausführungen andeutend sprachen. Aber in der Tat hat der Zionismus seine Verdienste gerade auf dem zweiten und dritten, dem weitaus entscheidenden Tätigkeitsgebiet. 4. Was zunächst die innere Aufrichtung der deutschen Juden anlangt, so besteht sie selbstverständlich wesentlich in einer Bewußtmachung des jüdischen Wertes, in dem Nachweis und dem zum Gefühl erhobenen, zur Einsicht verstärkten und vertieften Wissen um die Berechtigung des jüdischen Menschen in Deutschland, jüdisch zu sein und bleiben zu wollen. Es ist leicht einzusehen, daß hier einige traditionslreue und die jüdischnational genannten Kräfte im Judentum bei weitem intensiver zu wirken imstande sind, als die bestgemeinte Ideologie des Zentralvereins, die immer und immer wieder, wenn sie positiv sein will, in dem Nachweis sich erschöpft, daß man das sein könne, was der Zentalvereinler einen „guten Juden“ nennt und dennoch ein vollberechtigter und wertvoller Bürger der deutschen Volksgemeinschaft — Erkenntnis, die niemand ernsthaft bestreitet, der überhaupt in seelischen Dingen des deutschen Judentums das Recht mitzureden hat. Die Wiederholung solcher Selbstverständlichkeiten vermag keinem Gekränkten, keinem tief Verletzten, keinem in seinem Selbstbewußtsein Unterhöhlten unter den deutschen Juden auch nur ein Gran Hilfe zu gewähren. Und wie man mit diesen Methoden dem gefährdetsten Teil der deutschen Judenheit, der deutsch-jüdischen Jugend nämlich, Hilfe zu leisten vermag, das ist eine Preisaufgabe, an deren Lösung der Zentralverein selber längst verzweifeln mußte. Denn die Jugendorganisationen, die er und sein national-deutscher Flügel sich immer wieder wünscht, hat er sich nicht schaffen können und er sollte wissen, daß er die Möglichkeit dazu auch künftighin einfach nicht hat. Hier liegt zunächst einmal die erste Überlegenheit des Zionismus: er hat die ihr angeschlossene jüdische Jugend gegen das antisemitische Gift mit soviel jüdischem Selbstbewußtsein geimpft, daß Erkrankungen nicht mehr ernsthaft Vorkommen können. 5. Endlich aber hat der Zionismus und nur er — um in dem medizinischen Bilde zu bleiben — das getan, was man Prophylaxe nennt, jene Summe von Vorbeugungsmaßregeln nämlich, die der antisemitischen Entzündung des deutschen Volkskörpers auf lange Sicht einzig zu begegnen imstande sind. Es ist gar kein Zweifel daran erlaubt und jüngste Ereignisse haben es immer wieder bewiesen, daß das deutsche Judentum mit dem Antisemitismus längst fertig geworden wäre, d. h. ihn auf seine unheilbaren, zahlenmäßig und dem Einfluß nach fest begrenzten Träger beschränkt hätte, wenn es kein Ostjudenproblem gäbe. Die nationaldeutschen Juden sind auf ihre Art ganz konsequent, wenn sie die Schließung der Grenzen nach dem Osten durch gesetzgeberische Mittel propagieren, sofern das überhaupt ginge, ohne sofort schwerwiegende Gegenmaßregeln östlicher Staaten heraufzubeschwören. Aber davon ganz abgesehen: gegen Verzweifelte, zu allem Entschlossene, vor der Vernichtung stehende Einzelne, wie gegen Scharen solcher einzelner gibt es einfach kein legales und auch kein illegales, noch so radikales Hilfsmittel. Wer auch nur die geringste Möglichkeit hat, der wirtschaftlichen Vernichtung in Polen, Litauen oder Sowjet-Rußland zu entrinnen, indem er sich, gesetzlich oder gegen das Gesetz, über die deutsche Grenze flüchtet, der wird dies tun, wenn ihm ein anderer Ausweg nicht gezeigt wird und er wird dabei ein Unrecht des gepeinigten und gejagten iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Tejctilhandelsgesellschaft zum „Weberhaus"R.<5. München /Frankfurt^' / Leipzig Zentrale München, Hesstrasse 74/76 Hauptgeschäft D*chauerstr. 9. Illustr. Kataloa gatis u.franko lllllllllllllllllllllIM

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