Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1925-01-09 · 2 (9.1.1925) · p. Seite 24

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
2 (9.1.1925)
Date
1925-01-09
Page
Seite 24 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9103075-9153744--06386-9079095
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

24 Das jüdische Echo Nr. 2 denen ungefähr die Hälfte in ihren Arbeiten beschäftigt sind und die andere Hälfte das Element der neuen landwirtschaftlichen Ansiedlung bildet. Der selbständige verantwortliche Arbeiter war es, der in die „Baubewegung“ in Palästina den Segen der jüdischen Arbeit brachte, in die Facharbeit und in die Einfache, und er war es, der die Ehre und das nationale Gewic'ht dieser allgemeinen kolonisatorischen Tat rettete, die die letzten vier Jahre — außer der landwirtschaftlichen Ansiedlung — ausfüllte. Liegt doch die Schönheit der neuen jüdischen Stadtviertel in der jüdischen Hand, die sie erbaute! Nirgend in der Welt gibt es jüdische Landstraßen, viele Kilometer lange gut geschotterte Chauseen und in den Städten moderne neue Betonstraßen, von jüdischen Händen ganz und gar erbaut. Gewaltige Anstrengungen der Verantwortlichkeit und des genossenschaftlichen Leidens, um das Baufach in all seinen Disziplinen zu einem Stützpunkt der neuen Kolonisation zu machen. Die Baukooperative hat unermüdlich ein Arbeitsgebiet nach dem anderen jüdischen Händen erobert. Und jüdisches Bauen hieß: Jüdisches Graben, jüdisches Wegebahnen, jüdische Drainage, jüdischer Häuserbau von Fundament bis zum Dachfirst, jüdische Lastenbeförderung durch Kamele oder Esel, jüdisches Steinbrechen, jüdisches Steinbehauen. Die Eroberung der Steinarbeiten für jüdische Arbeiter ist ein besonderes Kapitel in der Geschichte der jüdischen Arbeit im Lande. Angefangen mit dem Arbeitersanatorium in Moza bis zum Chemischen Institut der Hebräischen Universität auf dem Ölberge werden heute schon sämtliche Bauten von Solelboneh von jüdischem Stein erbaut. Aus der Steinwüste um Jerusalem brechen jüdische Hände einen Stein, der poliert als Marmor auch für den Export dienen wird. Durch die Ausstellungen in Wembley, Gent und Amsterdam hat dieser Marmor auch in Fachkreisen Anklang gefunden und er wird Zeugnis ablegen von der unermüdlichen Tätigkeit unserer Pioniere im Lande, in ihrer Eroberung immer neuer Arbeitsgebiete. G. S. Ich erfahre aus den Leserkreisen des Echo, daß mein kürzlich veröffentlichter Aufruf ,,L ebenswende“ in Verbindung mit meinem im September erschienenen Aufsatz „U nsere G li a 1 u z i m“ gebracht und hier und da als Rückzug gegenüber meinen damals geäußerten Anschauungen aufgefaßl worden ist. Ich erkläre hierzu, daß ich nicht den geringsten Anlaß habe, meine Äußerungen in dem Chaluzim-Artikel zurückzunehmen oder abzuschwächen. Dr. Kirschne r. Aus der jüdischen Weit Deutschland Der Reichswehrminister über die deutschen Juden im Kriege B e r 1 i n. (J.T.A.) Der Reichswehrminister Dr. Geßler richtete an den Reichsbund Jüdischer Frontkämpfer das folgende Schreiben: „Der sehr verehrten Bundesleitung spreche ich meinen verbindlichsten Dank aus für die freundliche Übersendung des Buches „Jüdische Flieger im Weltkriege“. Ich habe das Werk mit dem größten Interesse durchgelesen und bin überzeugt, daß es seinen Zweck wohl erfüllt, dem deutschen Volke zu zeigen, in welch hervorragender Weise zahlreiche jüdische Soldaten im Weltkriege ihre Pflicht getan haben. leb wünsche dem Buch von Herzen Ver breit ung. Mit der Versicherung vorzüglichster Hochachtung ganz ergebenst gez. Dr. Geßler. Palästina-Weine für Deutschland Berlin. (J.T.A.) Seil einigen Tagen weilt in Berlin der Reorganisator der Weinkellereien in Rischon le Zion, Herr Jaques Schapiro. Herr Schapiro hat, zum Teil in Gemeinschaft mit Herrn A. Goldberg, mit mehreren angesehenen Handelshäusern verhandelt und größere Abschlüsse getätigt. Herr Schapiro teilt dem J.T.A.-Vertreter mit, es erweise sich immer mehr, daß der Palästinawein auf dem Weltmärkte sehr konkurrenzfähig ist. Für den Absatz in Deutschland bestehen günstigste Aussichten. England Der Bericht der Mandatskommission und die Zukunft der Palästina-Wanderung L o n d o n. Der J.T.A.-Vertreter hatte eine Unterredung mit einer hochgestellten Persönlichkeit des britischen Auswärtigen Amtes, in deren Verlauf der J.T.A.-Vertreter die Frage stellte, ob die Tatsache, daß der Völkerbundsrat den Palästinabericht der ständigen Mandatskommission angenommen hat, die englische Regierung veranlassen könnte, die Einwanderung von Juden nach Palästina für das nächste Jahr einzuschränken. Die Antwort lautete: Der Bericht der ständigen Mandatskommission, der vom Völkerbundsrat angenommen worden ist, läßt der britischen Verwaltung und der zionistischen Organisation in keiner Weise Gerechtigkeit widerfahren, indem der Bericht die Anstrengungen, ein passendes Einwanderermaterial auszuwählen, nicht würdigt. Austen Chamberlain hat während der Sitzung des Völkerbundsrales Tastachen mitgeteilt, die sich auf Informationen des britischen Oberkommissars für Palästina, Sir Herbert Samuel, stützten. Aus diesen Tatsachen konnte der Völkerbundsrat ersehen, daß die britische Verwaltung bereits all das getan hat, was der Bericht ihr empfiehlt; sie überwachte mit Sorgfalt die Auswahl geeigneter Einwanderer. Es ergibt sich daraus, daß es wahrscheinlich nicht nötig sein wird, in dieser Beziehung einen neuen Weg einzuschlagen. Polen Ein Aufruf des jüdischen Parlamentsklubs Warschau. (J.T.A.) Der jüdische Parlamentsklub hat im Zusammenhang mit dem Beschluß der Regierung, die Monopolkonzessionen den bisherigen Inhabern zu entziehen, einen von allen jüdischen Deputierten und Senatoren Unterzeichneten Aufruf an die jüdische Bevölkerung erlassen, in welchem es u. a. heißt: „Gegenwärtig leben mehr als 30 000 jüdische Familien mit zusammen 150 000 Seelen vom Verkauf der Monopolwaren; es sind meist wirtschaftlich schwache Existenzen, arme Menschen, die sehr schwer für das magere tägliche Brot arbeiten müssen. Unter dem Vorwand, die Invaliden versorgen zu müssen, stürzt man alle diese Menschen in Not und Elend. Die Führer des großen, reichen 27 Millionenslaates haben kein anderes Mittel gefunden, die Kriegsinvaliden zu versorgen, als die Vernichtung der Existenz von 30 000 jüdischen Familien. Die Regierung und die polnischen Bürger wollen selber nichts für die Invaliden leisten und werten die ganze Last auf die Judenlieit. Aber auch dies ist nur eine Ausflucht, in der Wirklichkeit handelt es sich hier um einen neuen Schlag gegen die jüdische Bevölkerung, um eine neue Äußerung jenes Systems, das die wirtschaftliche Vernichtung der Juden in Polen anslrebt. Schritt für Schritt werden die Juden aus ihren wirtschaftlichen Positionen hinausgestoßen. Unter dem Schulz, sehr oft

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.