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Das jüdische Echo · 1925-01-09 · 2 (9.1.1925) · p. Seite 25

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
2 (9.1.1925)
Date
1925-01-09
Page
Seite 25 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 2 25 Das Jiunscfie Echo auch unter dem direkten Protektorat der Staatsmacht arbeitet eine mächtige Kampforganisation, die ihr einziges Ziel darin sieht, die Juden aus ihren wirtschaftlichen Positionen zu verdrängen. Aut den Schultern der Juden ruht die meiste Last der Sanierung der Finanzen, eine Last, unter der sie zusammenbrechen. In ihrer Verblendung merken es die maßgebenden Kreise nicht, daß dadurch auch die wirtschaftlichen Grundlagen des Staates unterminiert werden. Weitere 30 0130 jüdische Familien, weitere 150 000 jüdische Seelen werden die Armee des verarmten jüdischen Proletariats vergrößern. Als die Repräsentanten der jüdischen Bevölkerung Polens protestieren wir gegen diese Ausroltungspolitik. Wir rufen die jüdische Bevölkerung dazu auf, in dem schweren Kampfe durchzuhalten und alle ihre Kräfte zu vereinigen, um ihr Recht und ihre Existenz zu verteidigen.“ Palästina Die Schülerzahl in den hebräischen Schulen Jerusalem. (J.T.A.) Die diesjährigen Anmeldungen zu den hebräischen Schulen, die von der Zionistischen Exekutive zum größten Teil aus Mitteln des Keren Hajessod erhalten werden, bedeuten einen Rekord. Die Gesamtzahl der Schüler beträgt 12 799 gegen 11 524 im vorigen Jahr. Die Vermehrung der Schülerzahl macht sich besonders in Jaffa bemerkbar. Hier beträgt der Zuwachs 936 Schüler. Die Gesamtzahl der Schüler in Jaffa beträgt 4 068 und erreicht fast die Zahl in Jerusalem (4 143). Der Zuwachs in Jerusalem ist 183, in Haifa 149. Um den erhöhten Anforderungen in Jaffa zu entsprechen, wurden 12 neue Klassen eröffnet. Wechsel der Vertretung des Vatikans Jerusalem. (J.T.A.) Die arabische Zeitung „Meraat el Sherk“ teilt aus autoritativer Quelle mit, daß der jetzt in Rom weilende lateinische Patriarch für Palästina Mgr. Barlassina nicht mehr nach Palästina zurückkehren wird. Die Zeitung meldet ferner, daß der katholische Hilfspatriarch Bischof Godric Kean, der bekanntlich ein Brite ist, Barlassinas Nachfolger als Patriarch sein wird. Die Zeitung setzt fort: Sollte dies wahr sein, so ist daraus zu schließen, daß der Vatikan seine Politik gegenüber der Palästina-Regierung ändern will. Es ist zweifellos, daß die Audienz Mr. Chamberlains bei dem Papst und dem Kardinal-Staatssekretär Gaspari diesen neuen Kurs eingeleitet hat. Die Ernteaussichten in Palästina Der Direktor für Land- und Forstwirtschaft teilt mit: Auf dem Getreidemarkt ist entschieden ein nervöser Ton zu verzeichnen. Obgleich Vorräte gehalten werden, besteht große Furcht vor einem Zusammenbruch. Die Sommerernte ist fertig gedroschen. Ausgezeichnete Erträgnisse wurden in einigen Teilen des Nordkreises in Durrha und Sesam erzielt. In gesteigertem Maße wurden Vegetabilien kultiviert. Der Stand der Tomaten war noch nie so gut, während zugleich reiche Erträgnisse für Kohl und Blumenkohl erwartet werden. Die Tabakpreise sind mit dem Ende der Ernte aut PT. 15 per Kilogramm gefallen. Nach England sind die ersten Orangentransporte abgegangen; die Saison kündigt sich gut an. Die Olivenernte hat begonnen. (Ziko) Eröffnung des Instituts für jüdische Studien in Jerusalem Jerusalem. (J.T.A.) Am 22. Dezember nachmittags wurde in Jerusalem das Institut tiir jüdische Wissenschaften hei der hebräischen Universität feierlich eröffnet. Anwesend waren neben zahlreichen hervorragenden jüdischen Vertretern auch hohe Regierungsbeamte, die ausländischen Konsuln in Jerusalem und Vertreter der mohammedanischen und christlichen Institutionen. Der jetzt in Palästina wohnende ehemalige Präsident der New-Yorker jüdischen Gemeinde Dr. J. L. Magnes, der einen hervorragenden Anteil an der Gründung des Instituts hat, hielt die Eröffnungsrede und führte aus: Die jüdische Wissenschaft hat unter allen Völkern tiefe Wurzeln geschlagen. Wir haben mit dem Institut für jüdische Wissenschaften eine neue Statte des Eorschens und Lernens ohne Angst und ohne Haß geschaffen. Das Institut wird der Vertiefung des jüdischen Geistes dienen und auf diese Weise auch das allgemeine geistige Leben der Menschen vertiefen und bereichern helfen. Hierauf begrüßte der britische Oberkommissar für Palästina, Sir Herbert Samuel, das neugegriindeie Institut. Er füh rte aus: Alle großen Dinge im Leben kommen vom Geiste. Von der materiellen Kultur des alten Judäa sind nur Ruinen geblieben, jedoch die geistige Kultur dieses Landes, die Propheten und die Lehre des Judaismus, wurden Besitz der ganzen Menschheit. Das Institut für jüdische Wissenschaften wird eine Brücke sein, die den Osten mit dem Westen verbindet. Am Schlüsse seiner Rede drückte Sir Herbert Samuel die Hoffnung aus, daß das Institut eine arabische Abteilung einrichten wird. Begrüßungsreden hielten dann Prof. Fodor für das biochemische Institut der hebräischen Universität, dessen Leiter er ist; Prof. Grawford im Namen des amerikanischen archäologischen Instituts in Jerusalem; Prof. Herzberg im Namen des deutsch-evangelischen Instituts zu Jerusalem. Es sprachen danti im Namen ihrer Organisationen: Herr M. Us-ischkin, der Präsident des jüdischen Nationalfonds; Dr. Arthur Ruppin, Mitglied der palästinensisch-zionistischen Exekutive; Dr. Thon vom Nationalrat der palästinensischen Juden (Waad Leumi). Schriftliche Begrüßungen sandten der englische Bischof in Jerusalem Dr. Machines, der Präsident der Zionistischen Weltorganisation Dr. Ch. Weizmann, Baron Edmond de Rothschild, Achad Haam, der Oberrabbiner von England, Dr. J. J. H. Hertz, Louis Marshall, Felix M. Warburg, Richter Julian W. Mack, Dr. Cvrus Adler, Oberrabbiner Dr. Chajes. Personalia W ü rzbu r g. Von einem schweren Verlust wurde die Familie unseres langjährigen Vorstandsmitgliedes Herrn Heinrich Mayer, wurde die ganze hiesige Gemeinde betroffen. Frau Rosa Mayer, geb. Carlebach, entschlief nach kurzem Leiden am Montag, den 29. Dezember. Sie entstammte einem altjüdischen Patrizierhause, sie war die Schwester des allen Lübecker Raws s. A., dem sie nicht nur in auffallender Weise in ihrem Äußeren glich, dessen hervorragende Charaktereigenschaften auch ganz die ihren waren. Wer das Glück hatte, diese jugendliche Greisin näher zu kennen, wird wohl nie das gütige Auge, den Zauber ihres stets mildlächelnden Gesichtes vergessen, wird nie vergessen, welche Herzensgüte jedem ihrer Worte entströmte. Wer die Verklärte fast jeden Nachmittag am Arme ihres Galten den Minchah-Gottesdiensl aufsuchen sah, konnte kaum fassen, daß diese ehrwürdige Matrone schon die Schwelle des Greisenalters überschritten hatte. Still und vornehm, von unerschütterlichem Gottvertrauen beseelt, fand sie in jeder Lebenslage den rechten Weg, war sie jedem eine liebevolle Trösterin, eine aufopfernde Helferin. An ihrer Bahre stand die trauernde Familie, stand eine unübersehbare Menge Leidtragender. Mit beredten Worten gab Herr Dr. Hanovcr dem Schmerze der ganzen Gemeinde Ausdruck. Wehmütig ge-

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