Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 2 (9.1.1925)
- Date
- 1925-01-09
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Das Jüdische Echo Nr. 2 aussprechen —, daß diese Immigration zum Teil anderer Natur ist als diejenige, welche vor zwei, drei oder vier Jahren stattgefunden hat. Es gibt Leute, die aus Anziehungskräften einwandern, es gibt Leute, die aus Abstoßungskräften immigrieren, ich glaube, daß die jetzige Immigration, nicht in ihrer Mehrzahl, aber doch zu einem Teil aus negativen Gründen nach Palästina getrieben wird, nämlich weil die Tore anderer Länder geschlossen sind. Aber auch damit müssen wir Zionisten und Juden 1:11s abfinden, das ist eben ein Teil des Judenproblems. Und wenn auch die neue Immigration an unsere Arbeit in der nächsten Zukunft neue Anforderungen stellen wird, wenn auch, und das soll klar zugegeben werden, die neue Immigration die Zionistische Organisaiton in Palästina zum Teil unvorbereitet findet — und es konnte auch nicht anders erwartet werden — wenn die neue Immigration uns vor schwere und vielleicht gefahrvolle Probleme stellen wird, so ist sie dennoch ein Teil des Judenproblems, auf welches wir uns vorbereiten und mit welchem wir fertig werden müssen. Und in dieser Beziehung möchte ich mir erlauben, ohne in irgendwelcher Weise auf die inneren Angelegenheiten und Streitigkeiten einzugehen, die im Judentum herrschen, doch einen Ruf an diejenigen Juden zu senden, welche noch außerhalb unserer Reihen stehen, und ihnen in schlichten Worten sagen: Hier ist ein Land, das erschlossen wird durch die Kraft und die Arbeit der besten Menschen, die wir in unserem Lager haben; hier ist eine Gelegenheit, Menschen ins Land zu bringen, die sonst verkommen, und den Gefahren ausgesetzt werden, hingeschlachtet oder zu Vagabunden in der ganzen Welt zu werden. Welcher Jude, zu welcher Partei er auch gehöre, wird es wohl wagen, einen Finger oder die Hand zu erheben, um dieser Arbeit Steine oder Schwierigkeiten in den Weg zu legen! Wir stehen heute vor dem ungeheuren Problem, daß Millionen und Abermillionen Menschen heimatlos sind. Eine kleine Tür ist geöffnet worden, durch die ein Teil dieser Millionen nach Palästina, in ein friedliches besseres Leben und in bessere Bedingungen hineinkommen kann. Wer wird es wagen, dieser Arbeit störend entgegenzuwirken? Ich glaube, meine Damen und Herren, und das ist meine felsenfeste Überzeugung, etwas, was ich vielleicht zur Grundlage der politischen Arbeit überhaupt zu sprechen habe: die Zeit ist nicht mehr fern, wo die aufgeklärte öffentliche Meinung Europas der Judenwelt sagen wird: es ist Eure heilige Pflicht, all Eure Kräfte anzustrengen, die Welt von der lästigen Judenfrage einfür allemal zu befreien. Wir stehen jetzt vor klaren Realitäten, vor großen Möglichkeiten und großen Schwierigkeiten, vor großen Leistungen und noch viel größeren, die auf sie folgen werden. Wir leben jetzt in einer Zeit, wo ein Bewußtsein im Judentum sich vertief' daß in Palästina etwas geschieht, was nicht das Werk eines T e i 1 e s d e r Juden, nicht das Werk einer Gruppe im Judentum ist, sondern, zum Teil, das Werk des ganzen Volkes und der ganzen Rasse sein wird. Dieses Werk, um damit zu schließen, wird, jetzt vielleicht geistig symbolosiert durch einen sehr bescheidenen Beginn, der aber unseren Bestrebungen und Leistungen im Lande das Siegel aufdrückt: das ist die Eröffnung der jüdischen Universität, die zu Peßach durch Lord Balfour geschehen soll. Sie symbolisiert den Geist, in welchem wir als Kulturträger und friedliche Aufbauer eines verlassenen Landes nach Palästina kommen. Und ich kann nicht besser schließen, als indem ich Ihnen im Namen der Exekutive die herzliche Einladung überbringe, diesmal zu Peßach eine Pilgerfahrt nach Palästina auf den Berg Scopus zu machen. Wenn auch in den Reihen hauptsächlich junger Freunde und Gesinnungsgenossen manchmal Verstimmung über das Mißlingen oder das nicht sehr schnelle Gelingen dieser oder jener Tatsache eintritt — ich glaube dennoch, im großen und ganzen, wenn wir einen Vergleich ziehen wollen, was wir vor 10 Jahren waren und was wir heute sind; wenn wir in Palästina die Anzahl der Dörfer, der Straßen, der Häuser, der Menschen, die jetzt ins Land kommen, mit unseren Schätzungen von vor 10 oder 12 Jahren vergleichen, so können wir ohne besondere Selbstzufriedenheit und ohne Überhebung dennoch sagen: ja, es ist eine schwere Arbeit geschehen, aber sie ist geschehen, und eine noch schwerere und noch viel größere hat zu geschehen. Ob wir die Arbeit leisten werden, ja oder nein, das kann niemand sagen. Es ist schwer, die Zukunft vorauszusagen und am schwersten ist es, für die, die glauben, die Zukunft vorzubereiten. Weizmann bei Masaryk und Benesch M a s senversa m mlung in P r a g. Prag, 4. Januar. Präsident Weizmann und Dr. Feiwel sind heute früh, von Wien kommend, eingetroffen. Sie wurden von dem Präsidenten des. Jüdischen Nationalrates unter Führung des Stadtrales Dr. Ludwig Singer, von den Leitungen der jüdischnationalen Fonds sowie von der zionistischen Studentenschaft empfangen und s t ü rmisch begr ü ß t. Am Nachmittag sprach Präsident Weizmann im großen Lucerna-Saal über die zionistischen Fragen. Es waren 4000 Teilnehmer erschienen, die schon auf der Straße den Präsidenten akklamierten. Die Zionistische Organisation hatte gemeinsam mit der Polizei einen Ordnungsdienst eingerichtet. Die Versammlung verlief in enthusiastischer Stimmung und schloß mit der Absingung der Hatikwah. Nach der Versammlung wurde Dr. Weizmann vom Präsidenten Masaryk und vom Minister des Äußern Dr. Benesch in Audienz empfangen. Nachmittags erschien eine Deputation der Prager jüdischen Vereine bei Dr. Weizmann. (W. Morgztg.) Die Ausstellung der jüdischen Kooperativen Arbeit in Palästina Innerhalb der Internationalen Kooperativen Ausstellung in Gent war das Jüdische Palästina durch einen besonderen Pavillon vertreten. Die junge Kooperative von Palästina hat sich dort trotz ihrer Bescheidenheit die Achtung und die Anerkennung der Internationalen Welt der Kooperation errungen. Inmitten eines riesigen Aus- Stellungsparkes, umgeben von den reichen Ländern der Kooperativen Bewegung, wußte sich dieser Pavillon eine besondere Aufmerksamkeit zu erringen. Was hier an Resultaten der Kooperativen Arbeit gezeigt wurde, war etwas anderes, etwas neues. Diese Kooperativen produktiver Arbeit haben sich andere Ziele gesteckt, als die in der Ausstellung vertretenen Kooperativen. Zum erstenmal wandte sich die jüdische Arbeiterschaft von Erez Israel an die Öffentlichkeit, um Zeugnis abzulegen von den treibenden und bestimmenden Kräften beim Aufbau von Erez Israel und um zu zeigen, wie aus diesen Kräften ein freies, wirtschaftlich normales jüdisches Gemeinwesen in Palästina sich entwickelt. Die Ausstellung zeigte Produkte und Abbildungen harter und aufreibender Arbeit, sowie in Dia-