Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 2 (9.1.1925)
- Date
- 1925-01-09
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 21 Das Jüdische Echo Um wieder ein einfaches jüdisches Wort zu gebrauchen: der Zionismus ist jetzt Barmizwah geworden und hat damit schwere Verantwortlichkeit auf sich genommen. Und das verlangt eine ganz andere Einstellung und ganz andere Organisation. Da, wie ich glaube, dies einer der Hauptpunkte Ihrer Beratungen sein wird, setze ich voraus, daß diese Beratungen dazu führen werden, Mittel und Wege zu finden, neue Personen, neue Elemente, neue Kräfte in die Bewegung hineinzubringen, und die Organisation straffer zusammenziehen, so daß tatsächlich das Lehen des Zionisten mit seiner Stellung in der Welt und mit seiner Stellung in Palästina eng verknüpft wird. In dieser Richtung ward auch der Schritt getan, den Sie jetzt, wie ich glaube, gutheißen, und welcher in der Zionistischen Organisation lange zur Debatte stand, nämlich die E r w eiterun g d er Je w i s h A g e n c v. Dieser engeren Verknüpfung der jüdischen Peripherie, die sich um das zionistische Zentrum gruppiert, gilt auch meine nächste Reise nach Amerika, die ich am 28. Januar antreten soll; auch sie ist ein Schritt in der Richtung einer engeren Verknüpfung der Kreise der dortigen Juden mit dem Aufbau in Palästina. Wahrscheinlich haben alle, oder viele von Ihnen in den letzten Tagen die Aussprüche führender amerikanischer Juden, besonders unseres Freundes Louis Marshall, gelesen. Und ich glaube, wir können hoffnungsvoll der Aussicht entgegensehen, daß in Amerika, England, Italien, und wie ich hoffe, auch hier und in anderen Kulturländern, die Gruppierung der Jewish Agency vor sich gehen wird. Nun noch einige Worte über Palästina selbst. Wie gesagt: ich glaube kaum, daß ich Ihnen in dieser Beziehung,, wie in anderen Beziehungen auch, etwas Neues zu sagen habe. Ich hatte Gelegenheit, vor sechs oder sieben Wochen, nach einer Pause von ungefähr 18 Monaten, in Palästina zu weilen. Ich versuchte, mir in kurzer Zeit einen Überblick über das in dieser Spanne Zeit Geleisiele zu schaffen, und ungefähr die Tendenzen zu merken, nach welchen sich unsere Entwicklung dort bewegt. Ich will mich und Sie nicht damit aufhalten, Ihnen Lohsprüche über Chaluzim und Chaluziuth .zu sagen. Ich glaube, wir sollten davon am besten zu schweigen beginnen, denn es ist zu groß für Worte und geht uns zu nahe. Es ist eine ungeheure Leistung in Palästina entstanden, die uns aus dem Gebiet des Beginnens, der tastenden Versuche, auf das Gebiet der Realisierung hinübergeführt hat. Es ist in Palästina vor allen Dingen ein ungeheures Vertrauen in die Möglichkeit des Landes und in die Möglichkeiten des Volkes zu bemerken. Und es findet sich in Palästina noch etwas, und das ist vielleicht das Neue, weiches mir, einem sehr offenen Beobachter, an Palästina auf gefallen ist: ein viel natürlicheres und viel unmittelbareres Verhältnis zu unseren Aufgaben dort. Ich möchte es ungefähr und vielleicht trivial so schildern: Wenn vor drei oder vier Jahren ein Jude oder eine Jüdin eine Kuh molk, so meinten sie, damit einen Akt des Aufhaus des jüdischen Nationalheims vollbracht zu haben. Heute ist eine Kuh eine Kuh, die soundsoviel Milch geben muß, je mehr Milch, desto besser. Das Verhalten des Menschen zu der Kuh ist normal und natürlich geworden, und das jüdische Nationalheini entsteht mittlerweile von seihst. Dieses unmittelbare Verhältnis zum Leben, zu dem Objekt, mit welchem man zu tun hat, zu den Schwierigkeiten, mit denen man zu ringen hat, ist das verheißungsvollste, was man in Palästina heute sieht. Man hat aufgehört, darüber zu klagen, daß in Palästina der Jordan fließt und nicht der Nil, und daß in Palästina viele Berge sind und nicht viele Ebenen; man nimmt die Sachlage, wie sie ist, das jüdische Volk, das jüdische Land, mit seinen Schwächen und Gebrechen, schlechten und guten Eigenschaften, und man ist entschlossen, aus diesen Gegebenheiten das beste und größte zu machen. Das hat auch auf die ganze Psychologie der Bevölkerung eine Wirkung. Die Nervosität, die vor Jahren im Lande geherrscht hat, ist geschwunden. Das Warten auf Wunder hat auf gehört, und damit die schwere Enttäuschung, wenn diese Wunder ausblieben. Man hat eine schwere Aufgabe, man ist sich der Schwere der Aufgabe bewußt, man ist sich aber gleichzeitig auch bewußt, daß man im jüdischen Volke genug Kräfte besitzt, um diese Aufgabe zu lösen. Das jetzige Palästina steht unter dem Zeichen der neuen Einwanderung, einer Masseneinwanderung, die jetzt stattfindet. Es kommen jetzt im Durchschnitt ungefähr 2000 Menschen im Monat hin, eine Immigration, die unsere größten Hoffnungen und Erwartungen übersteigt. Man merkt, daß mit dem Ansteigen der Immigration ein scheinbares und vielleicht wirkliches Ansteigen des Absorptionsvermögens parallel läuft, mit anderen Worten, daß, wenn ein produktiver Jude ins Land hineinkommt, er zwar vielleicht einen Platz besetzt, er zugleich aber eineinhalb oder zwei Plätze neu schafft. Und so sieht man die merkwürdige Erscheinung, und ich hoffe, daß sie nicht vorübergehend ist, daß im Dezember 1924, bei so hoher Immigration, die Zahl der Arbeitslosen in Palästina fast verschwunden ist, während im Dezember 1923, bei einer sehr kleinen Immigration, die Zahl der Arbeitslosen bis auf zweitausend und darüber stieg. Sie haben es hier also mit einer ökonomischen Umwälzung zu tun, die sich vor unseren Augen vollzieht, deren Gesetze mir, ich muß es zugeben, verborgen sind, die ich nicht verstehe, so daß ich mich nicht für kompetent genug halte, darüber zu sprechen. Aber es lebt eine Bevölkerung in Palästina, die neue Mittel und Wege sucht und findet. Und die Absorptionsfähigkeit des Landes ist bis jetzt, und wie ich glaube bis in die nächste Zukunft, nicht zu beeinträchtigen. Es muß auch zugegeben werden — und ich will hier sicherlich nicht im mindesten irgendein abfälliges Urteil über die jetzige Immigration Privaiklinik iiir Kosmetik ii. kosmeiische Chirurgie München, Le^polds»raÜe 71 Telefon-Ruf 33516 Schmerzlose, operative Beseitigung von Doppelkinn, Hängewanven, entstellenden Hautfalten,Hängebrust. — Keine Paraflininjektionen. — N asenkorr« kturen. Erfolg wird garantiert. Heilung sämtlicher Hautleiden und Haarleiden. Blutreinigungskuren. 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