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Das jüdische Echo · 1925-01-09 · 2 (9.1.1925) · p. Seite 20

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
2 (9.1.1925)
Date
1925-01-09
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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20 Das Jüdische Echo Nr. 2 Rahmen, welchen andere gemacht haben, nicht hinein. Es war eine Anstrengung seitens des Völkerbundes, diesen Zionismus mit all seinen Begriffen in den engen Rahmen der Paragraphen hineinzupressen. Und der ganze Dualismus des Mandats für Palästina ist ein Novum in der Weltpolitik, genau wie der ganze Aufbau Palästinas ein Novum für die Welt darstellt. Faßt man die Palästinafrage als eine lokale Frage auf, so müssen wir auf Schwierigkeiten stoßen. Faßt man die Palästinafrage, wie wir sie auffassen, als Versuch, eine große und schwierige Frage, die die Welt belästigt, als Lösung der Jude n frage auf, so kann auch der Völkerbund diese Lösung mit dem Paragraphen in Einklang bringen. Und es besteht unsere Aufgabe von heute darin, dem Völkerbund, der aufgeklärten europäischen öffentlichen Meinung klarzumachen, erstens, daß die Balfour- Deklaration und alles, was darauf folgt, nicht den hunderttausend Juden Palästinas gegeben ist, sondern den 16 oder 14 Millionen Juden der Welt. Und zweitens, daß diese hunderttausend Juden Palästinas nichts anderes sind als Pioniere, die den Weg weisen werden den Millionen, die nur auf eine Gelegenheit warten, nach Palästina zu kommen. Und daß das Kommen und das Harren ein Recht, ein Recht des jüdischen Volkes ist, ein Recht, welches nicht verjährt ist. Dringt diese Ansicht in den Geist und die Psyche der aufgeklärten Völker ein, so werden die Schwierigkeiten, mit denen wir jetzt zu kämpfen haben, glaube ich, kleiner werden. Diese Aufgabe ist zu vollziehen, ist wiedef unsere Aufgabe und Pflicht. Unter den vielen Gegnern, die sich gegen uns rüsten, nimmt eine hervorragende Stelle eine Gruppe ein, die unter der Führung des Vatikans heute gegen den Zionismus und gegen das jüdische Volk in Palästina vorgeht. Ich bin weit davon entfernt, mich hier auf irgendwelche Auseinandersetzung mit dem Vatikan einzulassen. Wir verstehen und respektieren die Interessen, welche die katholische Kirche in Palästina besitzt. Seit Jahren und in der alleraufrichtigsten und -feierlichsten Weise erklären wir, und suchen diese Erklärung in Tatsachen umzusetzen, daß wir Juden an den Heiligen Stätten in Palästina desinteressiert sind. Im Gegenteil, wir haben jedes Interesse daran, daß diese Heiligen Stätten, samt allen Fragen, die sich daran knüpfen, von der christlichen Welt verwaltet werden nach Gutdünken derjenigen, die eine Autorität und eine Möglichkeit haben, diese Verwaltung durchzuführen. Nichts hätte uns mehr gefreut, als wenn diese Frage, die im kleinen Palästina immer schon zu Streit und Reibungsflächen Anlaß gab, sei es unter welcher Führung auch immer, ein für allemal zur Befriedigung der Interessenten gelöst würde. Aber ich möchte hier einmal aussprechen dürfen, daß es zwischen unserer Tätigkeit und den Interessen der katholischen Kirche keine Reibungs¬ oder Berührungsfläche gibt. Es gibt nur ein gemeinsames Interesse: Friede und Ruhe im Lande Palästina. Und ich glaube, die Zeit ist nicht mehr fern, wo ein solches Verhältnis hergestellt sein wird. Es gibt sogar Länder in der Welt, und als ein solches möchte ich Amerika zitieren, wo die Juden und Katholiken in schönster Freundschaft Zusammenwirken und -leben. Hoffentlich wird sich die Zahl solcher Länder noch vermehren. Aber gleichzeitig müssen wir, und ich tue das aus Anlaß der Agitation und der Propaganda, die in letzter Zeit mit besonderer Betonung und Schärfe, und manchmal sogar mit Vergiftung gegen uns betrieben wird, auch scharf betonen: einfür allemal muß endlich verstanden werden, daß wir in Palästina existieren und existieren wollen, daß wir nach Palästina aus unserem guten Recht kommen, und daß wir aus unserem guten Recht ein friedliches und kulturelles und menschenfreundliches Aufbauwerk schaffen wollen, was, wie ich glaube, nicht nur zu Nutzen und Ehre des Landes sein wird, ein Aufbauwerk und ein Land, welches für die ganze Kuliurwelt und die Menschheit von Bedeutung ist. Denn die Menschheit braucht heute mehr als je ein Aufbauwerk, das in Frieden und Ehren geleistet wild. Aus dieser etwas kurzen und etwas unsystematischen Darstellung der Situation, und ich bitte um Verzeihung dafür, werden Sie, wie ich glaube und hoffe, dieselben Folgerungen ziehen, die wir, denen Sie die Leitung der schweren zionistischen Geschäfte in dieser sehr schweren Zeit übertrugen, gezogen haben: Intensivierung und Verstärkung der Positionen in Palästina einerseits, Intensivierung der Aufklärungsarbeit bei unseren Gegnern und Herbeiführen eines tieferen Verständnisses für die Judenfrage andererseits. Und wie ich glaube, sind die ersten Schritte in dieser Beziehung, — und ich freue mich, daß es die deutschen Zionisten sind, die zuerst die Initiative ergriffen haben, — die Reorganisierung oder die Anpassung der zionistischen Bewegung an die neuen Verhältnisse, die von uns jetzt mehr fordern und verlangen als vor 15 oder 20 Jahren. igtl "RauThallmder München Thßaänevfar.lö.

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