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Das jüdische Echo · 1925-01-09 · 2 (9.1.1925) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
2 (9.1.1925)
Date
1925-01-09
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 2_ 9. Januar 12 Jahrgang Welzmann über die Lage Rede auf dem Wiesbadener Delegiertentag. Zunächst einiges über die politische Lage der zionistischen Bewegung. Die politische Lage der zionistischen Bewegung muß und soll jetzt hauptsächlich vom Standpunkt unserer Leistungen in Palästina behandelt und betrachtet werden. Wir haben ganz besonders in den letzten drei Jahren in Palästina Fortschritte gemacht, die die ernste Aufmerksamkeit der Welt, der nicht jüdischen Welt, auf sich gezogen haben. Noch vor drei, vor vier Jahren waren verschiedene Schichten der europäischen öffentlichen Meinung vorhanden, welche alles, was wir hoffen, alles, was wir in Palästina tun, als Experiment und als ein riskantes Experiment angesehen haben. Wir wollen es auch nicht verhehlen, daß es Schichten innerhalb und außerhalb des Judentums gab, welche auf das Mißlingen des Experimentes warteten. Der jüdische Chaluz, die Leistungen in Palästina, haben diesen Erwartungen eine Enttäuschung bereitet. Und jetzt steht der Aufbau Palästinas da als eine Tatsache, die von der Welt anerkannt werden muß. Und ohne zu übertreiben, kann man sagen: man beginnt, mit dem Erscheinen eines neuen Faktors in diesem Teil der Welt zu rechnen. Und da dieser Faktor ein jüdischer ist, so ist es selbstverständlich, daß in manchen Beziehungen dieses Auftreten der neuen Kräfte mit Argwohn und Verdacht beobachtet wird. Und darum sehen Sie, darum merken Sie heute, daß, wenn auf der einen Seite ein Ansteigen und eine Intensivierung unserer Tätigkeit in Palästina geschieht, auf der anderen Seite eine gewisse Verdichtung und Verstärkung der Widerstände, die sich dieser Arbeit entgegensetzen, einsetzt. Ich glaube, es ist eine natürliche Folge unserer Arbeit in Palästina: Wir treten jetzt in das (vielleicht) ernsteste Stadium unserer Arbeit. Wir sind aus dem experimentellen Gebiet herausgekommen und sind auf das Gebiet der Verwirklichung in großem Stile hinübergekommen. Wenn dem auch so ist, so möchte ich doch gleichzeitig betonen, daß es keinen besonderen Grund gibt, wenigstens konnten meine Kollegen und ich keinen besonderen Grund sehen, irgendwelche Erschütterung in unserer politischen Situation zu erwarten. Die Zionisten müssen sich einfür allemal von der gewissen Nervosität, die in einer so verhältnismäßig jungen Bewegung verständlich ist, befreien, sich diese Nervosität abgewöhnen, und aufhören, fortwährend darauf zu schauen, was geschehen wird, wenn hier oder da eine neue Regierung ans Ruder kommen wird. Eine neue Regierung kann vielleicht in Details, gewisse praktische Maßnahmen, die wir in Palästina treffen wollen, leichter oder schwerer machen. Sie kann aber im Prinzip das Fortschreiten des Aufbaus Palästinas nicht hemmen und nicht hindern. Und wenn z. B. die Regierung der Labour party in England vielleicht eine etwas freundlichere Atmosphäre für unsere Tätigkeit geschaffen hat, so liegt absolut kein Grund vor, daß das Ansruderkommen der konservativen Regierung uns irgendwie in unserer Arbeit stören würde. Ich glaube, man kann mit einer gewissen Berechtigung sagen, daß gewisse Momente und gewisse Faktoren in der jetzigen englischen Politik vorhanden sind, welche vielleicht die Arbeit in Palästina in der nächsten Zukunft begünstigen werden. Was wesentlich ist und was der ausschlaggebende Faktor auch unserer politischen Situation auf Jahre hinaus bleiben wird, um es wieder in einem einfachen Satz zu sagen, ist, daß jedes Schiff, welches in dem Hafen Jaffa oder Haifa emlüufl, produktive jüdische Immigranten ins La nd bringt. Und dafür sorgen nicht die Regierungen der Welt, nicht die nicht jüdische öffentliche Meinung, hauptsächlich verantwortlich dafür sind wir und wir allein. Da ich eine kurze Übersicht über die politische Situation zu geben habe, so kann ich nicht umhin, eine Tatsache zu verzeichnen, welche auf die Herren in der Exekutive, sowie auf weite Kreise der ganzen zionistischen Bewegung, und wie ich glaube, auch der jüdischen Öffentlichkeit einen gewissen Eindruck gemacht hat. Und das ist der Bericht der perm a n e n t e n M a n d atsk o in m i s s i o n , welche vor sechs Wochen in Genf tagte. Zum ersten Male hat sich eine autoritative Körperschaft im Aufträge des Völkerbundes eingehend mit der Palästinafrage und mit der Auswirkung des Mandats in Palästina in den letzten vier Jahren beschäftigt. Sie kennen den Bericht der Kommission, und mit allem Respekt und mit der Hoffnung, welche wir auf den Völkerbund setzen, soll es doch gesagt werden, daß wir mit diesem Bericht unzufrieden sind. Wir halten den Bericht in den wesentlichen Teilen für unzutreffend, für ein Verkennen der wahren Lage in Palästina. Es sei gesagt, daß diese Tatsache des Berichts wieder ein grelles Licht auf die ungeheuren Schwierigkeiten wirft, unter welchen wir gearbeitet haben. Meine Damen und Herren, es sei ganz offen gesagt, wenn der Völkerbund oder irgendeine noch so wohlwollende Körperschaft unsere zionistische Arbeit und unsere zionistischen Desiderata, unsere Leistungen in Palästina vom rein lokalen administrativen Standpunkte zu behandeln hätte, d. h. wenn der Völkerbund sich das Mandat Palästinas an sich genau mit derselben Brille ansieht, mit welcher er irgendein anderes Mandat ansieht, so müssen wir zugeben, daß aus rein formalen Gründen, wenn man das trockene Wort des Covenant und des Versailler Vertrages liest und die trockenen Formeln des Mandates, so fallen wir Juden und wir Zionisten aus dem rein formalen trockenen Worte des Mandats heraus. Mit anderen Worten: der ganze Völkerbund, die ganze Ideologie des Völkerbundes ist auf gebaut auf gewissen Begriffen von Demokratie, von Selbstbestimmung usw. In diese ohne Kommentar und ohne Überlegung trockenen Begriffe paßt das jüdische Volk nicht hinein. Es geschieht uns hier genau so, wie es in der Welt den Juden geschieht: Wir passen sehr oft in den 4

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