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Das jüdische Echo · 1925-01-02 · 1 (2.1.1925) · p. Seite 8

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
1 (2.1.1925)
Date
1925-01-02
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Das Jüdische Echo Nr. 1 halb daß sie Juden sind, weil die anderen Kinder ihnen das auf wenig liebenswürdige Art zu verstehen geben. Wenn wir nun daran gehen wollen, den Unterricht auf andere Grundlagen zu stellen und dementsprechend eine Vermehrung der Stunden verlangen, alle jene Kreise würden abwehrend rufen: „Keine Stunde, keine Minute mehr“ für den Religionsunterricht. Wann soll denn das Kind Klavier und alle jene Dinge lernen, die doch ein angehender Kulturmensch unbedingt nötig hat? Das ist die Wurzel des Übels: die Indolenz, die Gleichgültigkeit. Hier wäre die erste und gründlichste Reform nötig. Reform der Gesinnung, des Willens und der Tat, der jüdischen Tat. Hier ist ein großes, weites Betätigungsfeld, hier ist Arbeit für jeden, der jüdisches Leben wecken will. Der Steuerzettel allein genügt noch nicht als Beweis für die Zugehörigkeit zum Judentum, auch nicht die Mitgliedschaft zu irgend einem Verein. Wer ös ernst nimmt mit jüdischen Dingen und Problemen, der muß vor allem bestrebt sein, die aufwachsende Jugend mit jüdischem Geiste zu erfüllen. Das kann der Lehrer in den zur Verfügung stehenden zwei Stunden nur sehr mangelhaft. Pflicht der Eltern ist es hier vorzubereiten und mitzuhelfen. Dann erst wird eine gründliche Wandlung sich vollziehen. Ich will in diesem Zusammenhänge von der selbstverständlichen Unersetzlichkeit der jüdischen Volksschule, in welcher der Religionsunterricht ganz anders zu seinem Rechte kommt — Anschauungs- und Gesinnungsunterricht — gar nicht reden. Bezeichnend jedoch ist, daß Herr Dr. 0. über diese Frage mit kühnem Sprunge hinwegsetzt und sich und andere beruhigt: „Die jüdische Schule wird nicht so rasch kommen.“ Wir aber wünschen und hoffen: Die jüdische Volksschule wird kommen, weil sie kommen muß. Herr Dr. (). mag noch so stark in die Posaune stoßen und seine Fanfaren ertönen lassen — die Mauern von Jericho fallen nicht alle Tage um. Ehrenreich. Feuilleton Äus Uriel Äcostas Selbstbiographie Dokumente eines Menschenschicksals. (Fortsetzung von Nr. 49 des 1. Jahrg.) So standen die Dinge, als ich mich entschloß, ein Buch zu schreiben, in dem ich meine gerechte Sache verfechten, und zu Aller Kenntnis aus dem Gesetz selbst die Eitelkeit der pharisäischen Tradition und Observanz darlegen wollte und den Widerspruch, in dem all’ diese Überlieferungen und Einrichtungen zum Gesetz des Moses stehen. Nachdem ich dies Werk schon begonnen, kam noch hinzu (man muß alles offen und ehrlich, wie es sich zutrug, erzählen), daß ich entschlossen und mit ständiger Überlegung der Ansicht jener nähertrat, die Lohn und Strafe für die Erfüllung des Alten Gesetzes schon in die Zeitlichkeit setzen und über das Leben im Jenseits und die Unsterblichkeit der Seele nur sehr gering denken, u. a. aus dem Grunde, weil besagtes Gesetz des Moses über diese Dinge ganz schwiege und seinen Altgläubigen und Neubekennern nur Lohn und Strafe in der Zeitlichkeit in Aussicht stelle. Da triumphierten meine Feinde, als sie sahen, zu welcher Meinung ich gekommen war, denn sie glaubten schon allein dadurch auch bei den Christen eine genügende Rechtfertigung erlangt zu haben, die ja die Unsterblichkeit der Seele glauben und bekennen aus ihrem besonderen Glauben an das Gesetz des Evangeliums, wo des ewigen Heils und der ewigen Verdammnis ausdrücklich Erwähnung getan wird. In der Absicht, mich mundtot und bei den Christen verhaßt zu machen, gaben sie, bevor noch mein Buch dem Druck übergeben war, ein Büchlein heraus, das ein Arzt unter dem Titel „Über die Unsterblichkeit der Seele“ verfaßt 'hatte. In dieser Schrift verunglimpfte -mich jener Arzt reichlich, als gehörte ich zu den Anhängern Epikurs, der ja die Unsterblichkeit der Seele, ja, es fehlte nicht viel, Gott leugnete. (Zu dieser Zeit dachte ich schlecht über Epikur und sprach mich offen gegen den Abwesenden und nicht Angehörten, den ich nur aus dem verunglimpfenden Bericht anderer kannte, voll Unbesonnenheit aus; heute nun, da ich die wirkliche Beschaffenheit seiner Lehre weiß, schmerzt es mich, ehemals so sinnlos und töricht mit einem solchen Mann umgesprungen zu sein, über den ich nicht einmal •heute vollständig urteilen kann, da mir seine Schriften unbekannt sind.) Die Kinder meiner Gegner, von den Rabbinern und ihren Eltern angewiesen, liefen haufenweise auf den Straßen zusammen, um mich mit lauten Schmährufen zu begleiten, und mit allem möglichen Schmutz bewarfen sie mich und nannten mich einen Ketzer und Abtrünnigen. Manchmal liefen sie auch vor meinem Hause zusammen, warfen mit Steinen und ließen nichts unversucht, mich selbst in meiner eigenen Wohnung in der ruhigen Arbeit zu stören. Als jene Schrift gegen mich erschienen war, richtete ich mich sogleich zur Verteidigung, und schrieb eine andere Schrift dieser entgegen, worin ich mit allen Mitteln die Unsterblichkeit bekämpfte und bei Gelegenheit manches von dem durchging, worin die Pharisäer von Moses abwidnen. Nach dem Erscheinen meiner Schrift traten alsbald die Ältesten und Vorsteher der Juden zusammen und führten gegen mich Klage beim städtischen Magistrat: ein Buch hätte (diese Schrift erschien im Jahre 5383 seit Erschaffung der Welt nach jüdischer Zeitrechnung, nach christlicher im Jcfhre 1623.) ich geschrieben, in dem ich die Unsterblichkeit der Seele leugnete und nicht nur sie selbst verletzt, sondern auch die christilche Religion untergraben hätte. Infolge dieser Anklage wurde ich ins Gefängnis geworfen, aus dem ich nach acht oder zehn Tagen gegen Erlegung einer Kaution befreit wurde; der Richter forderte eine Geldsumme von mir und verurteilte mich schließlich zu einer Buße von dreihundert Gulden und Einziehung meiner Schriften. Später, als mir Erfahrung und Jahre mit dem Lauf der Zeit vieles eröffneten, die ja das Urteil der Menschen zu wandeln pflegen (ich darf wohl freimütig darüber reden, denn warum sollte es einem, der gleichsam sein Testament macht, um den Menschen den Bericht seines Lebens und ein wahres Beispiel menschlicher Leiden zu hinterlassen, nicht vergönnt sein, wenigstens im Tode die Wahrheit zu sagen?), später also begann ich in Zweifel zu ziehen, ob das Gesetz des Moses für Gottes Gesetz gehalten werden dürfe, denn es gab viel, was dagegen sprach oder sogar zwang, das Gegenteil anzunehmen. Schließlich stand es mir fest, daß es nicht Moses Gesetz sei, sondern eine menschliche Erfindung, wie es deren auch unzählige in der Welt gegeben hat: widerstrebte doch vieles dem Naturgesetz, und Gott

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