Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 1 (2.1.1925)
- Date
- 1925-01-02
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 Nr. 1 Nr. 1 Das Jüdische Echo s autu erügung Hhaft. l und dl ich c n Zul Unweli sei- Jesinhnend;e mit i annicht und nmen, ch so ifaren fallen reich. leiner n ann zuu beewarr und mei- und leiner tören. rich- und legen, it bedem s ab- •chrift r der Klage (diese iffung hristm ich nicht hristiieser ., aus Erleichter rteilte mdert dem Urteil wohl te es t, um id ein inter- Tode n ich Vloses denn sogar eßlich z sei, deren yider- Gott als Schöpfer der Natur konnte nicht gegen sich selbst gewesen sein, was er gewesen wäre, wenn er den Menschen gegen die Natur zu handeln geböte, wo er doch ihr Schöpfer hieß. Nachdem ich mir das so zurechtgelegt hatte, sagte ich zu mir selbst: Was habe ich davon (wäre mir doch niemals ein solcher Gedanke in den Sinn gekommen), wenn ich bis zum Tode, wie ich heute bin, verharre, ausgestoßen aus der Gemeinschaft der Väter und des Volkes, zumal ich ein Fremdling bin in diesem Lande und den Bürgern hier nicht verwandt, deren Sprache ich auch nicht kenne? Es wird besser sein, in ihre Gemeinschaft zurückzukehren, nach ihrem Willen zu tun, wie man sagt, mit den Wölfen zu heulen. In dieser Erwägung kehrte ich dann in ihre Gemeinschaft zurück, widerrief, was ich ausgesprochen, und unterschrieb, was sie wünschten; fünfzehn Jahre waren vergangen, die ich getrennt von ihnen zugebracht hatte. Ein Verwandter von mir war es, der zwischen mir und ihnen die Versöhnung zustande brachte. Es waren einige Tage vergangen, als ich durch einen Jungen, den Sohn meiner Schwester, den ich im Hause hatte, verraten ward, da aus der Art, wie ich die Speisen zubereiten ließ, und aus manchen anderen Dingen hervorging, daß ich kein Jude sei. Wegen dieser Anzeige brachen neue Kämpfe mit Heftigkeit aus: denn jener Verwandte, der, wie ich erzählte, die Aussöhnung vermittelt hatte, glaubte, daß meine Handlungsweise auf ihn zurückfiele, und da er stolz und eingebildet war, äußerst unklug und unverschämt, so entstand ein offener Krieg gegen mich und er, der auch alle meine Brüder hinter sich herzog, ließ nichts unversucht, was sich irgendwie zur Zerstörung und Vernichtung meiner Ehre, meines Vermögens und infolgedessen meines Lebens tun ließ. Er verhinderte auch die Ehe, die ich gerade eingehen wollte, denn zu der Zeit hatte ich meine Gattin verloren. Er veranlaßte ferner, daß einer meiner Brüder Eigentum von mir, das er gerade in Händen hatte, zurückbehielt und zerstörte den Verkehr, der zwischen uns bestand; das schadete mir so sehr bei den damaligen Zuständen, daß es kaum zu sagen ist. Abgesehen von diesem häuslichen Zwist, wenn ich so sagen darf, kam noch ein öffentlicher dazu, nämlich von seiten der Rabbiner und des Volkes, die nun von neuem Haß auf mich warfen und vielfach ganz schamlos gegen mich vorgingen, weshalb ich sie nach Gebühr verabscheute. Unterdessen ereignete sich etwas ganz Neues: Zufällig hatte ich mit zwei Leuten gesprochen, die aus London nach unserer Stadt gereist kamen, der eine Italiener, der andere Spanier, die, obwohl Christen und nicht von jüdischer Abkunft, Ratlosigkeit heuchelten und von mir wissen wollten, wie sie in die jüdische Gemeinschaft aufgenommen werden und die jüdische Religion annehmen könnten. Ich riet ihnen, das nicht zu tun, im Gegenteil zu bleiben, was sie wären; sie könnten ja nicht wissen, unter welches Joch sie ihren Nacken beugten. Dabei ermahnte ich sie, bei den Juden nichts über meinen Namen verlauten zu lassen, was sie auch versprachen. Diese Schufte, die auf den Sündenlohn hofften, den sie sich damit erwerben würden, verrieten, anstatt mir dankbar zu sein, alles den Pharisäern, meinen teuren Freunden. Da versammelten sich die Vorsteher der Synagoge, da gerieten die Rabbiner in Wut, und die losgelassene Menge schrie mit lauter Stimme: kreuzige, kreuzige ihn! Vor eine große Versammlung gerufen, trugen sie, was sie gegen mich hatten, mit gedämpfter und betrübter Stimme vor, als ob es um das Leben ginge; und schließlich verkündeten sie, ich müßte, wenn ich ein Jude wäre, ihren Urteilsspruch erwarten und erfüllen, wenn nicht, würde ich zum zweitenmal exkommuniziert werden. O ihr trefflichen Richter, die ihr nur Richter seid, um mir zu schaden, wenn ich nun eures Urteils bedürfte, damit ihr mich aus irgend einer Gewalt befreit und mich unverletzt erhaltet, dann seid ihr keine Richter, sondern feile Sklaven, fremder Herrschaft untertan; was ist nun euer Spruch, dem ich gehorchen soll? Es wurde ein Schriftstück vorgelesen, in welchem geschrieben stand, ich sollte mich in Trauerkleidern in die Synagoge begeben mit einer schwarzen Wachskerze in der Hand und gewisse ziemlich schimpfliche Worte, die jene abgefaßt hatten, in eigener Person vor der ganzen Gemeinde von mir geben, in denen sie meine Untaten aufs äußerste übertrieben. Danach sollte ich mich öffentlich mit lederner Peitsche oder einem Stocke geißeln lassen, alsdann mich an der Schwelle der Synagoge hinlegen, damit alle über mich wegschritten, und an bestimmten Tagen fasten. Als das verlesen war, empörte sich mein Innerstes und ich geriet in unauslöschlichen Zorn, dennoch hielt ich an mich und sagte nur geradeheraus, ich könnte solches nicht erfüllen. Auf diese Antwort hin beschlossen sie, mich von neuem zu exkommunizieren, und, damit nicht zufrieden, spuckten mich viele auf der Straße an, als ich an ihnen vorbeiging, was sogar ihre Kinder taten, die sie dazu ermuntert hatten, nur gesteinigt wurde ich nicht, weil dazu die Gelegenheit fehlte. Dieser Kampf nun währte sieben Jahre hindurch, während welcher Zeit ich Unglaubliches zu erleiden hatte: denn es kämpften zwei Parteien gegen mich, wie ich schon sagte, die des Volkes und die meiner Verwandten, die meine Schmach wünschten, um an mir Rache zu nehmen. Sie ruhten nicht, bis sie mich von meinem früheren Standpunkt abbrachten: denn sie sprachen untereinander, wenn er etwas tut, wird er es nur gezwungen tun. Wenn ich krank war, war ich einsam krank. Traf mich irgend ein Unangenehmes, so fanden sie, daß es ihnen sehr erwünscht gekommen sei. Sagte ich, einer aus ihrer Mitte solle zwischen uns richten, so erst recht. Den Magistrat wegen solcher Dinge angehen, wie ich es auch versuchte, war sehr lästig. Denn es war langwierig, Streitigkeiten vor Gericht auszutragen, da es, abgesehen von vielen Unannehmlichkeiten, so viele Verzögerung und Zeitvergeudung mit sich brachte. Öfters sagten sie: „Unterwirf dich uns. denn wir alle sind dir väterlich gesinnt, glaube oder fürchte nicht, daß wir schimpflich mit dir verfahren werden. Sage einmal doch, daß du bereit bist, alles was wir dir auferlegen werden, zu erfüllen und dann überlasse uns das weitere, wir werden schon alles erledigen, wie es recht ist.“ Was mich betraf, so war mir, mochte auch darüber hin und her geredet werden, eine solche Unterwerfung und Annahme, durch die Gewalt erpreßt, sehr schmählich. Trotzdem aber, um die Sache zu Ende zu bringen, und, wie sie enden würde, mit eigenen Augen zu sehen, überwand ich mich, und beschloß standhaft, alles, was sie nur wollten, anzunehmen und zu ertragen. Wenn es Schimpf und Schande wäre, so rechtfertigten sie meine Sache gegen sich selber und gaben aller Welt kund, welcher Art ihre Gesinnung gegen mich und ihre Treue gegen sich selbst war. Da wurde es schließlich kund, wie gemein und abscheulich die Sitten dieses Volkes sind, die ehrbare Männer wie die feilsten Sklaven so schändlich mißbrauchen. (Fortsetzung folgt.)