Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 1 (2.1.1925)
- Date
- 1925-01-02
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Das Jüdische Echo 7 Lichtstrahl dieses Interesses fällt. Nur darf derselbe nicht soweit gehen, um in hemmungsloser Kritik und ohne jegliche Berücksichtigung der wahren Ursachen unserer leider oft so erfolglosen Arbeit, den Lehrer und seine „einfältige und unwürdige“ Methode als den Alleinschuldigen zu bezeichnen. Wer sich auf den Markt stellt und bestehende Zustände kritisiert, den wird das Volk fragen: Was hast du Besseres zu bieten? Und siehe da, der Rufer in der Wüste muß selbst kleinlaut eingestehen, daß er sich „nur in sehr bescheidenem Maße berufen fühle für das Schlechte Besseres vorzuschlagen“. Wir wollen höflich sein und hier nicht widersprechen. Der positive Teil des Artikels ist daher auch klein geraten und entspricht in Umfang und Durchführbarkeit vollständig dem, was man beim Verfasser voraussetzen darf. Herr Dr. 0. mag sich beruhigen; er »hat, wie ein altjüdisches Scherzwort die Situation richtig kennzeichnet, „L'chu nrananoh in Thillim gefunden“. Denn diese Frage ist — man sollte es nicht glauben — auch schon von Lehrern erörtert worden, denen im besagten Artikel diese Kenntnisse summarisch abgesprochen werden mit dem wohlwollenden Hinweis, daß es ihre Pflicht wäre, sich diese ev. mangelnden Kenntnisse anzueignen. „Die Gelegenheit hierzu ist geboten“. „Wir wissen, daß wir nichts wissen können“, und weisen doch diese überhebliche Art des Urteils ganz energisch zurück, denn wir vermögen selbständig die Quellen zu finden, aus denen wir schöpfen können, um auch den hohen Anforderungen gerecht zu werden, die Herr Dr. (). an den Lehrer stellt. Wogegen wendet sich nun Herr Dr. ().? Der hebräische Übersetzungsunterricht an den Volks¬ und Mittelschulen erscheint ihm in durchaus mangelhafter Weise gegeben. Um zu diesem Urteil zu kommen konstruiert er sich eine Methode, wie sie in Wirklichkeit nicht gehandhabt wird. Wenn er sich nicht so sehr auf die Aussage von Kindern, denen alles was Mühe macht, abhold ist, stützen würde, sondern einmal einer Unterrichtsstunde beiwohnen könnte, dann würde er vielleicht zu der Überzeugung kommen, daß eine solch geisttötende Methode, wie er sie darstellt, nicht angewandt wird, daß vielmehr schon in den Unterklassen ein, wenn auch kleiaes, grammatikalisches Gerippe geboten wird, um den in Betracht kommenden geringen hebräischen Wortschatz zum festen, geistigen Eigentum des Kindes zu machen. Wenn wir die Grammatik nicht in vollem Umfange zu ihrem Rechte kommen lassen können, so geschieht dies nur deshalb, weil uns 1. die Zeit nur in sehr beschränktem Maße zur Verfügung steht und weil auch mit den Kleinen ein systematischer Unterricht nach Ortharschem Rezept nur möglich ist, wenn der Gesamtunterricht in hebräischer Sprache gegeben werden würde. Nur die Einführung des reinen Iwri b’Iwriunterrichtes könnte hier vollkommen Wandel schaffen und dem Kinde die Möglichkeit geben, jüdischen Geist aus jüdischer Sprache zu schöpfen. Dafür wird Herr Dr. O. wohl kaum zu haben sein. So wie er den Unterricht wünscht, wird derselbe ebenfalls nur Stückwerk bleiben, weil auch dann, wenn die Grammatik als erste und hauptsächlichste Grundlage des hebräischen Unterrichtes gelten würde, ähnlich den anderen Fremdsprachen mindestens 3—4 Stunden wöchentlich zur Verfügung stehen müßten, um die gleichen Erfolge zu erzielen wie dort, nämlich die, daß beim Verlassen der Schule, die Schüler im allgemeinen nur mittelmäßige Leistungen aufweisen und im Laufe der Jahre, wenn sie nicht weiter üben, ebenso alles „Gelernte gründlich vergessen“ und „hinausschwitzen“ wie Herr Dr. O. seine ihm durch „einfältige und unwürdige Methode4 übermittelte Religionswissenschaft. Und weiterhin! Wie stellt sich denn Herr Dr. 0. einen Unterricht vor, der vom 2. Schuljahre ab „mehrere Jahre hindurch nur hebräische Wortlehre und Grammatik“ kennt? Wird nicht gerade dadurch, weil die nötige Abwechslung fehlt, erst recht „Langeweile“ in den Unterricht hinein getragen? Und wie will er mit 7—10jährigen Kindern mehrere Jahre hindurch die immerhin etwas schwierige Grammatik in fruchtbringender Weise verwertet wissen? Werden da die Kleinen, denen die deutsche Grammatik schon erhebliche Schwierigkeiten bereitet, überhaupt noch mitkommen? Was Herr Dr. 0. mit seinen Ausführungen bezwecken will, die Vermittlung grammatikalischer Kenntnisse zur Erleichterung des Übersetzungsunterrichtes, wird ohnehin im Rahmen der zur Verfügung stehenden Zeit in den hiesigen Schulen geübt. Herr Dr. (). rennt hier gegen offene Türen an. Es wird ruhig zugegeben, daß manches in unserem Unterrichtsbetrieb verbesserungsbedürftig ist. Nichts in der Welt ist vollkommen, am wenigsten jüdische Institutionen in den Augen ihrer Kritiker. „Und da wir einmal beim Bekritteln sind“, so hätte Herr Dr. (). ruhig einen Schritt weitergehen und sich fragen dürfen: Weshalb sind die Erfolge des jüdischen Religionsunterrichtes so gering; wo sitzt die Wurzel dieses Übels? Die zwei Stunden und die dadurch bedingte Methode des möglichst gedrängten Unterrichtes sind doch erst die Auswirkungen eines Systems und eines Zustandes, der einmal der wiederholten Beleuchtung bedarf. Denn nicht oft genug kann darauf hingewiesen werden, daß das Interesse der Eltern an diesem Unterrichtsfach in umgekehrtem Verhältnis zu seiner Wichtigkeit steht. Nur selten sieht der Religionslehrer die Eltern seiner Schüler, ln den meisten Eällen bringt man dem Religionsunterricht das gleiche Interesse entgegen, wie anderen jüdischen Fragen. Daher kommt es auch, daß viele unserer Kinder mit ganz geringen jüdischen Begriffen und Vorstellungen zur Schule kommen. Sie wissen oft buchstäblich nichts und möglicherweise nur des- D A S HAUS KREU-UCKO THEATINERSTR.16 TELEFON 27831-32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNG M ÄDCHEN-KO N FEKTION TEPPICHEN-GARDINEN - DECKEN