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Das jüdische Echo · 1925-01-02 · 1 (2.1.1925) · p. Seite 6

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
1 (2.1.1925)
Date
1925-01-02
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Das Jüdische Echo Nr. 1 Nicht zu verwundern, daß viele von den Unsrigen gegen Abend aus Furcht vor den christlichen Einwohnern des Ortes ihre Weiber und Kinder in die beachbarten Orte flüchteten. Wir Männer aber und die rüstigen Leute, wir versammelten uns heimlich in dem Hause des Herrn Hirsch Kiefe und versahen uns mit Steinen, eisernen Stangen und unsern Waffen, um nötigenfalls gegen Feinde uns zur Wehr zu setzen. Um Mitternacht wurde dem Herrn Salomon Wolf Kiefe im Vertrauen gesagt, daß morgen in aller Frühe die gesamte Judenschaft auf das Rathaus geboten werde, und daselbst unterschriftlich zu erklären habe, daß sie ernstlich für sich und ihre Nachkommen auf alle Zeit freiwillig auf Bürgerrecht verzichte und daß es zweitens ihr Wunsch sei und ihr Verlangen, das königl. Oberamtsgericnt solle die zwei Inhaftierten ihrer Haft entlassen und alle Untersuchung wegen der Begebenheit in der Nacht auf den 25. April niederschlagen. Es wurde auch angesagt, daß, soferne die Juden in dieses Verlangen nicht willigen, dieselben daher ihres Lebens nicht sicher seien. Als wir dieses Vorhaben erfuhren, sandten wir noch in dieser Nacht durch zwei Männer aus unserer Mitte ein Schreiben an unsern Rabbiner Herrn Doktor Moses Wassermann, Hochwürden in Mühringen, ihn ersuchend, er wolle alsogleich nach Horb zu den Beamten sich begeben, damit genügender Schutz uns eilig zukomme. Nachdem Herr Dr. Wassermann mit den Beamten geredet hatte, kam er in der Früh hier an und gab uns zu verstehen, daß wir nur immer unterschriftlich einwilligen dürften in das ungerechte Verlangen, es unterliege solche Verhandlung der Genehmigung der höheren Behörden und diese werde nicht erfolgen. Wir gingen also auf das Rathaus und fertigten daselbst die verlangte Schrift, während unsere Feinde drohend und mordlustig auf der Straße sich bewegten. Zwar wurde besagtes Schreiben eilig dem königl. Oberamtsgericht zugefertigt: allein diesem war schon Weisung von dem königl. Minister zugekommen, keinen Zwang gegen die Juden zu dulden, die gesamte christliche Gemeinde verbindlich zu machen, für den Schutz der Juden und deren Habe, und wenn es nicht eingegangen werde oder nicht genügen sollte, Militär zu bestellen. Als die christlichen Einwohner den Ernst und die Kraft einer großen Regierung erkannten, verbürgten sie sich sämtlich, wie verlangt wurde, und die gerichtliche Untersuchung ward ungestört fortgeführt. Wir dürfen nicht unterlassen, zu erwähnen, daß die öffentliche Stimme, die laut wurde, ganz zu unsern Gunsten war, und die christlichen Einwohner daher von ihren Glaubensgenossen, den katholischen und von den lutherischen Christen in der Gegend oft getadelt wurden. Infolge gerichtlicher Untersuchung wurden 31 verdächtige Personen inhaftiert. Einige wurden bald aus der Haft entlassen, einige erst nach mehreren Monaten, nachdem die Untersuchung geschlossen und Bürgschaft geleistet war, daß keine der Schuldigen der gerichtlichen Strafe, welche der königl. Gerichtshof zu Tübingen beschließen werde, durch die Flucht sich entziehen wolle. Diese gerichtliche Erkenntnis erschien im Jahre . nach jüdischer, dieses ist im Jahre. nach christlicher Zeitrechnung, im Monat. Der Ewige unser Gott war in unserer Hilfe. Vom 27. April an waren unsere Feinde eingeschüchtert. Zwar war der politische Himmel in diesem Jahre oftmals sehr getrübt und darum hatte Kaiser Ferdinand von Österreich den Szepter seinem Neffen und König Ludwig von Bayern die Regierung seinem Sohn übergeben. Rebellion war beinahe in allen Gauen Deutschlands. Man hatte den Großherzog von Baden zur Flucht genötigt, und wollte auch für Württemberg Republik ausrufen, allein die Besseren im Volke ermannten sich und die Regierungen wurden wieder mächtig, wie vor dem März des Jahres 1848. In diesem Jahre, unter der Regierung unseres guten Königs Wilhelm der Erste, wurden den Untertanen viele Rechte und Freiheiten von den Regierungen brieflich eingeräumt, und die Juden erlangten dieselben Rechte, wie die andern Einwohner der deutschen Staaten. In dem Jahre 5609 nach jüdischer Zeitrechnung wurden auch die daher bestandenen, seit zehn Jahre aufgelöste Chevre neu errichtet mit der besonderen Bestimmung, das Jahr hindurch Almosen einzulegen und am Pessach den Armen zu verteilen. Auch die, welche nidht Mitglieder der Chevre wurden, nahmen sich vor, fleißig zu gedenken der Not, in der wir waren, und daß der liebe Gott uns geholfen hat und jederzeit wahr ist und sein wird, unser Helfer, Retter und Erlöser. Dieses Büchlein nennen wir Megilath Baisingen und bezeichnen es mit dem kabbalistisch scheinenden Namen BDVO. OLHMM nach den Anfangsbuchstaben der Worte aus der Haggada schel Pessach: Bedhol dor vodor omdim olenu lechalosenu vehakoteschboruchhu mazilenu mijodom. (Von Geschlecht zu Geschlecht stehen sie wider uns auf, und der Heilige, gelobt sei er, errettete uns aus ihrer Hand.) Vom jüdisch. Religionsunterricht Aus Loyalitätsgründen veröffentlichen wir den folgenden Artikel, der uns aus Nürnberger Lehrerkreisen zugeht, trotzdem wir die eigentliche Debatte über die Sdhulfrage schon geschlossen haben. Wir behalten uns vor, zu diesem Aufsatze entweder selbst Stellung zu nehmen oder dem Angegriffenen zu einer Replik das Wort zu geben. Die Redaktion. Unter diesem Titel veröffentlicht Herr Dr. Orthai einen überaus schroffen und unsachlichen Artikel, um den jüdischen Religionsunterricht, wie er ihm an den Schulen Nürnbergs als gegeben erscheint, in Grund und Boden hinein zu kritisieren. Man wäre nun in keiner Weise veranlaßt, dieser von wenig Sachkenntnis getrübten Beurteilung Beachtung zu schenken, wenn nicht die Gefahr bestände, daß Schweigen Zustimmung bedeuten und daß die jüdische Welt, soweit sie von diesem „Husarenritt“ Kenntnis hat, die Meinung hegen könnte, als ob Nürnbergs Religionslehrer zu jener Kategorie pädagogischer Hinterwäldler gehören, die in solcher Reinkultur wohl nur in der Phantasie des Herrn Dr. 0. vorhanden sein dürften. Wir sind immer einer ruhigen und sachlichen Kritik gegenüber durchaus nicht unzugänglich, ja wir freuen uns sogar darüber, daß endlich einmal auch in Kreise, die leider bisher für jüdische Belange nur sehr, sehr wenig Interesse zeigten, ein Derfudjsn s.e ^smyrnaef lamme“ zu lOPfg. mit Strohmunbffück in eleganter Blechpackung 3igarettenfat7rik Dibolb, Jllündien

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