Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 1 (2.1.1925)
- Date
- 1925-01-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nr. 1 Hus der Geschichte des süddeutschen Judentums (Der Pogrom von Baisingen in Württemberg im Jahre 1848) Wir beginnen heute mit der bereits angekündigten Veröffentlichung von Originaldokumenten aus der Geschichte der Juden in Süddeutschland. Den vorliegenden, aus dem jüdisch-deutschen übertragenen Bericht verdanken wir Herrn Lehrer Lehrmann in Tübingen; die Übertragung besorgte Herr Dr. Fritz Simon in Haifa. Dieser Bericht soll nur den Anfang aus einer Reihe von Veröffentlichungen darstellen, die wir in zwangloser Folge in unserm Blatte bringen werden. Es ergeht an alle Interessenten, insbesondere an die Lehrer in den zahlreichen Landgemeinden, die zum großen Teil im Verfall begriffen sind, die Aufforderung, Dokumente, Erinnerungen und Briefe aus der jüdischen Vergangenheit uns zur Verfügung zu stellen. Die Redaktion. Im Jahre 5608 nach jüdischer, dieses ist im Jahre 1848 nach christlicher Zeitrechnung, empörte sich Sizilien wider seinen König, den König von Neapel. Am 24. Februar genannten Jahres brach auch in Frankreich eine Revolution aus. in deren Folge der König, seine Familie und Minister flüchtig werden mußten und das Land sowohl, als seine Kolonien zur Republik erklärt wurde. . Kaum war Kunde von der französischen Umwälzung nadh Deutschland gekommen, so erhoben sich alsbald die deutschen Staaten, an ihrer Spitze die Bewohner der Residenz und Hauptstädte und forderten von den Fürsten und Regierungen Erleichterungen der Steuern und Abgaben und Einführung eines einheitlichen Regiments für das gesamte deutsche Land. Am 1. März wurde diese Forderung in Karlsruhe, Residenz des Großherzogs von Baden und tags darauf in Stuttgart, Residenz des Königs von Württemberg, dem Gott alles Gute gebe, gestellt. So flog die Revolution nach Wien, Residenz des Kaisers von Österreich, und nach Berlin, Residenz des Königs von Preußen. Es war kaum ein größerer oder kleinerer Ort, da nicht die Bewohner sich erhoben gegen ihre obrigkeitliche Beamten entsetzten, oder zu entsetzen gedachten. In dieser Zeit war nicht bloß Revolution in obengenannten Ländern, sondern auch in Italien und Ungarn. Mächtige wurden gestürzt und das Gesindel erhob sich und viele jüdische Gemeinden in diesen Ländern wurden vielfach mißhandelt. Auch wir, die jüdischen Einwohner des Dorfes Baisingen kamen in große Not. Es war das Gerücht verbreitet, daß die christlichen Einwohner benachbarter Dörfer uns überfallen, berauben und mißhandeln wollen. In der Nacht auf den 13. März waren wir ängstlich, ein jeder in seinem Hause, da kamen hiesige Christen und warfen in zehn Häusern von Juden die Scheiben ein. Die Nachtwächter sahen es und halfen dazu. So sehnsüchtig wir auch dem Anbruch des Tages entgegensahen, so wußten wir uns dennoch auch am Tage nicht' zu raten, denn das gemeine Volk war gesetzlos und die Macht der Beamten im Augenblick äußerst geschwächt. Die Politik riet uns, das Unrecht schweigend zu ertragen. Nun aber waren um Mittag sieben ledige christliche Burschen aus dem nahen Dorfe Vollmaringen in den Ort gekommen und spazierten mit Beilen und Messern in den Händen in Haushöfen der Juden und sprachen anmaßend und frech und höhnend: Heute Nacht kommen wir noch mit Vielen über Eudh. Die Christen im Orte hörten wohl U ilweise Reden und sahen das Benehmen dieser Buben! Allein niemand regte sich uns beizustehen. Niemand hatte ein tröstendes Wort. Die Vorsteher der jüdischen Gemeinde wendeten sich dieserhalb bittend an den Pfarrer, sich zu unserer Sicherheit zu verwenden. Dieser sandte auch sogleich einen Extraboten an den Schultheiß, welcher heute in Geschäften war, in einem benachbarten Dorfe. Dieser kam auch gegen Abend und veranstaltete im Verein mit dem Pfarrer, daß die ganze christliche Gemeinde heute Nacht bewaffnet wäre, auf daß die Juden vor einem auswärtigen Anfalle geschützt seien. Wir Juden waren bereits zu ängstlich und als es Abend wurde, flohen viele der Unseren in benachbarte Orte und flüchteten ihre Gelder und Preziosen und Wertpapiere und viele von denen, die im Orte verblieben und die Veranstaltung des Schultheiß sahen, getrauten sich doch nicht in ihren Wohnungen zu verbleiben und flüchteten sich und ihre verlassenen Sachen in christliche Häuser des Orts, denen sie vertrauten. In derselben Nacht regte sich nichts. Von derselben Nacht an zahlten die jüdischen Bewohner mehreren christlichen Personen aus dem Orte, daß sie Nachtwache halten mußten und T?auThallmaier München Thßatinevfar.lö. min&t-rlasQr ^&T^UanjQ.