Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 52 (26.12.1924)
- Date
- 1924-12-26
- Page
- Seite 488 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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488 Das Jüdische Echo Nr. 52 Kunst-Echo James Bieberkraut, der in hiesigen Kunstliebhaberkreisen bestens bekannte jüdische Maler und Radierer hat den Freunden seiner Kunst in der Ewer-Buchhandlung Gelegenheit gegeben, durch eine Ausstellung seiner neueren Schöpfungen wieder Einblick in sein Schaffen zu nehmen. Besonders die anheimelnden Landschaftsbilder, die mit Vorliebe dem nüancenreichen Lichtspiel des verschneiten Gefildes nachgehen und deren Naturverwachsenheit in Verbindung mit technisch gediegener Durchführung aufrichtige Freude bereiten, werden den Besuch lohnend gestalten. Als häuslicher Schmuck wird sicher ein Kunstblatt Bieberkrauts vielen willkommen sein, deren Erwerb die Ewer - Buchhandlung gerne vermittelt. Z’bi. Personalia Professor David Neu mark gestorben. Wie J.T.A. aus New York berichtet, ist am 16. d. der Professor für jüdische Philosophie am vereinigten jüdischen Kollegium in Cincinnati, Prof. Dr. David Neumark, in Cincinnati (Ohio) gestorben. Professor Neumark, einer der angesehensten Judaisten, wurde im Jahre 1866 in Galizien geboren. Er studierte an der Berliner Universität, wo er zum Doktor der Philosophie promovierte. Die hervorragendsten seiner Werke sind: „.Die jüdische Philosophie des Mittelalters“, erschienen 1908; „Die Philosophie der Bibel“ (1918) und „Die Prinzipien des Judaismus in historischem Umriß“ (1920). David Neumark hat sich auch als Hebraist unsterbliche Verdienste erworben. Seine Hauptwerke sind ursprünglich in hebräischer Sprache erschienen. In diesen Arbeiten erwies sich der Verstorbene als Meister der hebräischen Sprache, dem eine unendliche Zahl hebräischer Worte zur Bezeichnung moderner philosophischer Begriffe ihre Entstehung zu danken haben. Neumark war, wie die meisten aus dem Osten stammenden Gelehrten und Künstler, ein Sprachentalent. Als er von dem inzwischen verstorbenen Professor Dr. Gotthard Deutsch sozusagen entdeckt und als Professor an die jüdische Hochschule in Cincinnati berufen wurde, hatte er die Verpflichtung übernommen, innerhalb zwei Jahren die englische Sprache so zu beherrschen, daß er seine Vorlesungen in dieser Sprache halten könne. Nach einigen Monaten schon überraschte Neumark seine Kollegen und Hörer damit, daß er fortab nur englisch vortrug. Die amerikanischenglischen Blätter widmeten damals diesem „Sprachenphänomen“ lange Artikel. Die späteren Arbeiten Neumarks sind gleichfalls in englischer Sprache erschienen. literarisches Echo Die führende Monatsschrift „des nationalen Judentums“ der „Jude“ ist infolge Rückgangs ihrer Abonnentenzahl in ihrem Erscheinen bedroht. Es ist Pflicht aller geistig interessierten, positiven jüdischen Menschen, diese Zeitschrift zu lesen. „Der Jude44 Was war der „Jude“, was hat er bisher geleistet? Man kann es ohne Scheu sagen, daß sich um den „Juden“ der Kreis der besten, arbeitenden, geistigen jüdischen Generation von heute sammelte und in ihm den Ort sah, an dem am tiefsten und ohne Rücksicht auf die „Interessen“ des Verlages oder sonst jemandes ausgesprochen werden konnte, was die Generation bewegte. Der Kreis um Martin Buber, der ja als Begründer und jahrelanger Herausgeber von je starken Einfluß auf die Zeitschrift hatte, der Kreis um Franz Rosenzweig, die ganze hoffnungsvolle Generation aus Heidelberg, die heute vielleicht nicht mehr die Geschlossenheit von einst hat, die deutsch-christlichen Kreise um Diederichs und die freideutsche Jugend, dann aber die Prager um Max Brod und Weltsch — alle fanden sie im „Juden“ das Organ, in dem sie ihre Probleme, die Probleme unserer Zeit, unseres Judentums, erörtern konnten. Die Zeitschrift stand über allen Parteien, diente lediglich der jüdischen Sache, hatte keinen eigenen Standpunkt und überließ jedem Autor die Verantwortung für seinen Beitrag. Und dennoch bekam alles, was im „Juden“ stand, von der Zeitschrift her ein eigenes Gepräge: alle schlechte, unvornehme Polemik verstummte dort, alle Sensation (so etwa Hans Herzls Taufe, de Haans Ermordung) wurde ihrer „Zeitungsaufmachung“ entkleidet, als von tiefer unten her beleuchtet und so in menschlichem Konflikt verstanden. „Der Jude“ war die vornehmste jüdische Zeitschrift. Diese Zeitschrift soll nun eingehen! Man muß gestehen, daß diese Tatsache eine Kulturschande ohnegleichen bedeutet. Man mache sich klar: seit Monaten kündigen neue Zeitungen, auch jüdische, ihr Erscheinen an! Seit Monaten sprießen illustrierte Blätter, „Magazine“, mehr oder weniger lesbar, mehr oder weniger wertvoll, wie Pilze aus dem Boden. Von Juden werden sie gekauft, zum Teil auch herausgegeben. Jeder Jude gibt für die Ullsteinsche „Berliner Illustrierte“ allmonatlich 80 Pfennige aus. Der „Jude“ kostet monatlich etwa 1 Mark. Man denke diese nüchternen Tatsachen durch, halte den Wert jener Blätter gegen den des „Juden“, und man wird es verstehen, wenn hier dies drohende Eingehen des „Juden“ als eine jüdische Kulturschande ohnegleichen bezeichnet wird. Was ist zu tun? Der „Jude“ darf nicht eingehen! Jeder, dem die Bedeutung des „Juden“ für unsere Generation klar geworden ist, abonniere auf den „Juden“ . Es ist — im Interesse der jüdischen Sache — zu hoffen, daß dieser dringende Aufruf das Eingehen der besten jüdischen Zeitschrift zu verhindern, genügt, um alle Säumigen zum Abonnement aufzufordern! Gemeindenu. Verelns-Icho Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden teilt uns mit: „Die Reichsregierung hat auch für das kommende Jahr einen erheblichen Betrag (zunächst 10 Mill. Mk.) zur Unterstützung der Wohlfahrtseinrichtungen in den Reichshaushalt eingestellt. Der seitens des Reichsarbeitsministeriums mit den Vorarbeiten betraute Herr Staatssekretär Dr. Geib sucht sich durch Augenschein über Wesen und Umfang der Fürsorgeanstalten aller Art zu informieren. Zu diesem Zweck besuchte der Staatssekretär in Begleitung seiner Referentin Dr. Dünner jüngst einige unserer jüdischen Einrichtungen und zwar das alte und das neue jüdische Krankenhaus in Berlin. Der erste Besuch galt dem Hause Augustenstraße, wo unter Führung des Herrn Eugen Derfudien sie ^smurna-Flamme“ zu lOPfg. mit Strotjmunbftflck in eleganter Bfedipadtung 3igarettenfabrik Dibolb, Hlündien