Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 52 (26.12.1924)
- Date
- 1924-12-26
- Page
- Seite 486 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nr. 52 486 Aus der Jüdischen Welt Deutschland Die jüdische Gemeinde Breslaus renoviert das Grab Lassalles Berlin (J.T.A.). Wie aus Breslau gemeldet wird, hat die dortige Synagoge beschlossen, aus Anlaß des auf den 11. April 1925 fallenden 100. Geburtstages des Schöpfers der deutschen sozialdemokratischen Bewegung, Ferdinand Lassalle, das Grab des Arbeiterführers auf dem Breslauer Friedhof auf eigene Kosten instand zu setzen. Samuel Gompers gestorben. — Ein Jude und Amerika Der Rabbi von Sadagora in New York gestorben New York (J.T.A.). Rabbi Isaak Friedmann aus Sadagora, der vor einigen Monaten in New York eingetroffen und von vielen Tausenden seiner Anhänger am Landungsplatz begrüßt worden war, ist am 9. Dezember nach kurzer Krankheit im Alter von 39 Jahren gestorben. Die Bestattung fand am 10. Dezember statt. 15 000 Personen folgten dem Sarge. Rabbi Isaak Friedmann, ein Angehöriger der berühmten Rabbinerfamihe Friedmann und Nachfahr des „Großen Maggid“, lebte bis zum Ausbruch des Krieges als einer der Nachfolger seines Vaters Rabbi Israel Friedmann in Sadagora an der früheren österreichisch-russisdhen Grenze. Nachdem sein Besitztum im Kriege vollständig zerstört worden war, suchte er sich in Amerika eine zweite Heimat zu gründen. Drei Millionen Dollar für Palästina New York (J.T.A.). Auf der am 17. November in New York abgehaKenen Sitzung des Amerikanisch-Jüdischen Komitees teilte dessen Vorsitzender, Herr Louis Marshall, mit, daß auf der Konferenz der amerikanischen Nichtzionisten, die am 17. Februar getagt und über die Aufbaumöglichkeiten in Palästina beraten hat, die Summe von drei Millionen Dollar für die Palästina-Investierungsgesellschaft aufgebracht worden sind. Zu dieser Summe hat das Amerikanisdh-Jüdische Joint Distribution Committee 450 000 Dollar beigesteuert. In Delaware befindet sich der Hauptsitz einer aus Vertretern der Joint und der Palästina-Amerika-Alliance zusammengesetzten Körperschaft, die die besondere Aufgabe hat, die Fonds aller jener Organisationen, die an dem Aufbauwerk für Palästina teilnehmen, zu vereinigen, und den Aufbauzwecken zuzuführen. Die Hälfte der Summe von drei Millionen Dollar soll bereits in Palästina untergebracht sein. Führer der antijüdischen Einwanderungs- Einschränkungsbewesrung New York (J.T.A.). Am 11. Dez. ist hier aus Mexiko City ein Telegramm eingetroffen, daß der dort zu Gast weilende Führer der amerikanischen Arbeiter Samuel Gompers an Herzschlag gestorben ist. Samuel Gompers wurde am 27. Januar 1850 in London als der Sohn einer aus Amsterdam stammenden jüdischen Familie geboren. Noch in ganz jungen Jatfiren, 1863, wanderte er nach Amerika aus, wo er zuerst als Zigarrenarbeiter sich sein Brot verdiente. Er entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Organisatoren der Arbeiterschaft ganz Amerikas und wurde einer der Gründer der Federation of Labour. des amerikanischen Gewerkschaftsbundes, dessen Präsident er seit 1882 bis heute ohne Unterbrechung blieb. Er war unter den Arbeiterführern einer der konservativsten und jeder organisatorischen Zusammenarbeit mit der sozialdemokratischen Arbeiterschaft des alten Kontinents sehr abgeneigt. Samuel Gompers stand der jüdischen Arbeiteroewegung, wie überhaupt allen jüdischen Fragen, sehr kühl, ja mit Abneigung gegenüber. Erst als die jüdische Arbeiterbewegung in Amerika zu einem mächtigen Fakor geworden ist, begann er, mit ihr zu rechnen und ließ sich sogar herbei auf dem jüdischen Arbeiterkongreß zu erscheinen. Seine Unpopularität unter der jüdischen Arbeiterschaft Amerikas erreichte ihren Höhepunkt, als er, der selber eingewanderter Jude war, an der Spitze der Anti-Immigrationsbewegung schritt, obwohl diese Bewegung unleugbar eine Spitze gegen die osteuropäischen Länder, besonders gegen die Juden, hatte, und sich auch als ein schwerer Schlag gegen die Judenheit Osteuropas auswirkt. Hervorragende jüdische Persönlichkeiten hatten sich in der Öffentlichkeit mit großer Erbitterung gegen Gompers ausgesprochen. Viel erörtert wurde in der amerikanisch-jüdischen Presse die Rede Israel ZangwiHs auf dem in New York zu Ehren der europäischen „Ort“-Delegierten Bramson und Dr. Singalowsky gegebenen Bankett, zu dem Gompers eingeladen, aber nicht erschienen war. Zangwill sagte: Hätte ich gewußt, daß man Gompers einladet, ich wäre nicht erschienen. Mit einem Mann, der, obwohl Jude, an der Spitze der judenfeindlichen Anti-Immigrationsbewegung schreitet, kann kein anständiger Jude verkehren. England Lord Bai four über den Palästina- Bericht. London. (J.T.A.) Lord Balfour hatte am 12. Dezember ein längeres Gespräch mit dem jetzt in London weilenden Journalisten Hermann Bernstein aus New York. Lord Balfour sprach über die Fortschritte der jüdischen Arbeit in Palästina seit der Balfour-Erklärung vor sieben Jahren. Die Juden, sagte Lord Balfour, haben in dieser kurzen Zeit Unglaubliches geleistet. Vor einigen Jahren noch war Palästina unfruchtbar und sehr vernachlässigt; in landwirtschaftlicher wie industrieller Hinsicht ganz unbedeutend. Jetzt entwickeln sich immer neue Industrien und die Landwirschaft macht sehr bemerkenswerte Fortschritte. Juden aus Zentren wie Lodz haben die Textilindustrie ins Leben gerufen. Herr Bernstein brachte die Frage auf die Annahme des Palästina-Berichtes der Mandatskommission durch den Völkerbundsrat in Rom, und wies darauf hin, daß in dem Bericht ungünstige Feststellungen über das jüdische Einwandererelement enthalten seien. Lord Balfour antwortete: Ich wundere mich, daß die Herren des Rats nicht daran gedacht haben, was aus den unglücklichen Juden werden soll, die durch den wirtschaftlichen Boykott und andere Verfolgungen in Osteuropa so schrecklich zu leiden haben. Russland Jüdische Studenten nach Palästina „verbannt** Riga (J.T.A.). An der Universität Rostow - Lon fand kürzlich eine scharfe Auseinandersetzung zwischen russischen Studenten und einer Gruppe jüdischer Studenten statt. Die russischen Studenten zeigten ihre jüdischen Kollegen der Ogpu (Sowjetische politische Polizei) als Zionisten an. Die jüdischen Studenten wurden aus der Universität ausgeschlossen und zur „Verbannung nach Palästina“ verurteilt.