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Das jüdische Echo · 1924-12-26 · 52 (26.12.1924) · p. Seite 485

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
52 (26.12.1924)
Date
1924-12-26
Page
Seite 485 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 52 Das Jüdische Echo 485 Die kulturhistorische Deutung der palästinensischen F elsenar chitektur Freitag, den 14. November, hielt Herr Professor Brandenburg in der hiesigen orientalischen Gesellschaft. einen sehr interessanten durch Lichtbilder illustrierten Vortrag über seine Arbeiten auf dem Gebiete der Felsenarchitektur in Kleinasien und Palästina. Dieser Vortrag ist insofern wichtig, da hier eine ganze Reihe von Problemen, welche uns Juden besonders interessieren müssen, aufgeworfen wurden. . Prof. Brandenburg, an Hand vieler interessanter Lichtbilder, war bestrebt, die Heimat der Felsenarchitektur in Anatolien in ihren hervorragendsten Steindenkmälern zu schildern. Wir sahen eine ganze Reihe phrygischer Gräber, sehr reich gegliedert und mit apotropheischen Löwen (ähnlich den mykenischen Löwen) geschmückt. Wir sahen die hoch interessante phrygische Holz-, in Stein übertragene Architektur usw. usw. Schließlich wurden uns eine Anzahl von Höhlengrundrissen vorgeführt, welche nicht nur in Kleinasien, sondern auch in Syrien, Palästina, Ägypten und Etrurien Vorkommen. Prof. Brandenburg glaubt annehmen zu können, daß diese verwandte Felsenarchitektur der Länder des Mittelmeeres ihren Ursprung in Anatolien hat. Die Hethiter, die mächtigen Herrscher Anatoliens Im II. Jahrtausend v. Chr., drängten und verbreiteten ihr politisches Ansehen, wie auch ihre Kultur nach allen Richtungen; sie gründeten das neue syrisch-hethitische Reich, welches sich weit über Karkemisch und Sendschirli nach Süden ausdehnte, ein Teil von Palästina miteinbegriffen, und sogar bis zu den Grenzen Ägyptens vorstieß. Bei diesem Verhältnisse wäre anzunehmen, daß die entsprechende palästinensische Felsenarchitektur durch die hethitischen Beherrscher Syriens und Palästinas entsprechend den Vorbildern ihrer Heimat Anatolien bauten. Prof. Brandenburg aber, um einen „terminus antiauem“ zu finden, glaubt diese Architektur von Ägypten ableiten zu können: wir finden um das Jahr 1300 v. Chr. (Sethos I., Ramses II.), als Palästina in politischen Beziehungen zu Ägypten stand (Teil El-Amarna), Tempel mit ähnlichen Grundrissen, und so sollte erklärbar sein, daß ein Jerusalemer Gouverneur z. B. (nebenbei bemerkt — ein Hethiter) um der Pharaonen Gunst wegen, die Architektur nach dem ägyptischen Vorbild anzulegen befahl. Die Höhlen bei Jerusalem mußten also nach 1300 v. Chr. angelegt worden sein. Als „terminus postquem“ will Prof. Brandenburg das Jahr 1100 v. Chr. annehmen — die Zeit des Entstehens des Ann-Adad Tempel (Assyrien), ein Tempel desselben Grundrisses. Sehr wichtig für die Geschichte Palästinas ist diese Datierung (bisher glaubte man allgemein, daß die palästinensischen Höhlen zwischen 200 v. Chr. bis 200 n. Chr. entstanden sind), aber sie ist nicht ohne gewisses Bedenken. Ich möchte glauben, daß unsere Felsenarchitektur älter als das Jahr 1300 ist und daß sie nicht an Ägypten, sondern an das Hethiterreich anzulehnen ist — ein Jerusalemer hethit. Herrscher baute für sich eine Grabanlage des bekannten Schemas nicht aus Schmeichelei zu Ägypten, sondern entsprechend seiner nationalen Tradition und Kultur! Die ägyptischen Tempel dieses Typus sind zweifellos durch den hethit. Einfluß enstanden. Die palästinensische Felsenarchitektur dieses anatolischen Typus entstand während des II. Jahrtausends v. Chr., aber Höhlen als Wohn- und Kultstätten waren schon viel früher in Palästina vorhanden. Wie in Europa, so mußte auch der vorgeschichtliche Mensch unserer Heimat — Palästina — einen Schutz gegen die Unbilden der Witterung haben (sehr primitive Höhlen gibt es doch in Palästina sehr viele) und so müssen wir annehmen, daß die Höhlen des anatolischen Typus ein Glied in der tausendjährigen palästinensischen Felsenarchitekturentwicklung sind (sie lebte noch bis in die byzantinische Zeit). Auch die Juden nach der Eroberung Kanaans entwickeln die Felsenarchitektur weiter (Richter 62 u. a.), und es entstanden die vielen Felsendenkmäler um Jerusalem herum, Zeuge jüdischer Vergangenheit und Kunst. Wichtig für die Kultur- und Religionsgeschichte Palästinas sind auch die zahlreichen Felsenaltäre mit Schalen und Zinnen zum Aufnehmen von Opfern und speziell die sog. Stufenaltäre. Diese Stufenaltäre leitet mit Recht Prof. Brandenburg von den Thronaltären der kleinasiatischen Gottesmutter Kijhele ab. Man legte die Opfergaben auf die Stufen, welche keinen praktischen Wert hatten, aber sie sollten den Schoß der Göttin andeuten. Die Juden haben nie diese Altäre geschaffen, aber sie kannten wohl sehr gut ihr Bestehen und benutzten sie manchmal für ihre kultischen Zwecke (Richter 620)! Sehr interessant, aber mit großer Vorsicht aufzunehmen ist die Schlußfolgerung des sehr geehrten Forschers des häufigen Vorkommens dieser Stufenaltäre in der Gegend von Jerusalem: trotz der Herrschaft des Judentums, hängt das Volk am Heidentum, seinen Sitten und Gebräuchen, und so ist der starke Monotheismus in Jerusalem erklärbar. Das ist zweifellos eine sehr interessante, aber auf nichts gestützte Vermutung: Felsenaltäre und Felsenarchitektur gibt es auch im übrigen Palästina und außerhalb des Landes. J. Argasi. |{USMI-TEE Feinste eckt russische Teemarhe G«».-Vertr«t.: Dp. BTTINGBR, MÜNCHEN AowMtraw 47. 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