Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 52 (26.12.1924)
- Date
- 1924-12-26
- Page
- Seite 484 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9072829-9103074-9153697--06351-9079058- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
484 Das Jüdische Echo Nr. 52 außerordentlich schwere waren, wo nur Arbeiten vergeben werden konnten, bei denen Lohn und Lebensstandard fast auf der Höhe ägyptischer Fellachen standen, wo die sanitären Verhältnisse nicht geregelt, die menschlichen Beziehungen ungeklärt und kulturelle Hilfsmittel geringe waren, in einer Zeit andererseits, wo auf das Gelingen der Kolo* nisation aus politischen und wirtschaftlichen Gründen alles ankam und wo ein Mißglücken die schwersten und weittragendsten Folgen nach sich ziehen konnte, in einer Zeit endlich, wo fast die gesamte Alijah und viele Wochen und Monate des palästinensischen Lebens auf Kosten der allgemeinen Gelder und Fonds gingen, zu einer solchen Zeit mußte die Alijah derjenigen Menschen bevorzugt gefördert werden, deren berufliche Qualitäten von vorneherein Rentabilität und Sicherheit ihrer ökonomischen Existenz in Palästina versprachen und deren menschliche Reife und seelische Festigung ein Ausharren auch unter den schwersten Bedingungen des Landes verbürgte. Aus dem Zusammentreffen dieser beiden aufgezeigten Tendenzen entstand die verstärkte Forderung der Hachscharah im Galuth. Die Chaluzbewegung, bis dahin eine Wanderbewegung, mußte dem aus dem Augenblick geborenen Chaluztrieb Dauer verleihen. Die palästinensischen Arbeits- und Lebensbedingungen erforderten vorbereitete und gereifte Menschen als Einwanderer. Was lag näher als die Einrichtung landwirtschaftlicher und späterhin handwerklicher Arbeitsmöglichkeiten im Galuth, die als Ersatz der ersten Jahre palästinensischer Arbeit dienen konnten. Der Hechaluz wurde somit langsam aus einer Alijahbewegung zu einer Hachscharahewegung. Das Ziel seiner Arbeit war es, Menschen zu erziehen, die an beruflicher Vorbildung und menschlicher Entwicklung das Stadium erreicht hatten, das palästinensische Arbeiter ebenfalls erst nach einigen Jahren ihrer Arbeit im Lande erringen. Der Hechaluz wurde sozusagen eine Antizipation Palästinas. Lebenswende Ein Aufruf an die Vierzigjährigen unter uns. Von Dr. Bruno Kirschner, Berlin. Einmal nur in seinem Leben wird der Mensch vom Schicksal begnadet, in zwei Welten blicken zu dürfen. Was der Bergbesteiger auf dem Gipfel erlebt, den er mühsam erklommen: zurückschauend das Tal zu übersehen, das er verlassen, und vor sich neues, unbekanntes Land mit Auge und Seele zu erobern — ähnliches Glück ist dem Menschen gegönnt, wenn sich das vierte Jahrzehnt seines Lebens vollendet hat. Janusköpfig blicken wir Vierzigjährigen wie auf die nun verfliegende Jugendzeit zurück, so in die Jahre des Alterns hinüber. Noch sind wir jung! Noch ist uns Jugend ein Stück — ach, nur ein Stück mehr — unserer Seele, leuchtend in den Farben des Mittags, lokkend mit Wünschen, Hoffnungen und Träumen. Noch begreifen wir das himmelstürmende Verlangen der Jugend, das Recken der Arme nach Liebe und Macht, die Hingabe an das Ideal, Aufopferung für andere. Noch steht die Tür offen, und die Welt kann unser sein. Und gleich wie wir noch mit den Kleinen und Kleinsten kindlich und kindisch spielen und tollen können, weil uns noch kein Abgrund trennt vom Lachen und Unverstand der Jungen, so ist unser Herz noch aufgeschlossen für die Sehnsüchte der Jugend, für die Kräfte, die aus ihrer Entfaltung fließen und, zurückfließend, ihre Entwicklung vorwärts treiben — und auch für alle die törichten Wünsche und Träume, die die Jugend unbekümmert wie bunte Bälle in die Lüfte wirft. Noch sind wir jung ... Aber bald sind wir alt! Die ersten weißen Haare sind die Mahner, Daß unseres Lebens Sonne sich gewendet, Daß unsrer Tage Kreislauf sich vollendet — Des Alters raschem Abstieg Wegebahner. Schon rollt das Blut unserer Begeisterung träger, verlangsamt sich der Pulsschlag unserer Aktivität, setzt, hörbar nur dem unbestechlich prüfenden Verstände, von Zeit zu Zeit der Herzschlag unserer Kampfnatur aus. Wir werden satt und müde. Wir werden — ist vielleicht zu viel gesagt, besser: wir fühlen, daß der Zeitpunkt kommt, einmal da sein wird, da wir satt und müde sind. Schon können wir uns alt vorstellen, verständnislos gegenüber der Jugend, uninteressiert an ihren Arbeiten und Strebungen. Der Tod der Seele bei lebendigem Leibe steht drohend vor uns; Gleichgültigkeit klopft leise ans Haus. Bald sind wir alt... Einmal nur in unserem Leben, zwischen vierzig und fünfundvierzig etwa, blicken wir gleichzeitig in die zwei Länder des Menschenschicksals — nur wir! Nie kann Jugend, stürmend, siegend und fallend, die Ruhe, Abgeklärtheit und Überlegenheit des Alters begreifen (deshalb ist z. B. bei ihr kein Verständnis für den alten Goethe, der doch gewiß kein Stumpfer wurde, oder für die Weisheit der Bibel zu erwarten); selten nur wird das Alter mit der neu sich aufbauenden Welt der Jungen innig mitfühlen können. Wir aber stehen inmitten! Wir Vierzigjährigen sind und sollen sein die Mittler zwischen den Geschlechtern — eine bei allem Verzicht und aller Ergebung beglückende Aufgabe, den Alternden und Alten das Recht der Jugend auf eigenes Leben, eigene Gesetze nahebringen; die Jugend lehren, daß sie das Alter nicht nur um seiner Reife, sondern um seiner einstigen Jugend wegen lieben muß; Väter und Söhne, Weise und Einfältige, Stille und Schäumende zu verbinden — das ist unser Los, sei es freundlich oder hart, an unseres Lebens Wende. Und nirgends ist diese Aufgabe heiliger und dringlicher als bei dem Zusammenprall zwischen der neuen jüdischen Jugend und den unjüdischen Alten. Schönheit ist Macht/ Privaiklinik lar Komiik u. kosmetische Chirnmie MUnchen, LeopoldstraDe 71 Telefon-Ru! 33516 Schmerzlose, operative Beseitigung von Doppelkinn, Hängewangen, entstellenden Hautlalten, Hängebrust. “ Keine Paralfininjektionen. — Nasenkorrekturen, triolgw«* garantiert. Heilung sämtlicher Hautleiden und Haarleiden. Blutreinigungskuren. Entfettungskuren mit Dauererfolg ohne Diät — Spezialität: Verjüngungsbäder, die nur in der Privatklinik verabreicht werden. Man verlange Gratis-Broschüre.