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Das jüdische Echo · 1924-12-26 · 52 (26.12.1924) · p. Seite 482

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
52 (26.12.1924)
Date
1924-12-26
Page
Seite 482 (sequence 6)
Language
German
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482 Das JMlscfee Ecfeo Nr. 52 bedürfen und ohne Vermittler zu sein, durch ihre eigenen Kräfte ihr Brot finden. Der Keren Kajemeth erfüllt weiterhin eine wichtige kulturelle Aufgabe. Er erschließt brachliegendes Land, er trägt dazu bei, daß unbearbeitete Ländereien nutzbringend verwendet werden. Er ist Kulturträger im engsten Sinne des Wortes. Ich habe in Palästina die Arbeit der „Chaluzim“ und „Chaluzoth“, der Pioniere und Pionierinnen der Arbeit gesehen und ich bewundere sie. Es sind Helden der Arbeit, die bei einer Hitze von 36 bis 40 Grad Celsius verwüstetes oder durch die Malaria verseuchtes Land in gesundes Kulturland umschaffen. Wenn es im Buche Nehemia von den damaligen Pionieren heißt, daß sie mit der einen Hand die Arbeit taten und mit der anderen Hand die Waffe hielten, so arbeiten die Pioniere von heute am Werke und nehmen gleichzeitig Chinin, um die Malaria, die in ihnen steckt, zu bekämpfen oder sich vor ihr zu schützen. Ich war in einer blühenden Kolonie, das Land lag seit fast 100 Jahren verödet, .weil vor etwa 80 Jahren die letzten arabischen Ansiedler von der Malaria weggerafft worden waren. Diese Pioniere trocknen die Sümpfe aus, sie bauen Wege und Straßen, bearbeiten das Land und machen aus einer sandigen Gegend eine fruchtbare, aus einer Hölle ein Paradies. Der Keren Kajemeth ist es, der den Pionieren das Land gibt. Der Keren Kajemeth trägt überdies auch zur Hebung der Kultur der arabischen Bevölkerung bei. Der Einfluß der höher stehenden jüdischen Arbeiter kann nicht ausbleiben. Die Hetze der Effendis, dieser von der Ausbeutung der arabischen Bauern lebenden Schmarotzer, wird keinen Erfolg haben. Unlängst wurde — ein Zeichen der Zeit — in Haifa ein gemeinsamer Klub jüdischer und arabischer Eisenbahner eröffnet. Die Zeit wird auch kommen, wo die jüdischen und arabischen Landarbeiter gemeinsam vorgehen werden, um sich vor dem Geiste des schrankenlosen Kapitalismus zu schützen. Die Männer der Arbeit müssen und werden sich vereinigen; Mißverständnisse zwischen zwei aufeinander angewiesenen Völkern werden von solchem Zusammenschluß aus am besten beseitigt werden. Der Keren Kajemeth hat schließlich auch einen grandiosen sozialen Versuch gemacht. Ein Teil, vielleicht der größere Teil des dem Keren Kajemeth gehörenden Landes wird von Landarbeitern bearbeitet, die in sozialistischer Art als sogenannte „Kwuzoth“ organisiert sind. Die Privatwirtschaft ist in diesem Kwuzoth unbekannt. Gemeinsame Produktion der Güter, gemeinsamer Absatz. In der Kwuzah gibt es kein Privateigentum an Produktionsmitteln und am Produkt — und dennoch florieren sie. Man hat hier vor sich kollektivistische Wirtschaftsinseln, wobei die Hauptsache ist, daß nach den Worten eines der besten Kenner der Wirtschaft Palästinas, Dr. Ruppins, „die Kwuzah mit Recht als die Geburtsstätte des jüdischen landwirtschaftlichen Arbeiters in Palästina bezeichnet werden kann, sie hat durch den Eliminationsprozeß unter ihren Mitgliedern die landwirtschaftlich Geeigneten von den Ungeeigneten gesondert“. „Die Arbeitsleistungen in den Kwuzoth“, sagt im weiteren Dr. Ruppin, „sind nicht geringer als in den Einzelsiedlungen, die Defizite der Kwuzoth sind nicht größer als die Defizite in den Einzelsiedlungen“. Die Kwuzah ist nicht ein utopistisches Experiment, sie entstand nicht einmal als Ergebnis eines beabsichtigten sozialen Experiments. Dr. Ruppin führt drei Ursachen an, die zu ihrer Begründung führten. Er erklärt, daß die Kwuzah unter den historisch gegebenen Bedingungen — Mangel an Mitteln und Mangel an landwirtschaftlich erfahrenen Kandidaten — die einzige Möglichkeit war, etwas Neues auf dem Wege der landwirtschaftlichen Kolonisation zu beginnen. Die sozialistischen Kwuzoth haben sich bewährt. Während meiner Anwesenheit in Palästina habe ich das Große, das sie geleistet haben und den sozialen Sinn der Mitglieder der Kwuzoth bewundern müssen. Die Kwuzoth ist ein historisch notwendig gewordener sozialistischer Versuch, der zeigt, daß man landwirtschaftlich Tüchtiges leisten kann, ohne Privateigentümer von Grund und Boden sein zu müssen, daß man Land produktiv ausnützen kann, ohne fremde Menschen ausbeuten zu müssen. Sollten diese sozialistischen Versuche dauernde Erfolge zeigen, so wird der „Keren Kajemeth“, seinem Namen entsprechend, ein beständiger Grundstein auch in der Geschichte der sozialen Entwicklung der Menschheit sein. Und jeder, der zu ihm beiträgt und seine Kräfte stärkt, wird das Recht zu der Empfindung haben dürfen, daß er einen Weg mit bahnen half, der allein geeignet ist, aus dem heutigen Chaos Europas und der Juden herauszuführen. Tetfilhandelsgesellschaft zum „Weberhau s"R.Q. München / Frankfurt* / Leipzig Zentrale München, Hesstrasse 74/76 Hauptgeschäft Dachauerstr. 9. Illustr. Katalog gratis u.franko IIIIBBIMililBIfflBiBBBimifflUMtMlinBinBIBHnillBfflIHgBUlilHlBfflIBIlWmyBIi POBZELLAN-N1EDEBMOE HtNCHEN THEA TINERSTRASSE 23 gegenüber der Feldherrnhalle GRÖSSTE AUSWAHL IN fiEBBADCHSPOBZEHAS TÄGLICHE LAGERERGÄNZUNG 482323532323234853484853532353485323235353484848232323534853534848232353484853

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