Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 52 (26.12.1924)
- Date
- 1924-12-26
- Page
- Seite 481 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 52 Das Jüdische Echo 481 sehen uns und irgend welchen Kolonisationstendenzen irgend eines Volkes. Wir denken nicht daran, von England Geschenke zu empfangen, indem wir auf Grund eines Völkerbund-Mandats Palästina aufzubauen versuchen, sondern wir finden, daß die europäischen Völker, indem sie uns die Chance Palästina geben, eine kleine Reparation zahlen für all das vernichtete Leben, für all die Schändung und schimpfliche Erniedrigung, für all das den Juden widerrechtlich weggenommene Eigentum — Dinge, die immer irgendwie und irgendwo während der letzten 2000 Jahre zu unserer Geschichte in Europa gehört haben. Wir freuen uns, mit allen aufrechten, mannhaften und menschenfreundlichen Briten in dieser Reparationleistung konform zu gehen. Aber nichts hindert alle aufrechten, mannhaften und menschenfreundlichen Männer aller anderen Völker und Religionen, sich an dieser Reparationsleistung an dem schwer gelähmten und benachteiligten jüdischen Volke zu beteiligen. Und wenn man uns, weil wir uns der Unterstützung Groß-Britanniens erfreuen, von moslamischer Seite für britische Söldner halten möchte, so haben wir dagegen die Verpflichtung, was an uns ist zu tun, um die Vertreter dieser Moslem in Europa in einem aufrichtigen und gründlichen Sinne über die Wahrheit zu informieren. Wir sind dabei sogar sicher, mit Engländern vom Schlage Bernard Shaws oder Ramsay Macdonalds ebenso zu harmonieren, wie mit den nichtmoslemischen Indern um den großen und tapferen Mahatma Gandhi. Es ist eine politische Pflicht und Dienstleistung wichtigster Art, die jeder Zionist und Palästinafreund in großen Städten leisten kann, wenn er versucht, mit Moslem in Verbindung zu kommen und ihnen richtiges und sachliches Material über unsere Bewegung zu übermitteln. Wir haben nichts zu verbergen, denn wir sind eine konstruktive und destruktive, eine aufbauende und nicht zerstörende Menschengruppe, die die Zustände auf der Erde verbessert, indem sie das Los der Juden normalisiert. Wir sagen diese ganzen notwendigen Sätze eigentlich als Einleitung zu der folgenden kurzen Mitteilung: fast als einziger unter den deutsch schreibenden Zionisten hat infolge seines Kriegsschicksals Eugen Höflich, der Herausgeber des „Zelt“, die schicksalhafte Trächtigkeit unserer Anknüpfung mit der islamischen Welt aufzufassen verstanden. Er hat sie in seinem Buche „Die Pforte des Ostens“ (Verlag Benjamin Harz) mit aller ihm zu Gebote stehenden Eindringlichkeit aufgerollt, und seine Lösung eines Panorientalismus unter Einschluß der Juden dargetan. Wir sind bei weitem nicht seiner Meinung. Wir werden demnächst ausführlich darzutun versuchen, daß wir den Juden nur sehr bedingt als Orientalen zu sehen vermögen. Aber das vermindert nicht die Wichtigkeit und Richtigkeit einer Aufgabe, welche Höflich fast ohne Auftrag übernommen hat, nämlich bei dem allgemeinen und willkürlichen Sichgegenseitig-mißverstehen der heutigen Menschheit ein Vermitler zu sein zwischen zwei Mächten, die mit einander in Berührung kommen müssen: der jüdischen Zukunft und der moslamischen Gegenwart. Arnold Zweig. Die Bedeutung des Keren Kajemeth Lejisrael von Nationalrat Dr. D. Farbstein-Zürich, Der Keren Kajemeth Lejisrael erwirbt in Palästina Land. Das von ihm erworbene Land läßt er von jüdischen Händen bearbeiten. Das Land ist unverkäuflich und unveräußerlich. Der Keren Kajemeth Lejisrael ist kein gewinnbringendes Unternehmen, er will keine Gewinne machen, er ist ein gemeinnnütziges Unternehmen. Das Land bleibt Eigentum des Keren Kajemeth. Es wird den Bearbeitern zur Benutzung unentgeltlich oder gegen einen mäßigen Pachtzins überlassen. Der Keren Kajemeth Lejisrael hat eine große Bedeutung in dreifacher Hinsicht: für einen Teil der Juden in wirtschaftlicher und in moralischer Hinsicht, für das Kulturleben der Menschheit im allgemeinen und last not least in sozialer Hinsicht. Die Geschichte der Juden ist eine Geschichte der Juden Wanderung. In einzelnen Ländern sind sie den Bürgern gleichgestellt. Dort, wo sie in Massen wohnen, insbesondere im Osten Europas, waren sie unlängst und sind noch jetzt teilweise Ganz- und Halbparias. Wirtschaftliche und historische Momente trugen und tragen auch jetzt teilweise zu einer Verelendung der jüdischen Massen bei. Tausende und Abertausende wandern daher von ihren bisherigen Heimstätten aus. Es gab Zeiten, da aus Rußland in einem Jahre 100 000 Juden auswanderten. Die Zahl der Einwanderungsländer hat abgenommen. Amerika hat seine Tore geschlossen. In anderen Ländern werden diese armen, gehetzten Menschen als ungebetene Gäste angesehen. Die Blicke vieler dieser vom Schicksal Betroffenen sind auf ein Land gerichtet, wo sie endlich Ruhe und Frieden zu finden hoffen. Gewiß wandern auch andere Elemente nach Palästina aus. Wir finden viele Intellektuelle, die aus ideologischen Gründen nach Palästina gehen. Als Ort einer Massensiedlung kann aber Palästina nur für die Masse in Betracht kommen. Der Keren Kajemeth erfüllt eine wichtige wirtschaftliche Aufgabe, indem er bestrebt ist, denjenigen, die körperlich arbeiten können und arbeiten wollen, Land zur Verfügung zu stellen, um es zu bearbeiten. Der Keren Kajemeth hat ferner aber auch einen gewaltigen moralischen Einfluß. Historische Ereignisse haben aus den Juden in der Hauptsache ein Handelsvolk gemacht. Wir finden freilich in großen Immigrationszentren: in New York und Chicago, in London und anderen Orten sehr viele jüdische Arbeiter. Auch in den Städten und Städtchen Osteuropas ist der Prozentsatz der jüdischen Handwerker und Arbeiter ein ziemlich bedeutender. Es gibt aber unter den Juden sehr viele, allzuviele Händler, Kleinhändler, Zwischenhändler, Makler usw. Es ist hier nicht der Ort, sich über den Einfluß des Handels auf die Denkart des dem Handel sich Widmenden auszusprechen. Es kann aber getrost gesagt werden, daß es nicht nur in gesundheitlicher, sondern auch in moralischer Hinsicht von wohltuender Wirkung ist, wenn der Keren Kajemeth bestrebt ist, die nach Palästina einwandernden Juden zu Landarbeitern, zu Menschen zu machen, die ohne anderer Menschen Arbeit zu J. A. HENCKELS ZWILLINGSWERK MÜNCHEN # THEATINERSTRASSE 8