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Das jüdische Echo · 1924-12-26 · 52 (26.12.1924) · p. Seite 480

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
52 (26.12.1924)
Date
1924-12-26
Page
Seite 480 (sequence 4)
Language
German
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480 Das Jüdische Echo Nr. 52 Es ist selbstverständlich niemals irgend jemand auf dem Kongreß eingefallen, die Papiermark als Argument gegen die von uns verfochtenen Überzeugungen anzuführen. Immerhin aber lähmte die Tatsache, daß hinter unseren Worten materielle Beweismittel in finanzieller Hinsicht nicht standen, unsere Menschen selbst und hinderte sie, sich voll und vorbehaltlos einzusetzen. Auch hierin ist nun naturgemäß eine entscheidende Wandlung eingetreten, auch in dieser Hinsicht ist der Besuch Weizmanns für die Sache des gesamten Zionismus von Bedeutung. Der Delegiertentag wird im Zeichen einer Reihe von durchgreifenden Reformprojekten für die Organisation des Zionistischen Weltverbandes stehen und es ist kein Zweifel, daß die Beschlüsse des Delegiertentages in diesen Fragen auf dem nächsten Kongreß mit aller uns zur Verfügung stehenden Energie zur Diskussion und Abstimmung werden gestellt werden. Eine außerordentlich große Zahl deutscher Zionisten ist seit dem letzten Delegiertentag dem Lande Palästina persönlich näher gekommen. Viele unserer Gesinnungsgenossen sind bereits übergesiedelt und stehen mit ihren Ortsgruppen in enger Fühlung, viele haben Palästina bereist und sind voll von dem, was sie dort sehen durften, mit neuer Energie und vor allen Dingen mit konkretem Wissen über die Verhältnisse im Lande zurückgekehrt. Auch dies — nebenbei bemerkt — war nur möglich als Folge der Konsolidierung der deutschen Währung. Es ist bestimmt zu erwarten, daß dieser Delegiertentag daher auch im Zeichen dieser stärkeren Bindungen mit dem Lande stehen und dadurch an Inhalt und Form gewinnen wird. Im Zeichen all dieser erfreulichen Veränderungen begrüßen wir den XX. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, begrüßen wir insbesondere den aus Palästina zu kurzem Aufenthalt und zur Teilnahme an den Beratungen anwesenden Herrn Felix Rosenblüth, den Mann, der gerade in den schweren Jahren der Krise die zionistische Organisation in Deutschland als deren Vorsitzender so tatkräftig gefördert hat, heißen wir insbesondere Chajim Weizmann in unserer Mitte aufs herzlichste willkommen. Möge dieser Delegiertentag einen verheißungsvollen Auftakt für das dritte Dezennium zionistischer Arbeit in Deutschland bildent L.*ir. Große Politik . Jeder von uns hat sich schon einmal darüber mockiert, daß die dümmste Premiere eines impotenten Stückes oder die aus lauter Gemeinplätzen zusammengestotterte und abgelesene Rederei eines „Staatsmannes“ heutigen Formats in den Zeitungen nach allen Richtungen gedehnt wird, um den großen Ereignissen nur ja gerecht zu werden, schon dem Umfang des Berichtes nach, daß aber die wichtigsten Probleme, die brennendsten Mitteilungen, die ehrlichsten und tapfersten Fragestellungen, sofern sie das Unglück hatten, nicht den Zeitungs- und Artikelschreibern selber einzufallen, sondern Schriftstellern, die ihrem Beruf gemäß ein Buch daraus machten, daß diese oft entscheidenden geistigen Ereignisse meist in der kümmerlichen Ecke der Buchbesprechungen abgetan werden, wo sie jungen Leuten, irgend einem H. S. oder L. W., zur Übung überlassen werden wie netten Hündchen von guter Rasse ein alter Schuh, damit sie „sich daran belernen“. Was uns hier betrifft, wollen wir gelegentlich wichtiger Bücher auch auf allgemeine Probleme, oder gelegentlich wichtiger Probleme auch auf sie betreffende Bücher hinweisen. Wir rechnen dabei auf das Verständnis unserer Leser, die ja wissen müssen, daß es Bücher waren, von denen die größten Umgestaltungen und die nachhaltigsten Wirkungen in der Politik, d. h. also vorher in der menschlichen Seele vor sich gegangen sind. Das umfangreichste und folgenvollste politische Problem unserer jungen jüdischen Wirklichkeit ist zweifellos das der Beziehung zur moslamischen Weih Je größer die Hoffnung ist, die wir auf unser palästinensisches Gemeinwesen setzen, und je wichtiger die Umformung, die wir für den Juden von ihm erwarten, um so entscheidender wird die Frage, wie sich denn die große, über die Osthälfte der Erde ausgedehnte Welt des Islam dazu stelle, und noch entscheidender die Antwort, welche uns die Moslem geben. Denn was heißt hier: islamische Welt. Das ist jene geistige Einheit, die den Rifkabylen Abd El Krim, den Türken Kemal Pascha, den Ägypter Zaglul Pascha, den König Ali von Mekka und seinen greisen Vater mit den ungeheueren Massen der indischen Moslem zu einem gemeinsamen Empfindungs¬ und Gedankenstrom in wichtigen Fragen zusammenschließt. Dieser Islam, durch den Weltkrieg erweckt, durch seinen Ausgang in hohen Erwartungen betrogen, liefert heute nächst Rußland alle wirklichen politischen Schwierigkeiten, auf lange Sicht hin betrachtet; und da er dies weiß und sich längst darüber klar ist, daß er von seiner, auf der Osthälfte der Erde noch vor hundert Jahren unbedingt führenden Macht einzig und allein herabgeglitten ist, weil er die technischen und ideellen Erfindungen des 19. Jahrhunderts mitzumachen verschmähte, hat er in allen wichtigen Städten Europas kleine Kolonien seiner Anhänger und Vertreter, die offiziell oder nicht offiziell an der Befreiung ihrer Völker vom europäischen Joch arbeiten, indem sie als Pioniere und Aufnahmeorgane sich ein möglichst großes Stück modern europäischer Technik und Geistesart anzueignen versuchen, und damit, die Methoden der Japaner kopierend, die Gaben Europas aufzusaugen und Europa selbst in den Heimatländern überflüssig zu machen. Europa, das ist hier fast gleichbedeuend mif England. Und damit beginnt für uns Juden und Zionisten das Entscheidende. Ganz allgemein nämlich setzt man uns und England in eines. Wir gelten in der moslemitischen Welt für eine Schachfigur der Engländer, um nichts Schlimmeres zu sagen. Der ganze Haß und die ganze Abneigung, deren sich die englische Politik und der englische Imperialismus bei den Moslim erfreut, trifft uns mit. Nun brauchen wir nicht zu sagen, daß zwischen uns und den Erweiterern des britischen Kolonialreichs ein ebenso großer Unterschied ist, wie zwi- PELZMODE-HAUS SCHWABE MODERNSTE PELZE MÜNCHEN, KAUFINGERSTR.23

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