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Das jüdische Echo · 1924-12-05 · 49 (5.12.1924) · p. Seite 436

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
49 (5.12.1924)
Date
1924-12-05
Page
Seite 436 (sequence 8)
Language
German
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436 Das Jüdische Echo Nr. 49 Will Hilf 1 111 I II llll! II lllllilllllli llll | Feuilleton ||||| j I HIT III llllll III III! I l II Äus Uriel Hcosla’s Selbstfoiographie (Dokument eines Menschenschicksals.) Wir verdanken der Freundlichkeit des Verlags „Die Kuppel“, Aachen, und des Übersetzers, Herrn Oskar Jancke, die Möglichkeit, aus diesen erschütternden Dokumenten einige wichtige Stellen zu bringen. Geboren bin ich in Portugal, in der Stadt gleichen Namens, die da heißt Porto. Meine Eltern stammten aus einem Adelsgeschlecht, das von Juden herkam, die man in jenem Lande einstmals mit Gewalt zum Bekenntnis der christlichen Religion gezwungen hatte. Mein Vater war ein aufrichtiger Christ, ein sehr ehrliebender Mann, dem nichts über die Wahrung der Sitte ging. In seinem Hause wurde ich standesgemäß erzogen. Bedienung fehlte nicht, und im Stalle befand sich zu Reitübungen, in denen der Vater das Beste leistete, ein edles spanisches Roß; ich selber bemühte mich, es ihm gleichzutun. Nachdem ich in einigen Dingen, wie sie vornehme Kinder zu erlernen pflegen, unterrichtet worden war, studierte ich die Rechte. Was meine Veranlagung und natürliche Neigung betraf, so war ich von Natur sehr fromm und so mitleidig, daß ich niemals mich der Tränen enthalten konnte, wenn ich von fremdem Unglück erzählen hörte. Die Scham war mir so eingeboren, daß ich nichts so sehr fürchtete, als die Schande. Mein Charakter war nicht niedrig geartet, und ich wurde von Zorn ergriffen, wenn die gerechte Sache es forderte. So war ich den Übermütigen und Unverschämten, die durch Verachtung und Gewalttat anderen gern Böses antun, von Herzen entgegen, von dem Wunsche beseelt, die Partei der Schwachen zu unterstützen, mich ihnen vornehmlich zu verbinden. Um des Glaubens willen habe ich im Leben Unglaubliches leiden müssen. Wie es in* jenem Lande Sitte ist, wurde ich im christ-katholischen Glauben unterwiesen; solange ich noch jung war, und mich sehr vor der ewigen Verdammnis fürchtete, begehrte ich, alle Vorschriften genau zu beobachten. Ich beschäftigte mich mit der Lektüre des Evangeliums und anderer geistlichen Bücher, las die Hauptschriften der Kirchenlehre, und je mehr ich in sie hineinkam, desto größere Schwierigkeiten erwuchsen mir. Schließlich verfiel ich in unsagbare Wirrnisse, Beängstigungen und Nöte. In Kummer und Schmerz verzehrte ich mich. Unmöglich erschien es mir, meine Sünden nach römischer Sitte zu bekennen, um die angemessene Absolution zu erlangen, und alle Forderungen auszuführen; und infolgedessen verzweifelte ich an meinem Seelenheil, wenn es durch solche Satzungen wiederhergestellt werden konnte. Weil es aber so schwer war, einen Glauben aufzugeben, dem man von Kindesbeinen angehangen und der im Gewissen schon tief Wurzel gefaßt, so begann ich zu erwägen (es geschah mir dies etwa im 22. Lebensjahr), ob etwa das, was über ein anderes Leben verlautete, weniger Wahrheit für sich habe, und ob sich der Glaube an so etwas gut mit der Vernunft vertrüge, denn die Vernunft selbst sagte vieles und flüsterte es einem beständig ins Ohr, was etwas ganz anderes bedeutete. Nach diesen Zweifeln jedoch fand ich wieder Ruhe und wußte ■nun ganz genau, daß ich, was auch immer sei, auf dem bisherigen Wege niemals das Heil meiner Seele erlangen könne. Um diese Zeit, wie gesagt, studierte ich die Rechte, und erlangte im 25. Lebensjahr, als sich die Gelegenheit bot, ein kirchliches Benefiz, die Stelle eines Schatzmeisters an der Stiftskirche. Da ich aber in der christ-katholischen Religion Frieden nicht finden konnte und doch irgendeiner an'hängen sollte, durchlas ich, wohlbekannt mit dem großen Wettstreit zwischen Christen und Juden, die Bücher des Moses und der Propheten und was ich sonst fand, was sich vom Neuen Testament nicht wenig unterschied, und wo das von Gott Offenbarte weniger Schwierigkeiten bot. Außerdem bekannten sich zum Alten Testament Juden wie Christen; zum Neuen aber nur die Christen? Schließlich wandte sich mein Glauben dem Moses zu und ich meinte, dem Gesetz gehorchen zu müssen, da doch jener, wie er versicherte, alles von Gott empfangen hatte und erklärte, nur dessen Dolmetscher zu sein, von Gott selbst zu jenem Amt berufen oder (so werden die Kinder betrogen) sogar gezwungen. Infolge dieses Entschlusses dachte ich daran, weil in jenem Reiche das Bekenntis zur vorgenannten Religion nicht frei war, meinen Wohnsitz zu verändern, das Land meiner Heimat und Kindheit zu verlassen. So verzichtete ich denn zu Gunsten eines T5buThallmder München Sfaeaänerffcld. m (n&(5lasGr

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