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Das jüdische Echo · 1924-12-05 · 49 (5.12.1924) · p. Seite 433

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
49 (5.12.1924)
Date
1924-12-05
Page
Seite 433 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 49 Das jüdische Echo 433 und gegen den Leutnant auch.“ Dieser Antisemitismus, man höre zu: der es den einzelnen Deutschen unmöglich machte, die Tatsachen um ihn herum auch nur zu sehen, ohne sie sofort, schon im Aufnehmen, gehässig zu entstellen und mauschelnd zu verdrehen, war die Folge einer jahrzehntelangen Propaganda, die die Ost juden verleumdete und die deutschen Juden meinte — einer Propaganda für Grenzschluß und Ausweisungen, für Ausnahmegesetze und Schikanen, für Verachtung und Mißhandlung, einer Propaganda, die von flegelhafter, tückischer und feiger Dummheit platzte. Daß in der Angst um ihre angezweifelte „völkische Gesinnung“ auch deutschjüdische Bürger dieser Propaganda erlagen, ist ihre schmachvollste Folge; daß aber noch heute in der deutschen Politik jene Propaganda nachwirkt — das ist ihre allerdümmste. Denn fest steht doch eines: jeder politischen Regung, der das ehemalige Deutsche Reich irgendwie Auswirkung lieh, gründlich zu mißtrauen, sollte der Anfang einer Staatskunst derjenigen Parteien sein, die es heute übernommen haben, den rekonvaleszenten Körper der Republik zu tragen und zu stützen; sie sollte sich davor hüten, diese alten, verseuchenden Mittel: Sachunkenntnis größten Stils und Feldwebelpfoten weiter arbeiten zu lassen.' In dem Augenblick aber, wo man die Dinge studiert, ehe man sie regelt, mußte man doch den Versuch einer umfassenden und objektiven Überlegung machen, deren Resultat, summarisch formuliert, auf folgende Sätze hinauslaufen mußte, als deren Sprecher man sich irgend einen christlichen Politiker denken möge. 4. „Meine Herren, ich habe nur materialistisch zu Ihnen zu reden. Die deutsche Wirtschaft wird früher, als Sie meinen, mit dem Osten wieder in Austausch kommen müssen. Es wird von hinreichender Bedeutung sein, in den östlichen Ländern Kontrahenten zu finden, die mit uns arbeiten wollen. Wollen: auf den Willen kommt es an; erregt man durch seine pure politische Zugehörigkeit Antipathie, so ist an Beziehungen nicht zu denken. Ich denke, daß der Krieg, in dessen Schatten alle heutigen Ereignisse sich vollziehen, uns die unvergleichliche Wichtigkeit der Sympathie gelehrt haben wird und der augenblickliche Zustand wird sie uns noch besser begreifen lehren. Die Sympathie der östlichen Gebiete gehörte vor dem Friedensschluß der Entente; jetzt stehen die Chancen nicht mehr ganz so ungleich, aber an sich unscheinbare Entschlüsse, etwa solche, die sich auf die in Deutschland lebenden Ostjuden beziehen, könnten uns jetzt empfindlich und auf langehin schaden. Es steht zu erwarten, daß die endgültige Regelung der palästinensisch-zionistischen Pläne Englands die ostjüdische Auswanderung nach dem neuen jüdisch-arabischen Gemeinwesen lenken wird und was die ostjüdisch-radikalen Sozialisten anlangt, so bekenne ich, daß man mir wenigstens mit dem Bolschewistenalb keine Bange machen kann, denn ich weiß, daß der deutsche Arbeiter von Methode Demokrat ist. Was aber die wirtschaftliche Unmoral angeht, die man den Ostjuden nachsagt, so weiß ich, daß man uns Deutschen einen schlechten Dienst tut, wenn man dadurch unsere Augen von der eigenen Bresthaftigkeit fortlocken möchte; und das will man damit ganz offenbar, denn — „mit erhobener Stimme“ — man verhindert uns dadurch, selber wieder zu gesunden; man möchte uns einlullen und uns die beschämende Tatsache vergessen machen, die bei uns während des Krieges offenkundig wurde und die der Dichter und Psychologe Heinrich Mann in seinem Buche „Macht und Mensch“ sehr prägnant formuliert wie folgt: „Auf Frechheit der neuen Reichen, die prassen im Angesicht der bleichenden Not, antwortet von unten der Diebstahl und erhebt sich zum anerkannten Volksbrauch.“ Nur indem wir uns die eigene Krankheit eingestehen, vermögen wir ihr beizukommen und nich|, indem wir andere Gesamtheiten als ihre Träger denunzieren; das ist unpatriotisch im echten Sinne des Wortes und unmoralisch außerdem. Den wenigen Ostjuden, denen wir Schiebertum und Diebstahl an unserer Wirtschaft nachreden können, stehen, selbst von den in Deutschland lebenden, immer fünfzig redliche und nützlich Arbeitende gegenüber, und wir werden uns nicht zu beschweren haben, wenn unsere eigenen Auswanderer in der leidigen Fremde mit dem Maße gemessen werden, das wir selbst an Einwanderer legen, wenn wir sie summarisch mit Hemmungen aller Art belegen. Wir bedürfen des Entgegenkommens, selbst der Ostjuden, meine Herren, die Wage hat sich ein wenig zu unseren Gunsten gehoben; und ich wenigstens lehne die Verantwortung ab für so dumme Eingriffe ins Werden neuer Lebensbeziehungen unserer kranken empfindlichen Wirtschaft.“ 5. Würde man einen Politiker anhören, der so spräche? Würde man ihm beipflichten und glauben? Ich weiß es nicht. Wer Ostjuden kennt, kommt zu folgendem Schlüsse: abgezogen die Anbetung der Gewalt, die unter ihnen vereinzelter ist als anderswo und ganz neu, sind es Menschen wie andere, und bewährter, unverfälschter, zu allem Guten hinreißbar und verführbar zu weniger Schlechtem als die Menschen im Westen. Was man gegen sie auch unternehme, man wisse nur, daß wir es gegen uns getan fühlen und daß wir, nicht nur als Juden, sondern als Deutsche vor allem, uns dagegen nach Kräften wehren werden. Die Liebe zum deutschen Wesen und Geiste, von der am Anfänge die Rede war, hat viele von diesen jungen und alten Ostjuden noch heute nicht verlassen, und wenn die deutsche Politik sich nicht den besten Seiten oder den durchschnittlichen irgend eines Volkstums anpaßt, sondern in böswilliger und gehässiger Ausbeutung augenblicklicher deutscher Notlage (Universitäten sind vorangegangen!) den schlechten und verurteilenswerten Instinkten derer folgt, die sich, um jenes Volkstum zu kennzeichnen, an den niedrigsten Typus halten, den es auf weist, so schadet sie zwar im Augenblick einigen tausend Ostjuden, aber auf die Dauer und ganz tief vor allem dem deutschen Wesen. Die Lüge, der man so schwere Kriegs- und Nachkriegsjahre verdankt, und all ihre üblen Folgen, wäre nicht so gut geglaubt worden, wenn nicht den Deutschen von der chauvinistischen Schule an bis hinauf in die Parlamente und Zeitungen von allen Nachbarvölkern blöde Zerrbilder geboten worden wären, wenn sie nicht auf Frankreich mit „Decadence“, auf England mit „business“, auf Amerika mit „Humbug“ und auf Serbien mit „Läusen“ zu reagieren wohl dressiert worden wären. Nun wohl, auf Ostjuden reagiert man heute mit „Wucher“ und dann wundert man sich, wenn Europa, sachlich unterrichtet, mit tiefem Mißtrauen den Deutschen ansieht, der als ewiger Schuljunge, von keiner Katastrophe belehrbar, statt der Dinge selber Schlagworte seiner verderblichsten und gehässigsten Schulmeister nachschwatzt und befolgt oerfudisn sic b^smyrna«Flamme“ zu 10Pfg. mit StrobmunDItück in eleganter Blecbpackung 5igarettenfabrik Dibolb, Tllfindjcn

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