Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 49 (5.12.1924)
- Date
- 1924-12-05
- Page
- Seite 432 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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432 Das Jüdische Echo Nr. 49 der Presse und durch Plakate aufgefordert wurden, diese Partei zu wählen. Vielleicht habe die Hortnerin es abgelehnt, Mitglied der Bayer. Volkspartei zu werden. St.-R. G r e i n e r (Unabhängiger) warf der Antragstellerin vor, daß sie an der Verzögerung der Anstellung schuld sei, indem sie als Verwaltungsrat den Akt 6 Monate zurückbehalten habe. Das tue dasselbe Fräulein Schultes, das sich bei den Juden für eine Spende für die Johanneskirche in Haidhausen aller untertänigst bedankt habe. St.-R. Weiß (Dem.) stellte zunächst einen Irrtum Jodlbauers dahin richtig, daß in den Horten nicht vorschulpflichtige, sondern schulpflichtige Kinder sind, die dort ihre freie Zeit verbringen. Es ist der ausdrückliche Wunsch der Schulverwaltung, daß die Kinder nicht mit unterrichtlicher Tätigkeit belastet werden, sondern sich erholen. Was das mit Religion zu tun hat, ist nicht recht verständlich, abgesehen von der Erziehung zu anständigem Verhalten. Der ganze Streit erscheint an den Haaren herbeigezogen. Es zeigt aber der Öffentlichkeit, welches die Ziele der christlich nationalen Wahlgemeinschaft und welches die besonderen Ziele der Bayerischen Volkspartei im Hinblick auf das Konkordat sind. Man hat uns Demokraten vorgeworfen, wir hätten uns an dem Wort christlich gestoßen. Nicht nur der Unterricht, auch die gesamte Fürsorgetätigkeit für Erwachsene soll in diesem engherzigen konfessionellen Geist umgestaltet und geleitet werden. Dieser Gesichtspunkt hat uns im Zusammengehen äbgehalten. Für solche Dinge findet ein Vertreter der Nationalliberalen Partei noch Worte der Verteidigung. Bisher habe ich Dr. Jodlbauer als liberal eingestellten Mann gehalten und geglaubt, daß seine Partei stets den Staatsgedanken gegenüber dem kirchlichen Machtgedanken hochzuhalten als ihre höchste Aufgabe und Überlieferung angesehen hat St.-R. Frl. Schultes äußerte sich hierauf, man brauche sich nicht zu wundern, wenn die Regierung gewisse Erziehungsfragen immer mehr dem politisierenden Stadtrat aus der Hand nehme und damit die Selbstverwaltung beschränke. Die Reklamationen zur öffentlichen Sitzung, in der jetzt Wahlreden gehalten würden, stamme von Nußbaum. Der Antrag sollte öffentlich im Schul- Ausschuß behandelt werden; freilich wäre er mit der gleichen Mehrheit abgelehnt worden, wie die Anstellung erfolgte. Die Horte haben Erziehungsarbeit zu leisten, da sie die Familie ersetzen sollen. Die Beschwerde gegen die Anstellung wurde von der Regierung deshalb noch nicht erledigt, weil zwei Anfragen vom Stadtrat nicht beantwortet wurden. Rednerin beantragt die Anstellung zurückzustellen und der Regierung die Anfragen zu beantworten. St.-R. Nuß bäum (Soz.) wies darauf hin, daß bei der nationalen Wahlgemeinschaft die Absicht bestehe, ihre Liste noch mit anderen Listen zu verbinden, und man begreife, warum dieser Antrag der Bayer. Volkspartei jetzt gestellt wurde. Mit Beschämung müsse man sehen, daß im Jahre 1924 noch über solche konfessionelle Intoleranz debattiert werde. Kein Mensch wird es Frl. Schultes glauben, daß sie heute noch gegen die Hortnerin Bedenken haben kann, nachdem diese 5 Jahre einwandfrei tätig war und sich keine Beschwerde gegen sie erhob. Frl. Schultes hat alles versucht, um die Anstellung dieser Hortnerin zu vereiteln. Wenn Frl. Schultes auch nur eine Elternstimme gegen die Hortnerin hätte anführen können, hätte sie es mit Wollust getan! Das Verhalten des Frl. Schultes war eine Pflichtverletzung. Der Antrag der Bayer. Volkspartei verletzt aber auch die Reichsverfassung, die die staatsbürgerlichen Rechte gegenüber der Religion ebenso sicherstellt, wie die unbehinderte Religionsausübung, was auf dem Münchener Katholikentag Universitätsprofessor Bayerle ausdrücklich anerkannt hat. Es war eine Anmaßung von Frl. Schultes, zu sagen, sie vertrete die Interessen der Eltern, die 5 Jahre mit dieser Hortnerin zufrieden waren. Die Bayer. Volkspartei will anscheinend ohne allen Grund einen Kulturkampf vom Zaune brechen. Wer den Zweck dieses Antrages durchschaut, bekommt einen Begriff, wie es im Münchener Volksschulwesen bald ausschauen würde, wenn die Bayer. Volkspartei und ihre Mitläufer die Oberhand bekämen. Nach weiteren Auseinandersetzungen, welch sich in parteipolitischen Wegen verliefen, wurde der Antrag der Bayer. Volkspartei abgelehnt. Bürgermeister Schmidt stellte fest, daß die etatmäßige Anstellung der israelitischen Hortnerin bereits erfolgt sei und daß es mit dem gemeindlichen Selbstverwaltungsrecht nicht vereinbar wäre, dagegen Beschwerde zur Regierung zu ergreifen. Wir haben in Anbetracht der Zeitverhältnisse die Ausführungen im Stadtrat eingehend dargelegt. Es dürfte den Wählern nicht schwer fallen, ihre Entscheidung zu treffen. Jvri. Ostjudenfrage und Politik Von Arnold Zweig (Fortsetzung.) Und nun ermesse man, was geschehen mußte, um diese Bevölkerung innerhalb dreier Wochen zu ernüchtern, zu enttäuschen, zu verstören und bis zur Resignation durch alle Stadien der Empörung zu jagen. Trotz des redlichen Versuches der Verwaltung, die Bevölkerung zu gewinnen und zu behandeln, trotz einer gewissen Anzahl wohlwollender und einsichtiger Funktionäre ging durch die Ausführung aller Maßnahmen im besetzten Gebiet ein so stupider und brutaler Antisemitismus, daß selbst Exzellenzen bekennen mußten: „Gegen den Feldwebel bin ich machtlos Schönheit Privaiklinik illr Kosmetik ö. kosmetische Chirurgie ist MachtI München, Leopoldstrafie 71 Telefon-Ruf 33516 Schmerzlose, operative Beseitigung von Doppelkinn, HMngewaneen. entstellenden Hautfalten,Hängebrust. — Keine Paraftininjektionen. — Nasenkorrekturen. Erfolg wird garantiert. Heilung sümtlicher Hautleiden und Haarleiden. Blutreinigungskuren. 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