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Das jüdische Echo · 1924-11-28 · 48 (28.11.1924) · p. Seite 422

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
48 (28.11.1924)
Date
1924-11-28
Page
Seite 422 (sequence 10)
Language
German
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422 Das Jüdische Echo Nr, 48 Der Geburtenrückgang unter den deutschen Juden Auf der diesjährigen; Mitgliederversammlung: des Isn. Lehrervereins, für Bayern hielt S<erhifnaroberlehrer iStolI-^Würzburg ein Referat über Notwendigkeit und Aufgaben des Wiederaufbaus im deutschen Judentum und führte u. a. aus: „Der religiöse Zusammenbruch des deutschen Judentums offenbart sich in seiner vollen Wucht in der Erscheinung des starken Gebur-» tenrückganges. Wohl sind es auch die wirt-, Bchaftlichen (Verhältnisse, welche die Neigung zur Beschränkung der Kinderzahl begünstigen* aber jn seinem, Kerne ist der Geburtenrückgang ein Willenspnd damft ein religiöses Problem. Dem Aufsätze Dingfelders über den Untergang der jüdischen Volksschulen in Bayern entnehmen, wir, daß die Zahl der jüdischen Volksschüler in: München und im letzten Jahrzehnt von 780 auf 250 herabgesunken ist; für Würzburg dürfte sich in der gleichen Zeit eine Abnahme von ’50 Prozent ergeben. Und wie sieht es in den Dorfgemeinden aus? (Als ich in den achtziger Jahren die jüdische Volksschule meines Heimatdorfes besuchte, schickten 22 Familien 24 Kinder 'zur Schule; heute hat dieselbe Gemeinde bei 11 Famtilien .zwei Schulkinder. Im Distrikt Würzburg brauchen zwei benachbarte Gemeinden mit 26 Famälien keinen Lehrer mehr, weil kein Schulkind da ist Das ist der Untergang in physischer und religiös-geistiger Hinsicht.“ Jüdischer Gottesdienst im Radio Frankfurt a, M. (I.T.A.) Die neologe Jüdische Synagogengemeinde in Frankfurt a. M. hat am letzten Sonntag morgen zum ersten Mal einen Gottesdienst mit Radio abgehalten, in dem Herr Rabbiner Dr. Cäsar Seligmann eine Predigt «lieft!. Der Frankfurter „Israelit” wendet sich gegen „die Schaustellung jüdischer Kultusübun-i gen, in der weiten, ganz und gar unkontrollierbaren Öffentlichkeit des über alle Gassen und Gäßchen. sich erstreckenden Radionetzes“. 11 500 Chaluzim reisefertig Jerusalem (P.C.). Laut einem Bericht der Hechaluz-Weltorganisation, Berlin, an die palästinensische Zionistische Exekutive befinden sich In Europa etwa 12 000 Chaluzim, die in verschiedenen für Palästina erforderlichen Arbeiten ausgebildet sind und auf die Gelegenheit warten, sobald als möglich nach Palästina aufzubrechenl.. Diese Information erfolgte nach der Danziger Konferenz der Hechaluzbewegung, bei der Herr Josef Sprinzack, Vertreter der Arbeiter in (der palästinensischen Zionistischen Exe'- kutive, anwesend war. Der Bericht führt u. a. folgendes aus: „Diese Konferenz hat viel Licht auf die Arbeitssituation geworfen und das wunderbare Wachstum der Hechaluzbewegung während des letzten Jahres und ihre Möglichkeiten für die kommenden Jahre über jeden Zweifel hinaus bewiesen. Im allgemeinen können wir Ihnen mitteilen, daß die Zahl der Mitglieder der Hechaluzorganisationen 9151 beträgt, wozu noch 2 400 Jugendliche unter 18 Jahren, Mitglieder der Hechaluz-Jugendorganisationen hinzukommen. Eine beträchtliche Anzahl von rZweigorganisationen, (besonders in Rußland, hatten keine Gelegenheit, (unsere Umfrage zu beantworten. Ungefähr 2000 Mitglieder machen augenblicklich eine Lehre in genossenschaftlichen Siedlungen in Dorf und Stadt durch, abgesehen von weiteren 2000, die in den Firmen der Hechaluz-Organisation arbeiten. muß hinzugefügt werden, daß die Hälfte dieser Arbeiter im Alter zwischen 18 und 19 Jahren ist, also für die Immigration im nächsten Jahre nicht in Betracht kommt, daß ihre Forderungen an die Organisation in bezug aut ihre Ausbildung aber sehr groß sind.” Bei der letzten Sitzung des Aktionskomitees yvurde beschlossen, 2000 Pfund Sterling aus den Mitteln des Keren Hajesslod für die Ausbildung von (Chaluzim zu bewilligen. Vom Keren Haiessod 26 000 Pfund Sterling für den Keren Hajessod im Oktober London (J.T.A.). Wie das Keren Hajessiod- Hauptbüro mitteilt, wurde im Oktober für den Keren Hajessod die Summe von 36 017 Pfund aufgebracht. Das durchschnittliche Einkommen der letzten drei Monate betrug ungefähr 36 000 Pfund. Im Oktober vorigen Jahres waren 19 000 Pfund eingegangen. An der Spitze stehen die Vereinigten Staaten mit 21 310 Pfund., d. s. fast zwei Drittel des Gesamtbetrages. Dann kommt Argentinien mit 3 500, Südafrika mit 3 005. Aus England wurde keine Summe abgeführt. Feuilleton Skizzen aus dem neuen Palästina Eindrücke eines amerikanischen Touristen. Von Dr. Joseph S i 1 v e r m a n, früherer Rabbiner des Tempels Emanu-El, New York. Rabbi Silverman, einer der bedeutendsten Reformrabbiner und Kanzelredner Amerikas, der in den letzten Jahren einer der wärmsten Freunde unseres Aufbauwerkes und des Keren Hajessod geworden ist, hat nach seinem Besuch in Palästina in einer Reihe von kurzen Skizzen seine Eindrücke aus dem „Gelobten Lande“ geschildert. Wir geben in dieser und den nächsten Nummern der Ziko diese wirkungsvollen Schilderungen in deutscher Übersetzung wieder. 1. Ein neuer Auszug aus Ägypten. Das alte Israel wanderte einst von Ägypten in der Richtung des Gelobten Landes. Ich aber reiste nicht wie meine Vorfahren, nicht vierzig Jahre lang durch brennende Wüste, sondern in einer einzigen Nacht am Gestade des Mittelländischen Meeres entlang, dessen Brandung sidh mit dem Geräusch der Eisenbahnräder vermischte. Ich reiste in einem luxuriösen Schlafwagen und mit der Geschwindigkeit des Windes von Alexandrien nach Jerusalem. Einen großen Teil der Nacht verbrachte ich wachend, überwältigt von dem Gefühl der Seltsamkeit all dessen, was ich erlebte. Der Gott Israels hatte mich Jahrhundertelang umhergewirbelt und nun wirbelte er mich wieder in die Heimat. Welches geheimnisvolle Schicksal wirkte er durch mich aus? Ich fühlte 3000 Jahre Geschichte auf meiner Seele lasten. Würde ich das Heimatland, über das so viel geschrieben und gesprochen worden ist, nun erfüllt von verheißungsvollen Anfängen finden oder nur als eine Fata Morgana und ein Blendwerk, wie es die Fiebervision dem durstigen Wanderer in der Wüste vorzaubert? Am frühen Morgen fuhr mein Zug donnernd in Ludd ein. Durch das Fenster sah ich eine Gruppe

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