Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 48 (28.11.1924)
- Date
- 1924-11-28
- Page
- Seite 418 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Ecfeo Nr. 48 der Weg, den Wir durch diese fürchterliche Gegenwart gehen. ‘3. Die Ostjuden »sind eine in jedem Sinne praktisch schwächere Gemeinschaft als die deutsche Republik. An der Haltung eines Schwachen gegen den Schwächeren erkennt man untrüglich seine geistige Struktur; ob er der Gerechtigkeit Seiber fähig sei;, die er beständig anrufen muß, hier entscheidet es sich. Ob er die innere Wandlung wirklich erlebt hat, die er von sich bezeugt, hieran erkennt man es und man richtet sich im Vertrauen und Mißtrauen darnach ein tmit vollem Recht. Nichts hat dem neuen polnischen Staate mehr geschadet, als die Judenmetzeleien, mit denen er seine neue Freiheit einleitete und befleckte; die Probe an dem Schwächeren ist untrüglich. , Da das Politische ein Ausdruck öffentlicher Sittlichkeit ist, müßte hier an diese Wahrheiten — Binsenwahrheiten wie bekannt — erinnert werden, damit man sich jetzt um so unabgelenkter der Gegenüberstellung widmen könne, die in der Überschrift ausgedrückt ist. Hat man (den begeisterten und leidenschaftlich frohen Empfang schon vergessen, den die ostjüdischen Städte und Städtchen den deutschen Eroberern im Jahre 1914 und 1915 bereiteten? Er galt nicht den „Befreiern vom russischen Joch”, sondern der deutschen Kultur. Die zarische Politik der Bülowschen Aera hatte nicht vermocht, dem ostjüdischen Volke die Gleichsetzung: Deutscher Geist gleich Lessings und Schillers Geist, auszutreiben. Mit der erschütternden und erhabenen Unverdorbenheit, mit der diese Menschenart die Führerschaft des Dichters in seinem Sprachbezirk — die Repräsentation des deutschen Volkes durch seine klassischen Dichter — anschaut, mit der strengen und gesicherten Tradition, mit der sie Anschauungen über Generationen hin vererbt, mit der tiefen, dankbaren Treue, die sie mit allem verbindet, was an Güte und Gerechtigkeit zu ihr hinüber scholl: in dieser Haltung empfing der ostjüdische Geist den deutschen Geist — empfing in Gestalt des Weltkriegssoldaten das repräsentative deutsche Jahrhundert von Lessing bis Nietzsche. Niemals sind besetzte Gebiete argloser und vertrauender einem Besetzer entgegengekommen: vertrauend in seine sanitären /Maßnahmen, seine Rechtspflege, GASTSTÄTTEN PBBYSOfG PALAIi Der vornehme Aufenthalt bei massigsten Preisen Menu Mk. 3.— u. 4.— Tischbestellung: Teleton 25 8 97 seine Umgangszivilisation, seine wirtschaftlichen Anordnungen, sein Verständnis für Fremdes, seine Achtung davor. Niemals war die Gelegenheit besser, durch ein Quäntchen Menschlichkeit und Menschenkennrnis die Brücke, die durch die sprachliche Verwandtschaft des Neuhochdeutschen und des Jüdischen in der mündlichen Verständigung geschlagen war, ins Seelische zu verlegn. Moralische Eroberungen — hier waren sie nicht zu machen, nur zu ernten, nur zu wollen. Ich kenne viele nichtjüdische Soldaten, Männer aller Bildungsstufen, vom jungen Leutnant bis hinauf zum bejahrten Landsturmmann, die mir dies alles bezeugen werden, die im Umgang mit den Ostjuden wieder das Staunen vor dem Menschen gelernt haben, das sie im Graben und in der Feuerzone vorher zu verlernen, Gelegenheit hatten. (Fortsetzung folgt.) O Aguda! In Nr. 18 ‘des „Israelit” vom 30. Oktober d. Js., die 'mir erst jetzt zu Gesucht kommt, regt sich ein braver Aguda-Knabe über meinen Aufsatz „Unsere Chaluzim” im Echo vom 19. September auf. Hätte 'der Jüngling mit auch nur einem Teil jener Geistesschärfe, die er gewiß täglich dem Talmudstudium widmet, meinen Aufsatz gelesen, so würde er entdeckt haben, daß ich jenen Zustand ständiger Spannung zwischen Eltern und Kindern, den ich zu erklären versuchte, nicht verherrlicht habe und zu verewigen wünsche, sondern im geraden Gegenteil schmerzlich bedauere. Die Schuld schiebe ich allerdings, selbst Vater zweier Kinder, in der Hauptsache den Eltern zu, die an der überwundenen Autoritätsforderung festhalten und verlangen, daß ein Kalb schon ein Ochse sei. Daß mein Hinweis sich nur auf die schmerzlichen Konflikte zwischen geistig selbständigen Kindern und ihren Eltern bezog, mag jenem braven Aguda-Knaben freilich auch jentgangen sein. Mehr zu erwidern, (lohnt nicht. Dr. Bruno Kirchner (Benjamin ben Meir). Mandatskommission über Palästina Die Mandatskommission des Völkerbundes hat •einen Bericht erstattet. (Bekanntlich fand die Verhandlung über (das Palästinamandat in Anwesenheit Sir Herbert Samuels statt.) Bei der Besprechung der Verwaltung Palästinas im Zusammenhang mit dem ersten von der Mandatartnacht seit dem Inkrafttreten des Mandates vorgelegten Jahresbericht sah sich die Kommission vor eine neue Situation gestellt. Denn während alle anderen Mandate, deren Anwendung die Kommission bisher zu prüfen hatte, nur die allgemeinen Prinzipien des Artikels 22 des Völkerbund-Covenant zu verwirklichen haben, ist das Palästina-Mandat von einer komplizierteren Natur. Wie ausdrücklich in der Präambel des Mandates festgestellt wird, hatte der Völkerbundsrat bei der Abfassung des Mandates den Wunsch, auch tipn lPlan der Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina gemäß der historischen Deklaration vom 2. November 1'917, mit welcher Lord Balfours Name verbunden ist und der die Alliierten Hauptmächte zustiimmen, zu verwirklichen. Da diesies Manidat notwendigerweise die Doppelnatur seiner Entstehung verrät, und da seine Anwendung Klagen hervorgerufen hat seitens Personen, die ihre Sache auf eines von diesen beiden Prini-