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Das jüdische Echo · 1924-11-28 · 48 (28.11.1924) · p. Seite 417

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
48 (28.11.1924)
Date
1924-11-28
Page
Seite 417 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 48 Das indische Echo fechte Juden heranbilden? Unsere Lehrer, selbst aut streng jüdisch-gläubigem Standpunkte stehend, lehren unsere Kinder die Grundlagen jüdischen Glaubens mit tiefstem Ernste, sich dabei wohl bewußt bleibend, daß sie auch Kinder aus Familien in ihren Reihen haben, in welchen die Bestätigung des Glaubenstinhaltes nicht immer in den althergebrachten Formen erfolgt und daß sie vermeiden müssen, Zwiespalt in die jungen Seelen zu senken. Der Lehrer kann feinfühligen und taktvollen Eltern freierer Richtung die Möglichkeit offen lassen, das Kind über den religiösen Gewissenskonflikt hinüberzubringen. Für jene Kinder /aber, deren Eltern -an den Religionsunterricht höhere Anforderungen stellen, welchen im Rahmen des vorgeschriebenen Lehrplanes nicht genügt werden kann, ist ein Zusatzunterricht geschaffen, ähnlich dem fakultativen Unterricht an den Mittelschulen. In diesem Unterrichte wird auch den weitgehendsten Anforderungen an religiöse Erziehung im Sinne des „Ohel jakob” Sorge getragen. Freilich, die jüdische Volksschule hat einen Mangel. Sie äst Stückwerk, so lange sich nicht eilne jüdische Mittelschule auf sie aufbaut. Die größte Schwierigkeit bei Gründung einer jüdischen Mittelschule für Knaben besteht darin, daß in München zwei Hochschulen bestehen, auf welche zweierlei sechsklassige und dreierlei neunklassige Mittelschulen vorbereiten. Außerdem soll dem Mittelschüler die kaufmännische Laufbahn in der Mittelschule erschlossen werden. Wie soll nun der Lehrplan der jüdischen Mittelschule beschaffen sein? Gegenüber dieser Frage treten die anderen, Bezahlung der Lehrkräfte (der Fachunterricht erfordert viel mehr Lehrer als der Elementarunterricht), Dekkung des Sachbedarfs (Räume und Sammlungen für den naturwissenschaftlichen, Zeichen- und Mathematikunterricht erfordern hohe Ausgaben) zurück. Dagegen dürfte die Gründung einer höheren Mädchenschule mit dem Ziele neusprachlicher und hauswirtschaftlicher Ausbildung Aussicht auf Erfolg haben und ohne allzugroße Schwierigkeiten durchzuführen sein. Diese Schule soll unsere nächste Sorge sein, sobald unsere Volksschule die Unterlage für den Aufbau zu liefern in der Lage ist. Felix Feuchtwan ge r. Ostjudenfrage und Politik (Von Arnold Zweig. 1. Am 17. August 1898 berichtet der alte Fontane in einem) Briefe aus Karlsbad beiläufig von einer Bemerkung Professor Lassons, der ihm mal zwischen Berlin und Stegliftz sagte: „Ein wirkliches Interesse für deutsche Literatur hat nur die Karl-Emil-'Franzos-Gegend”. Ach, er hatte recht”, setzt der Dichter der fritzischen Helden und märkischen Edelleute hinzu; und als Ich vor kurzem diese Stelle las, fielen mir rasch hintereinander die zwei kleinen Fakta ein, die ich — der Leser suche sich den Zusammenhang — hierherzusetzen gelaunt bin. Einer der begabtesten Dichter neuhebräischer Prosa, Agnon, erzählte mir einmal, bis zu seinem 12. Jahre habe er in seinem galizigchen Städtchen geglaubt, es werde auf der ganzen Erde nur deutsch geschrieben; »man spreche zwar allerhand Sprachen, geschrieben und gedruckt aber werde von Nichtjuden nur deutsch, und es bereitete ihm keine geringe Erschütterung, als er erfuhr, es gebe einen jüdischen Schriftsteller, namens Zaqgwill, der /schreibe englistch. Dies das eine Geschichtchen. Das andere spielte in einer süddeutschen Universjität. Dort fragte ich einen jungen ostjüdischen Studenten, ob er wisse, daß auf einem .Friedhof der Stadt sich das Grab Hölderlins ibefinden müsse und ob er mit mir kommen wolle, es aufzusuchen; der Friedhof sei so verwildert und das Grab nicht gekennzeichnet und ungepflegt. Der junge Mann aber (meinte, es sei jetzt leicht zu finden, zwei seiner Frejunde, die ich wohl kannte, Galfeier gleich ihm, hatten es vom Wächter des Friedhofs sich zeigen lassen und unter Aufwendung einigen Geldes dafür gesorgt, daß es instand gebracht und gehalten werde, wie es dem tragi-1 sehen Genius angemessen sei, der darin ruhe. Als ich fchn nach den beiden fragte, lächelte er ein bißchen Lund meinte, die seien, als vom nächsten Semester an ausgewiesen, bereits abgereist. Da nun das wohlerhaltene Geburtshaus Hölderlins, den wir für einen einzigen deutschen Genius halten, im Jahre 1919 von seinem Besitzer, einem schwäbischen Weingärtner, prak- (tifscherweise abgebrochen worden war, um einer Kalter Platz zu machen, freute sich mein sentimentales Gemüt, idaß teun wenigstens dieses Grab, dank der Liebe zweier Galizianer, bemerkbar bleiben werde. 2. Es erscheint nunmehr geboten, den gemütlichen Tonfall der Anekdote aufzugeben und stramm zum Thema zu schreiben, mit einleuchtender Deutlichkeit und ohne doppelten Boden) zu einem 'Thema, welches der deutschen Politik angehört — der äußeren wie der inneren. Der äußeren? Sprechen wir von ihr. Alle Akte eines Volkstums, die über seine politischen Grenzen hinauswirken, sind Akte der äußeren Politik. Sie beeinflussen entscheidend das Bild,; das ein Volk von außen gesehen bietet, und: auf das allein sich das Werturteil der. MilU Völker ugrimd.etj dieses moralische Phänomen*' über aas," tue „Realpolitiker” sich so lange mokierten, a(s es sie nicht erschlagen hatte. * Die Gesinnung der Abendländer gegen ein Volk ihrer Gemeinschaft ist eine Wirklichkeit ersten ' Ranges; so fällt jedes symptomatische Geschehen innerhalb eines Staates zugleich mit Notwendigkeit, als dem europäischen Urteil unterbreitet, in jene außenpolitische Sphäre. Und wfehe, wenn man nun daraus sofort eine „praktisch-politi-1 >■ sehe Maxime” ableiten, das heißt, seine, inneren. Akte nach dem Eindruck einrichten wollte, den ’ sie nach außen machen. Denn jede mit dem Schiein nach jener Öffentlichkeit gefälschte Handlung ist sofort eine vergebens getane Handlung. Europa ist nicht dumm genug, sich etwas vörmachen zu lassen, ohne kühl zu registrieren, daß jemand Eindruck schinden wolle; was den Eindruck bekanntlich ins Gegenteil wendet. Es kommt alles darauf an, frei und aus der Gesinnung des nationalen Wesens heraus zu handeln und das Urteil der Welt als Folige zu tragen. Urteil tund praktische Folgerung daraus, die eine Einheit sind. Auf jede Äußerung der deutschen Republik, die eine Gesinnung des jungen Staates ausspricht, wie auf jede Tat eines seiner Teilstaaten, ist die europäische Öffentlichkeit heute aufmerksam, denn von dieser Gesinnung hängt die Haltung ab, die sie gegen uns einzunehmen gewillt ist, und von dieser Haltung IfUSMI-TEE | Feinste echt russische Teentarke Gen.-Vertrat.: Dr. ETTINGER, MÜNCHEN I _Aqnesgtpaaae 47« Telefon 31 7 9S

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