Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 47 (21.11.1924)
- Date
- 1924-11-21
- Page
- Seite 405 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47 Das jüdische Echo 405 Neue Industrien in Palästina Während des Monats September nahm ein Wiener Fabrikant den Bau einer großen Seidenweberei in Angriff, wozu er von der Regierung eine Bodenfläche von 10 Dunam in Pacht erhielt. Er gedenkt, bis zu £ 30 000 in dieses Unternehmen zu stecken. Die Fabrik, welcher sich eine Färberei und Appreturanlage anschließen soll, wird die erste ihrer Art im Nahen Osten sein und wird etwa 60 Arbeiter bei der Fabrikation von der billigsten bis zur feinsten Seide beschäftigen. Der Besitzer der großen Lodzer Textilfabrik in Tel Awiw hat gleichfalls beschlossen, seine Fabrik zu vergrößern und ihr eine Färberei-, Bleicherei-, Appretur- und Spinnereianlage anzugliedern. Die nötigen Maschinen für diese Abteilungen sind bereits eingetroffen und werden in besonderen Gebäuden aufgestellt. General Weygand in Jerusalem Jerusalem (J.T.A.). General Weygand, der französische Oberkommissar für Syrien, traf am 12. November nachmittags zu einem offiziellen Besuch in Jerusalem ein. Am Abend desselben Tages fand zu Ehren General Weygands im Regierungsgebäude ein öffentlicher Empfang statt. Er wird sich in Palästina eine Woche lang aufhalten und ist während dieser Zeit Gast des Oberkommissars Sir Herbert Samuel. Neue industrielle Pläne Die Begründer der Lodzia-Weberei in Tel Awiw, die Gebr. Rosenberg aus Lodz, haben zwecks Förderung der Textilindustrie in Palästina den Plan der Gründung einer neuen Stadt in Palästina entworfen, die Sitz der dortigen Textilindustrie werden soll. Vor allem soll eine kooperative Textilfabrik gegründet werden, die mehreren 100 Leuten Beschäftigung gibt und den Ausbau der Textilindustrie in die Wege leiten soll. England Der neue Unterstaatssekretär für die Kolonien London (J.T.A.). Major William George Arthur Ormbsy-Gore, der sich gegenwärtig in Ostafrika befindet, hat dem Premierminister Baldwin telegraphisch mitgeteilt, daß er das ihm angebotene Amt eines Unterstaatssekretärs für das Kolonialamt annimmt. Herr Ormsby-Gore, der älteste Sohn und Erbe Lord Halech’s, war schon in der letzten konservativen Regierung unter Baldwin Unterstaatssekretär für die Kolonien. Er gilt als eine Autorität in den Fragen Palästinas und der arabischen Halbinsel. Schon im Jahre 1918 war er politischer Assistent der Militärmacht in Palästina. 1919 war er Mitglied der britischen Delegation für die Friedenskonferenz, Sektion Mittlerer Osten. Er war auch der offizielle britische Repräsentant bei der ständigen Mandatskommission des Völkerbundes. Polen Die Lage in Polen In der Haltung der Regierung der jüdischen Minderheit gegenüber hat keine wesentliche Veränderung stattgefunden. Die aus der Zarenzeit stammende Gesetzgebung gegen die Juden ist formell nicht zurückgezogen worden. Zehntausenden Juden werden hinsichtlich ihrer Anerkennung als Bürger Schwierigkeiten gemacht. Die jüdischen Schulen erhalten entgegen den Bestimmungen des Minderheitsvertrages keine offiziellen Subsidien. Jüdische Studenten werden den Universitäten ferngehalten. Polen versucht mit allen Mitteln, sich den aus den Verträgen ihm obliegenden Verpflichtungen betreffs der bürgerlichen und politischen Gleichstellung der Juden zu entziehen. Die Lage der Juden wird auch durch die innere Uneinigkeit beeinträchtigt. Folkisten, Zionisten, Agudisten, Assimilatoren gehen getrennt vor, statt daß sie eine einzige Front bilden. Die Arbeit der jüdischen Deputierten und Senatoren wird durch Innere Spaltungen einander bekämpfender Gruppen unwirksam gemacht. Darin liegt die Ursache ihres Unvermögens, die Achtung der Rechte, die die Verträge der jüdischen Bevölkerung garantieren, durch das Parlament zu erwirken. Rumänien Die Internationale des Hakenkreuzes Bukarest (J.T.A.). Die in Konstanza erscheinende Zeitung „Dacia“ teilt mit: Die Ortspolizei habe im Verlauf der Untersuchung gegen die in die antisemitische Mordaffäre verwickelten Personen drei aus Deutschland stammende Hakenkreuzler verhaftet. Es sind dies die Berliner Albert Emke, Rudolf Emke und Josef Henrich. Man fand bei ihnen viel antisemitische Propaganda- Literatur in deutscher, bulgarischer und rumänischer Sprache. Sie sollen nach Beendigung der Untersuchung ausgewiesen werden. Ungarn Das Ende einer tragikomischen Prügelaffäre Budapest (J.T.A.). Wie erinnerlich, wurde vor einigen Monaten in Budapest der nachts auf dem Heimwege begriffene nicht gerade Juden- "RbuThallmcüer München ffiectiinartelö*. 5loser Obmallanja.