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Das jüdische Echo · 1924-11-21 · 47 (21.11.1924) · p. Seite 406

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
47 (21.11.1924)
Date
1924-11-21
Page
Seite 406 (sequence 10)
Language
German
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406 Das JMtscke Ecko Nr. 47 freundliche Staatsanwalt Dr. Karacsenyi von dein Wachmann Josef Toth, der ihn für einen Juden hielt, schwer mißhandelt. Als sich Karacsenyi als Staatsanwalt legitimierte, wurde er von Toth erst recht grausam verprügelt und zudem noch zur Polizeiwache geschleppt, unter der Beschuldigung, daß er, „ein schäbiger Jude“, eine falsche Staatsanwalts-Legitimation bei sich trage. In einer am 8. November stattgefundenen Verhandlung verurteilte der Budapester Strafgerichtshof Toth zu drei Jahren Zuchthaus. Österreich Die Wahlen in die Wiener Jüdische Gemeinde Bei der am 9. November durchgeführten Wahl in die Wiener Kultusgemeinde erhielt die vereinigte Liste der Zionisten, Union der österreichischen Juden und der Agudah 28, die sozialistische Vereinigung 5, der religiöse Block (Misrachi) 2 und die Achduth 1 Mandat. Da auf der Einheitsliste 10 Zionisten gewählt sind, wird deren Zahl in die Wiener Gemeinde, einschließlich der Misrachisten, 12 betragen. Die Agudah hat drei Mandate. (Ziko.) Polen Zionistische Massendemonstration Warschau (J.T.A.). Aus Anlaß der siebenten Wiederkehr der Balfour-Deklaration und als Einleitung zur Keren Hajessod-Kampagne fand am Sonntag, den 9. November, in Warschau eine öffentliche Kundgebung statt, die die imposanteste war, die je von Juden in Polen veranstaltet worden war. Schätzungsweise beteiligten sich ungefähr 100 000 Personen an der Kundgebung, die trotz dieser gewaltigen Massen in vollster Ordnung und Disziplin vor sich ging. Unzählige Häuser im jüdischen Viertel bängten nationale Fahnen aus, ebenso Bilder von Lord Balfour, Dr. Herzl, Dr. Weizmann, Nahum Sokolow und dem polnischen Staatspräsidenten Woiciechowsky. Die jüdischen Jugendorganisationen sorgten für die Aufrechterhaltung der Ordnung. Die einzelnen Gruppen marschierten mit Fahnen und Transparenten, auf welchen die folgenden Losungen zu sehen waren: „Es lebe das arbeitende Palästina“, „Das jüdische Land für das jüdische Volk“, „Die Balfour-Deklaration ist die Form, der Keren Hajessod — der Inhalt“. An der Spitze des Zuges schritten die Mitglieder des Zionistischen Zentralkomitees in Polen, die Direktoriumsmitglieder des Keren Hajessod und des Nationalfonds, die Mitglieder des Klubs der zionistischen Deputierten und Senatoren, des Nationalrats und Vertreter von mehr als hundert jüdischen Körperschaften und Institutionen. Der Vorbeimarsch dauerte iyA Stunden und machte auf alle Zuschauer einen gewaltigen Eindruck. Am Muranow-Platz, dem Hauptpunkt der Kundgebung, wurden Ansprachen gehalten. Sodann löste sich der Zug in Ordnung auf. ■Hi HB [i il Kill II! Feuilleton [ i) II 1111 I Iffllüli! um Weizmann in Palästina Zu Rosch-Haschanah kam Weizmann nach Palästina, nach zwei Jahren wieder zu einem kurzen Aufenthalt. Natürlich, daß ihm große Huldigungen dargebracht wurden, natürlich, daß er sehr viel reden mußte, wie alle gekrönten und ungekrönten Herrscher. Am Abend nach seiner Ankunft in Tel Awiw „demonstrierte“ vor seinem Hause eine zu vielen Hunderten zählende Arbeitermasse, nahm ihn in ihre Mitte und er mußte mit seinen Arbeitern Horrah, den landesüblichen Rundtanz aller Freudentage, tanzen. Mit dem Auto von Jaffa kommend, bog er kurz vor Jerusalem ab nach der neuen, schönen „VillenVorstadt“ Beth-Hakerem, die jüdische Hände einige Kilometer draußen in den nackten judäischen Steinbergen erbaut haben, und wurde dort von verschiedenen Jerusalemer Repräsentanten begrüßt. Nach den Feiertagen fuhr er ins Emek, um das große Siedlungswerk, das in diesen zwei Jahren entstand, zu sehen. Auch dort ward ihm überall freudiger Empfang. Ueber all ähnlich: Reiter, die ihm entgegenritten und ihn fortbegleiteten, Kinder, die ihm Blumen reichten, geschmückte Pforten.Aber Weizmann fuhr nicht durchs Land, um Huldigungen zu empfangen, er kam zu sehen, zu lernen und verbrachte die Zeit in den wichtigsten Kwuzoth in ernsten, langen Besprechungen mit den Menschen, die den bedeutendsten Teil des Palästinaaufbaus leisten. Zurückgekehrt nach Jerusalem sprach er in einer großen Versammlung über seine Eindrücke, die befriedigend waren. Er war erfreut zu sehen, daß heute der Boden nicht mehr wegen der „Idee“ gepflügt wird, sondern nur um des Ertrages willen. Er betonte, im Hinblick auf die starke Zunahme der städtischen Einwanderung in letzter Zeit, daß wenn auch Jerusalem, Jaffa, Haifa jüdische Bevölkerung hätten, wir doch noch nicht im Lande seßhaft wären. In bewußtem Gegensatz zu den „Huldigungsreden“, die man ihm hielt, sprach ihm der Arbeiterführer, der droben auf der Tribüne neben den andern in seiner schwarzen Bluse saß, in schlichten Worten, in denen er ihn als den „Unternehmer“ charakterisierte, das Vertrauen der Arbeiterschaft aus. Kurz vor der Abreise weihte Weizmann noch die neue Abteilung der Nationalbibliothek, in der die große Bibliothek des verstorbenen berühmten ungarisch-jüdischen Semitologen Prof. Goldzieher untergebracht wurde, ein. Viele arabische Gelehrte und Intellektuelle waren anwesend. Er betonte, daß diese Bibliothek, die ja wirklich das Fundament semitologischer Forschungsarbeit zu geben vermag, beiden Völkern gemeinsam gehöre zum Dienst an der Wahrheit. Weizmanns Besuch stand unter dem Zeichen des Vertrauens in seine Führung und des unter Schwierigkeiten, aber stetig fortschreitenden Wachstums der jüdischen Position im Lande. Dr. Max Buchmann. MoltHMen % A » w* a W a ▲ wa W. a ar m m * ir-i. B-k. mm

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