Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 47 (21.11.1924)
- Date
- 1924-11-21
- Page
- Seite 402 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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402 Nr. 47 Das Jüdische Echo schaftlich besprochen, sie beanspruchen das größte Interesse unserer in Palästina mit der Realität ringenden Menschen. Dies waren ungefähr in Kürze die Grundzüge. Mögen es Agudisten oder Brudisten, Sozialisten oder Nationalisten sein, alle müssen die gewaltige Schöpfung in unserem Lande, diesen selbstverständlichen Heroismus unserer Chaluzim als eine entscheidende Tat anerkennen. Diese Chausseearbeiter, Maurer und Bauern bilden die Elite des Judentums und und adeln mit ihrer Leistung das ganze jüdische Volk. Ramsay Macdonald spricht von ihnen: „Ich habe sie bei Steinhaufen hocken sehen, die sie zum Wegebau brechen mußten, ich habe gesehen, wie sie mit rauhen Händen, in zerrissenen Arbeitskleidern, schlammbespritzt auf dem Felde arbeiteten — und sie waren glücklich.“ Und wir Juden des Golus? Können wir uns nicht trennen von den „Fleischtöpfen Egyptens“, oder fühlen wir uns glücklich in der vergifteten Atmosphäre der widerwärtigsten Verleumdung und des tödlichsten Hasses? Viele von uns, die nicht ein karges Auskommen daran hindert, in unserem Vaterlande unter freien Brüdern ein freier Mensch zu sein, müßten bei diesen Gedanken tief erröten vor Scham. E. H. Druckfehlerberichtigung In dem Artikel Moritz Lazarus No. 46 des J. E. Seite 384, Spalte 2, Zeile 23 von oben soll es heißen, .... daß Lazarus die wahrhaft repiäsentative Persönlichkeit für das deutsche Judentum seiner Zeit durch Charakter, Befähigung und Beziehungen gewesen ist. Aus der Jüdischen Welt Deutschland Die Wahlen zum preußischen Landtag Berlin (J.T.A.). Die „Jüdische Volkspartei“ erläßt den folgenden Aufruf: Die jüdische Volkspartei ist begründet auf der Überzeugung von der Einheit des Judentums in aller Welt. Sie lehnt daher alle Bestrebungen ab, die das Judentum in landeskirchliche, von den Staatsgrenzen beschränkte, einzelne Gemeinschaften zerreißen wollen. Sie verlangt, daß über den Kreis der rein religiösen Tätigkeit hinaus und im Zusammenhang mit dem Gesamtjudentum allen Interessen der jüdischen * Gemeinschaft in jüdischem Sinne gedient werde. Der preußische Landesverband, die erste öffentlich-rechtliche Zusammenfassung eines erheblichen Teiles des deutschen Judentums hat sowohl die Aufgaben zu lösen, die das preußische Judentum besonders angehen, als auch die preußische Judenheit zu einem wirksamen Faktor innerhalb der Gesamtjudenheit zu machen. Neben der Frage der überlieferten Schätze der Vergangenheit verlangt die Deutsche Volkspartei umfassende Mitarbeit an den Zukunftsaufgaben. Im einzelnen erhebt die Jüdische Volkspartei folgende Forderungen: I. Stärkung und Durchsetzung des Gedankens der Sammlung aller jüdischen Kräfte zur Einheit. Gleiches Recht für alle Richtungen im Judentum, die der Erhaltung des Judentums dienen. Gleichberechtigung der ausländischen Juden im jüdischen Leben. Gleichberechtigung der Frauen. Wirksame politische Vertretung nach außen. Schaffung eines umfassenden sozialen Hilfswerkes. Restlose Demokratisierung der jüdischen Körperschaften. II. In kultureller Beziehung: Erziehung eines vom jüdischen Geiste und jüdischen Bewußtseins durchdrungenen Geschlechts. Der Jugend muß das Judentum lebendig und lieb gemacht werden.. Die jüdische Schule ist zu fördern. Neue jüdische Schulen aller Art sind ins Leben zu rufen. Das Hebräische ist als Sprache unserer Vergangenheit und als lebende Sprache zu pflegen. Hierzu brauchen wir einen hochstehenden Lehrerstand, dessen Unabhängigkeit und wirtschaftliche Gleichstellung mit den vom Staate angestellten Lehrern sichergestellt werden müssen. III. Der Kampf gegen die Feinde des Judentums ist in würdiger Form zu führen. Nur jüdische Leistung, nicht Beteuerung erzwingt Achtung. IV. Die Regelung der jüdischen Emigration, insbesondere aus den Ländern des Ostens, gehört zu unserem Pflichtenkreise. Das deutsche Judentum hat an dem vom Völkerbunde gewährleisteten Aufbau von Erez Israel ideell und materiell mitzuarbeiten. Juden! Jeder, dem die Ziele dieses Programmes am Herzen liegen, der sich einsetzt für ein starkes, lebendiges, in der Vergangenheit wurzelndes, stolzes Judentum, gebe am Wahltage seine Stimme der „Jüdischen Volkspartei!“ Wie der J.T.A.-Vertreter erfährt, ist die Spitzenkandidatur für die Volkspartei-Liste in Groß-Berlin Herrn Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee angeboten worden. Aus Ostpreußen wird mitgeteilt, daß dort ungeachtet der Parole des Central-Vereins gegen die Zionisten an dem liberal-zjonistisch-konservativen Kartell festgehalten 'wird. Das „Jüdische Wochenblatt“ führt aus, anläßlich der Auflösung des Reichstags müsse der Central-Verein zeigen, ob es ihm ernst sei mit seiner eigentlichen Aufgabe, die den Kampf gegen Judenfeindsdhaft aufnimmt. Die Zeitung fragt weiter, ob der Central- Verein fortfahren wird, die ihm zum Abwehrkämpf übergebenen Gelder zum Bruderkampf zu verwenden. Auch zwischen dem Central-Verein und dem Verband Nationaldeutscher Juden besteht ein scharfer Gegensatz. Der Verband Nationaldeutscher Juden hat gegen den Central-Verein den Vorwurf erhoben, daß er von der „Frage deutscher Gesinnung“ nur spreche, aber mit ihr nicht ernst mache. Der Vorsitzende des Central-Vereins gab daraufhin eine Erklärung ab, daß der Central-Verein glaube, der Sache des deutschen Judentums zu dienen, wenn er auf Ton und Inhalt der Erklärung des Verbandes Nationaldeutscher Juden nicht eingehe. DAS HAUS KRELL-UCKO THEATINERSTR.16 TELEFON 27831—32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN. 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