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Das jüdische Echo · 1924-11-21 · 47 (21.11.1924) · p. Seite 401

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
47 (21.11.1924)
Date
1924-11-21
Page
Seite 401 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 47 Das Jüdische Echo 401 und Kanne für die Kohanin aus der Rokokozeit. Interessiert betrachten wir die Beschneidungsmesser, darunter vollständige Bestecke aus dem 17. Jahrhundert. Die Griffe der Messer wurden aus kostbarem Material hergestellt oder mit Edelsteinen besetzt. Ein Griff bringt in Elfenbeinschnitzerei die Opferung Isaaks, einer in Kupferemaille Bilder einer Brismiloh, Abraham und die Engel. Wir betrachten reich bemalte Eheurkunden, Kesuboth. Brautgürtel aus Silber, Brautringe von ganz respektabler Größe, mit Behältern, aus deren Innern uns der Glückwunsch: Massel tow entgegenleuchtet. Gar manchmal öffnete wohl die junge Braut den Ring und holte sich Trost aus diesem Glückwunsch, wenn der Choson fern von der Heimat auf einer Geschäftsreise weilte. Doch genug, lieber Freund, ich möchte dir nicht alle Schätze verraten, die das Museum birgt. Gehe selbst hin und schaue! Und wenn du etwas besonderes tun willst, melde dich als Mitglied der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler, die das Museum unterhält, die aber auch dankbar ist für jede Leihgabe, seien es Kultusgeräte oder Protokollbücher, Urkunden, Bilder, u. a. m., Dinge, die oft achtlos beiseite liegen oder gar in kleinen Gemeinden verloren gehen. Das Museum kann manche Lücke damit ausfüllen. Einzelne kleine Gemeinden unterstützen bereits heute durch verständnisvolle Mitarbeit die langwierige Sammelarbeit, genannt sei hier u. a. der Kultusvorstand von Bechhofen in Mittelfranken, dessen Mithilfe recht viele Nachfolger finden möchte. Unter der liebenswürdigen Führung des Herrn Erich Toeplitz habe ich dort genußreiche Stunden erlebt. Unter seiner Leitung wächst das Werk langsam zu einer ansehnlichen Sammlung heran. Ich wünsche nur noch, diese Zeilen mögen dazu beitragen, daß dem Museum recht viele Gönner und Mitarbeiter in allen Kultusgemeinden erstehen, damit wir recht bald eine lückenlose Sammlung jüdischer Altertümer und Kunstdenkmäler in Deutschland besitzen. Palästina und das jüdische Lebensproblem Vor einem zahlreichen Publikum schilderte Herr Dr. Nahum Goldmann seine Eindrücke in Palästina und der laute Beifall galt sicherlich nicht nur dem geistreichen Bericht, sondern war auch ein Beweis für das lebhafte Interesse an diesen Problemen, mit denen gerade wir Juden Münchens besonders stark zu ringen haben. Der Referent zeigte sachlich, wie der Kaufmann eine Bilanz aufstellt, die Ergebnisse der geleisteten Arbeit in Palästina und ihren Wert für den im Galuth lebenden jüdischen Menschen. Man kann von neuen Kräften in Palästina sprechen, die natürlich noch nicht vermocht haben, das Land unabhängig zu machen. Das Stadium der Unterstützung ist noch nicht abgeschlossen; die Juden haben zu beweisen, daß es ihnen ernst ist mit dem Willen, ihre Heimat wieder aufzubauen. Wer gesehen hat, wie die Menschen dort arbeiten, unter Mühsal und Leiden, die sie nicht mehr spüren, weil sie selbstverständlich geworden sind, der wird erschüttert sein von dem Heroismus des täglichen Lebens. Und wenn wir nach dem letzten und entscheidenden Sinn fragen, für1 die Gesamtheit des Judentums in der ganzen Welt, dann finden wir ihn im jüdschen Palästina, in der jüdischen Wirklichkeit, in der Erwartung auf eine neue Begründung der jüdischen Zukunft. Dem Galuthjuden fehlt die jüdische Wirklichkeit, er ist wurzellos und kann das Gefühl der inneren Unruhe nicht bannen; wo sollte er auch verwurzelt sein. Das Judentum wäre schon längst aufgerieben worden, wenn es sich nicht künstliche Surogate geschaffen hätte. Es mußte stets und ständig die Frage nach ihrem Wesen und Inhalt aufwerfen, unsere galuthiüdische Literatur zeugt dafür und so wurde die Spannkraft zur Ueberwindung aller Hemmnisse aufgebracht. Diese Fragen- und Problemstellungen waren notwendigerweise durch den Mangel an jüdischer Wirklichkeit hervorgerufen worden. Der Jude konnte nur mit dem Gedanken spielen, — es fehlte ihm die Realität, die mit dem Maßstab des Tatsächlichen das Denken korrigiert. Nichts wirkliches stand weder vor ihm noch hinter ihm und was hätte ihn von der Neigung zur leeren Problematik bewahren sollen. Besonders typisch für den Galuthjuden ist die Tendenz zur —• Unvornehmheit, zur lauten Geste, zum Pathos. Der unbewußte Heroismus ist ihm abhanden gekommen und an dessen Stelle der Hang zum Problematorischen getreten. Wird’ es uns Juden gelingen, eine jüdische Wirklichkeit zu schaffen? — das ist die Schicksalsfrage. Wenn die Majorität unseres Volkes dies will, dann wird sie nichts daran hindern können; mit oder ohne Balfour-Deklaration, mit den Türken oder Arabern, Engländern oder Franzosen wird es Palästina aufbauen. Heute schon haben wir Positionen in Palästina, von denen man sagen kann, sie bilden die Zellen eines neuen, gesunden Lebens. Freilich hatten wir 1913 bereits fast so viele Kolonien wie jetzt, aber man befand sich erst im Stadium der Eroberung. Das Tel- Awiw von heute mit seinen 30 000 Juden ist etwas Selbsverständliches, Gesichertes. Diese Positionen sind der Anfang der Bestätigung der zionistischen Ideen. — Interessant ist die Umstellung der Werte im neuen Fischuw. Keiner würde es bestreiten, daß in der Rangordnung die einfachste Arbeit die erste Stelle einnimmt. Die geistigen Menschen leben mit einem bösen Gewissen; bei allen besteht die Tendenz nach physischer Arbeit, nach praktischer Betätigung. Und warum? Es ist Tatsache, daß jede geistige Arbeit prinzipiell bezweifelbar ist, aber die Chausseen, Gärten# Felder, Häuser sind unleugbar vorhanden. Der klügelnde, unreale, Jahre und Jahrzehnte umspannende Geist macht Platz einem, nüchternen, vielleicht primitiven und gerade mdieser Begrenzung beglückenden Denken. Alle un-, sere Probleme über Juden und Judentum existieren, für einen Palästinenser kaum mehr. Er ist befreit von dem geistigen Druck, mit dem er in dem ihm feindlichen Golus belastet war. Dinge von heute und morgen, wie rationelle Bearbeitung des Bodens, Tierzucht, Anpflanzungen, werden leiden-; PELZMODE-HAUS SCHWABE MODERNSTE PELZE MÜNCHEN. KAUFINGERSTR.23

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