Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 46 (14.11.1924)
- Date
- 1924-11-14
- Page
- Seite 390 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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390 Das Jüdische Ccfeo Nr. 46 war. Die „Jewsektia“ müsse einen scharfen Kampf gegen den Zionismus einleiten, die Zionistische Organisation muß offiziell als illegal erklärt werden, damit man gegen sie wie gegen alle konterrevolutionären Organisationen gesetzlich Vorgehen kann. Die sogen, unparteiische- Arbeiterkonferenz, die letztens in Kiew abgehalten wurde, forderte das Verbot des in Rußland erscheinenden Journals „Hechaluz“. Palästina in den Handelsvertrag zwischen England und Lettland eingeschlossen Jerusalem. (J.T.A.) Wie am 4. Oktober offiziell mitgeteilt wurde, ist der britisch-lettische Handelsvertrag in der Weise erweitert worden, daß nunmehr auch Palästina in denselben eingeschlossen ist. Laut dem Vertrag werden palästinensische Staatsangehörige und palästinensische Waren Meistbegünstigung genießen. Ungarn Eine jüdische Universität in Ungarn Budapest. (J.T.A.) Der jetzt in Budapest tagende Kongreß der jüdischen Gemeinden Ungarns beschäftigte sich in einer Sitzung vom 29. Oktober mit der Frage der Errichtung einer jüdischen Universität in Ungarn, um die äußersten Härten, das Gesetz des Numerus clausus, das der jüdischen Jugend^den Zutritt zu Bildung und Wissenschaft versperrt, zu mildern. Das jüdische Parlamentsmitglied Paul Szandor versprach, die Numerus clausus-Frage nochmals vor das Parlament zu bringen. Sollte die Regierung die geforderten Erleichterungen für jüdische Studierende ablehnen, werde er sofort ein Gesetzprojekt über die Zulassung einer jüdischen Universität in Ungarn einbringen. Dep. Szandor verpflichtete sich, für den Fall, daß das Parlament das Gesetzprojekt annimmt, in der kürzesten Zeit das gesamte Kapital für die Errichtung der jüdischen Universität aufzubringen. Der Kongreß bereitete dem Abg. Szandor große Ovationen. Italien Dr. Weizmann in Rom Rom. (J.T.A.) Dr. Ch. Weizmann, der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency ist zugleich mit Sir Herbert Samuel in Rom eingetroffen. Von hier begibt sich Dr. Weizmann nach Genf, um der permanenten Mandatskommission beizuwohnen. Von Genf wird er nach London reisen. Dr. Weizmann wird sich zwei bis drei Tage in Rom aufhalten, um sich mit den Repräsentanten der italienischen Judenheit in der Frage der Jewish Agency ins Einvernehmen zu setzen. Man erwartet, daß er hier auch mit führenden politischen Persönlichkeiten Italiens in Verbindung treten wird. Oesterreich Wieder eine antisemitische Bank in Oesterreich zusammengebrochen Wien. (J.T.A.) Nach dem vor kurzem erfolgten Zusammenbruch der hakenkreuzlerischen Deutschen Bodenbank und der christlich-sozialen Kaufmännischen Bank ist nunmehr auch in den letzten Tagen die Nordisch-Oesterreichische Bank unter skandalösen Begleitumständen zusammengebrochen. Alle diese Banken arbeiteten unter dem Schlagwort der Befreiung des christlichen Kapitals von der jüdischen Hegemonie. Der Generaldirektor der Nordisch-Oesterreichischen Bank, Herr Otto Waldegg, wurde wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr in Haft genommen. Die Zahl der Geschädigten ist sehr groß. Der Verwaltungsrat bestand aus den Spitzen der arischen Gesellschaft, wie der General Czapp, General Julius van Royen, Graf Spanochi, Dr. Pawlitza usw., die sich aber, als es brenzlig wurde, zurückzogen, nachdem sie vorher ein englisches Konsortium in den Verwaltungsrat hineingesetzt hatten. Die Engländer erkannten sofort die unlautere Gebarung und erstatteten Strafanzeige. Ein gewesener Kriegsberichterstatter, der Schwede Nils Lugo Lanquist, hat diese Bank vor mehr als zwei qahren ins Leben gerufen und verstand es, einen Verwaltungsrat aus klerikal-antisemitischen österreichischen und nordischen Würdenträgern zu bilden. Nach dem letzten Status hat die Bank im ganzen etwa 9869 Milliarden Aktiven, denen Passiven in der Höhe von 25 Milliarden gegenüberstehen, so daß sie eigentlich mit 15 Milliarden passiv ist. Die völkische Propaganda für die Aufhebung der Judenemanzipation Leipzig. (J.T.A.) Der völkische Reichstagsabgeordnete Theodor Fritsch läßt in dem von ihm redigierten Hammer-Verlag eine Schrift unter dem Titel „Die Staatsfeindlichkeit der jüdischen Lehre“ erscheinen, der Auftragsformulare wegen Aufhebung der Gleichberechtigung der Juden angeheftet sind. Die Schrift enthält die schon bekannten Legenden über die angebliche jüdische Geheimlehre, „über die menschen- und sittenfeindlichen Lehren der Rabbiner mit all den geheimen Machenschaften, deren sich die Juden zur Täuschung und Unterjochung der arischen Bevölkerung bedienen“. Theodor Fritsch fordert im „Hammer“ alle „staatserhaltenden“ Parteien auf, sich dem Antrag zwecks Aufhebung der Judenemanzipation anzuschließen. Er schließt: „Es geht auf die Entscheidung los! Tue jeder das Seine!“ Sir Herbert Samuel über das Ende seiner Amtsperiode Wie die J.T.A. meldet, hat Sir Herbert Samuel vor seiner Abreise nach Genf, wo er vor der Mandatskommission des Völkerbundes erscheinen soll, in einer Unterredung mit Pressevertretern in Jerusalem erklärt, daß seine Amtszeit im Juni 1925 zu Ende gehe. Die Frage seiner Nachfolgerschaft sei von der Regierung noch nicht in Erwägung gezogen worden. Sir Gilbert Clayton werde im kommenden Frühjahr seinen Posten verlassen. Er befürchte, daß die Parlamentswahlen in England die Auflegung der palästinensischen Anleihe verzögern könnten, da deren Durchführung erst nach Annahme der notwendigen Bill durch das Parlament möglich sei. Durch die Wahlen verzögere sich auch die Erledigung der Bürgerrechtsfrage. Die Jüdische Gemeindeordnung sei im Prinzip gebilligt worden, aber auch hier sei infolge der dazwischenkommenden Wahlen eine Verzögerung möglich. Zum Schluß erklärte Samuel, die Nachricht, daß Transjordanien Palästina angeschlossen werden soll, sei un: richtig. Transjordanien sei ein Teil des britischen Mandatslandes. Ueber ein Abkommen zwischen Emir Abdullah und der britischen Regierung, da$ die transjordanische Verwaltung regeln soll, werdle jetzt verhandelt.