Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 46 (14.11.1924)
- Date
- 1924-11-14
- Page
- Seite 387 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103074-9153659--06284-9078989- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 46 Das Jüdische Echo 387 Ich befürchte, daß ich Sie mit zu vielen trockenen und einfachen Tatsachen langweile. Aber, meine Damen und Herren, das ist Zionismus. Das Jüdische Nationalheim wird aufgebaut werden aus Land, aus Menschen und aus den Dingen, die auf dem Lande sind, und ich versuche es, Ihnen von dem Lande, von den Dingen und von den Menschen, die sich auf dem Lande ansiedeln, ein Bild zu geben, so einfach, wie ich nur kann. Soviel also über die städtische Entwicklung. Eine solche Entwicklung aber wäre unbegreiflich ohne Erziehung, ohne die kulturelle, schulmäßige Bildung der Gemeinschaft. Es ist, wie ich glaube, schon eine Selbstverständlichkeit — jedermann weiß es —, daß das ganze Leben in Palästina ein Leben im Hebräischen ist. Hebräisch ist die Umgangssprache, die Verständigungssprache zwischen Juden und Juden und, wie ich mich freue, sagen zu dürfen, manchmal auch zwischen Juden und Nichtjuden in Palästina. Unser Schulsystem mußte selbstverständlich mit dieser Entwicklung Schritt halten. Dieses Jahr wird ausgezeichnet sein durch die Eröffnung einer technischen Schule in Haifa, welche höhere technische Bildung verbreiten wird. Es wird ferner ausgezeichnet sein durch Eröffnung einer landwirtschaftlichen Frauenschule in einer unserer Siedlungen, sowie auch durch die Eröffnung und Weiterausgestaltung einer landwirtschaftlichen Stationen, die zur Instruktion und Ableitung von Kolonisten in allen Distrikten Palästinas dienen soll. Es wird weiter ausgezeichnet sein durch die Entwicklung der meteorologischen Stationen. Palästina hat ein bestimmtes Klima, und wir müssen daher das Wetter dort Vorhersagen — was freilich leichter ist als hierzulande. Schließlich und endlich wird es ausgezeichnet sein durch die Eröffnung der ersten Abteilung der Hebräischen Universität auf dem Skopusberge. Dabei möchte ich gern erwähnen, daß ein kleiner Teil dieser Universität — die biologischen Laboratorien — bereits in Tätigkeit sind und ich war selbst Zeuge folgenden Vorfalls in einer Kolonie: Gegen 7 Uhr früh morgens herrschte dort große Aufregung, da sich in einem der Ställe eine unbekannte Krankheit gezeigt hat. Um 3 Uhr nachmittags war bereits von der biologischen Abteilung der Universität die bakteriologische Analyse und Diagnose in der Kolonie eingetroffen. Meine Damen und Herren, dies ist das Rahmenwerk des Nationalheims ,—1 Mensche/i, Land, Häuser, Industrien, Schulen, die Sprache und die verschiedenen Institutionen — eine Gemeinschaft, eine harmionische Gemeinschaft, die angetrieben und geleitet wird von unbeugsamem Mut und dem entschlossenen Willen fortzuschreiten und zu wachsen. Meine Damen und Herren, hinter diesen 2000, die im September ins Land gekommen sind, stehen mindestens noch 10 000, die kommen möchten und es nicht können. Die jüdische Gemeinschaft der ganzen Welt wird beherrscht von sehr viel Bedrückung, beherrscht aber auch von dem Wunsch, Palästina wieder aufgebaut zu sehen. Mit wenigen Worten möchte ich noch die politische Lage besprechen.. Der bemerkenswerteste Zug der politischen Lage in Palästina ist der, daß man sie gar nicht spürt. Mit anderen Worten, sie ist nicht akut. Ich glaube, die Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden gestalten sich in dem Prozeß von Arbeit und Zusammenarbeit täglich normaler. Dennoch dürfen Sie sich nicht der Illusion hingeben, daß die dornigen Probleme von Palästina gelöst seien. Aber ich glaube, bei dieser Arbeit und Entwicklung und bei Sorgfalt, Vorsicht und Klugheit werden die Schwierigkeiten, die sich uns vor drei und vier Jahren entgegengestellt haben, zwar nicht auf einmal aus dem Wege geräumt, aber allmählich und immer mehr vermindert werden. Ich habe nun alles gesagt, was in einem kurzen Bericht über die augenblickliche Lage in Palästina zu sagen ist. Ich hoffe, ich habe nicht übertrieben. Wir begannen unsere Arbeit in schwerer Zeit, in einer sehr schwierigen Welt, in einem sehr schwierigen Land und mit besonders schwierigen Menschen. Wir mußten neue Methoden und neue Wege finden; wir standen unter dem Feuer der Kritik von Juden und Nichtjuden, die auf jeden Schritt gerichtet war, den wir unternahmen. Ich glaube, man kann mit Recht behaupten, daß das, was gegenwärtig in Palästina erreicht wurde, beweist, daß die ersten Schwierigkeiten überwunden sind und daß die Grundlagen zur jüdischen nationalen Heimstätte gelegt sind, so daß, wenn das jüdische Volk es wünscht, und es so stark wünscht, wie diejenigen, die man in die ersten Schützengräben der zionistischen Front gesandt hat, so stark wie diejenigen, die die Sümpfe trockneten und die Steine klopften und die schwerste Arbeit leisteten, wenn also das jüdische Volk hinter der Linie den Pionieren die Ermutigung zuteil werden läßt, die sie noch brauchen, dann wird die Arbeit vorwärts gehen und zwar in zunehmendem Maße. Meine Damen und Herren! Ich will heute abend nicht — es würde müßig sein, dies zu tun — auf eine theoretische Diskussion über die Vorzüge und Mängel des Zionismus eingehen. Die Juden ' in Europa und Amerika haben auf diese Frage geantwortet, indem sie nach Palästina gekommen sind. Sie haben geantwortet durch den Aufbau all dessen, was ich hier geschildert habe. Zionismus oder nicht Zionismus: es gibt heute, im gegenwärtigen Augenblick, eine bedeutsame Tatsache; und das ist die, daß es Millionen Juden gibt, die physisch oder moralisch entwurzelt wurden, und die bereit sind, überzusiedeln. Palästina ist fast das einzige Land auf der weiten Welt, das seine Pforten denjenigen Juden öffnet, die bereit sind, zu arbeiten und ein neues, aufrechtes und reines Leben aufzubauen. Diese Tatsache sollte einen Aufruf beredter machen als alle Reden, die man halten kann, Unser Appell ergeht daher an jene Leute, die begreifen, was sich im Augenblick vollzieht. Die Juden haben den Weg nach Palästina gefunden. Hier ist eine Gelegenheit, die dem jüdischen Volke niemals zuvor geboten wurde, in dem Lande, das durch die Tradition geheiligt ist, sein eigenes nationales Leben in seiner eigenen heiligen Sprache wieder aufzubauen. Jahrtausende der Geschichte blicken auf uns herab. Peripetien sie <>^Srnijma*Flamme“ zu 10Pfg. mit Strobmunbftück in eleganter Bledipackung 5igarcttcnfabrik Dibolb, Mündien lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllliw Tetfilhandelsgesellschaft zum „Weberhaus"R.G. München /Frankfurt*/ Leipzig Filialen in allen Stadtteilen iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiim