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Das jüdische Echo · 1924-11-14 · 46 (14.11.1924) · p. Seite 386

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
46 (14.11.1924)
Date
1924-11-14
Page
Seite 386 (sequence 6)
Language
German
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386 Das Jüdische Echo Nr. 46 gehindert worden, daß viele von ihnen von fiebererzeugenden Böden umgeben waren. Heute sind die meisten dieser Sümpfe trocken gelegt und durch jüdische Arbeit für die Erbauung erschlossen worden. Ich glaube, daß mit Ausnahme eines sumpfigen Landstrichs, der noch nicht drainiert ist. die gesamte Küste sehr bald — vielleicht schon im nächsten Jahre — vollkommen frei von Malaria sein und für die Entwicklung in einem höheren Grade geeignet sein wird, als dies bisher der Fall gewesen ist. Ich denke, die Zeit liegt nicht fern, wo es für . einen Reiter — sei er Jude oder Nichtjude — möglich sein wird', von Tiberias nach Haifa oder Jaffa zu reiten über Land, das nicht nur Juden gehört, sondern auch von jüdischen Händen kultiviert, bebaut und entwickelt wird. All dies Land, dies muß ' bemerkt werden, war Oedland1, und niemand mußte enteignet werden. : In gewissen Gebieten, welche bisher der jüdischen Kolonisation unzugänglich waren, hat diese kürzlich doch mit dem Einströmen von Sondergruppen begonnen, die besonders für Spezialformen der Bebauung geeignet sind. Im Emek Jesreel begann die Kolonisationsarbeit vor etwa zwei Monaten mit der Ankunft einer Gruppe bulgarischer Juden, welche Spezialisten in 'Handelsgärtnerei und Tabakbau sind. Sie waren die ersten, die dort ein großes Stück Land erwarben und eine Siedlung anlegten, die gute Resultate verspricht, und die vielleicht andere bulgarische Juden veranlassen wird, auch überzusiedeln und dieses Spezialgebiet zu entwickeln. Parallel mit der Entwicklung des Landes geht die städtische Entwicklung in Palästina, und man kann sagen, daß seit kurzem die städtische Entwicklung in einem Grade fortgeschritten ist, der zur ländlichen in keinem angemessenen Verhältnis steht. Die letzte Einwanderung, von der ich noch später; sprechen werde, hat der Entwicklung der Städte beträchtlichen Vorschub geleistet. An erster Stelle steht hierbei die Stadt Jaffa. Die, welche Jaffa kennen und sich erinnern, wie es aus dem Kriege hervorging, wissen, daß damals nahe bei Jaffa! eine kleine Vorstadt, aus 100 bis 150 Häusern bestehend, lag* die unter dem Namen Tel Awiw bekannt war, . Diese Vorstadt war erst vor dem Krieg erbaut worden. Jetzt, glaube ich, ist die Vorstadt Tel Awiw fast ebenso groß wie Jaffa selbst: Sie bedeckt eine größere Fläche als Jaffa und hat ungefähr dieselbe Bevölkerungszahl. Tel Awiw zählt 22 000 Seelen, Häuser, Straßen, elektrisches Licht, eine moderne Verwaltung mit modernen Steuern und all dem, was zur Entwicklung modernen Lebens erforderlich ist. Und die Bautätigkeit in Tel Awiw geht so rasch vorwärts, •daß man in absehbarer Zeit — sagen wir in fünf Jahren hoffen darf, daß sie eine der größten Städte an der östlichen Küste des Mittelländischen Meeres werden wird. An zweiter Stelle steht Haifa. Dort wachsen drei neue jüdische Viertel mit großer Schnelligkeit aus der Erde. Der Berg Karmel ist bereits zu fast drei Vierteln mit jüdischen Häusern bedeckt, so daß es „ schon nötig ist, eine Drahtseilbahn zwischen Haifa und den Vorstädten oberhalb der Stadt anzulegen. Beträchtlich langsamer geht die Entwicklung von Tiberias vor sich, wo jetzt ein neuer Stadtteil im Entstehen begriffen ist. Ganz zuletzt kommt Jerusalem. Obgleich dort drei neue jüdische Viertel teils fertig, teils im Bau begriffen sind, liegen die Verhältnisse in Jerusalem schwieriger, und überdies ist es teurer als anderswo. So fällt die städtische Entwicklung mit der Zunahme der Einwanderung zusammen. Die augenblickliche palästinensische Einwanderung setzt sich aus Leuten zusammen, welche entweder Geldmittel von St. 400 bis 1000 besitzen, oder, aus Leuten, die ausgebildet sind oder einen Beruf haben, oder eine bestimmte Beschäftigung, die sie in Palästina ausüben können. Das Ergebnis dieser Immigration im vergangenen Jahr war eine beispiellose industrielle Entwicklung in Palästina etwas, das nicht vorausgesehen werden konnte und ganz natürlich aus diesen besonderen Verhältnissen entstanden ist. Wir haben in dieser Beziehung keine Illusionen. Palästina wird niemals ein Industrieland werden in derselben Art wie die großen industriellen Gemeinwesen, die sich in Europa oder Amerika entwickelt haben. Palästina wird, wenn man es nach dem jetzigen Status beurteilt, zweifellos ein Land werden, wo eine Menge von Kleinindustrien sich herausbilden werden, und diese können eine bedeutende Menge Menschen aufnehmen. Im letzten Jahre sind die folgenden Industrien entstanden und ohne künstlichen Antrieb durch die Bevölkerung selbst entwickelt worden: Leinenweberei, Seidenfabrikation, Schokolädenfabrikation, Gerbereien, Schuhfabriken, Herstellung von Glaswaren und Spielsachen, Druckereien. All dies hat sich in etwa 6 bis 8 Monaten entwickelt. Ich spreche nicht von den sehr beträchtlichen industriellen Unternehmungen, die z. B. in Haifa entstanden sind, wo Industrien bestehen, die das Rohmaterial des Landes selbst verarbeiten: Oelfabriken, Mühlen, Zementfabriken und sehr bedeutende Reparaturwerkstätten. Diese sind in Haifa entstanden und repräsentieren Kapitalien von über 1 Million Pfund. Wenn män einerseits die lebhafte Bautätigkeit in Betracht zieht und andererseits gewisse industrielle und landwirtschaftliche Entwicklungen, die Erwerbung von Ländereien und ihre Bebauung, so kann man die Verantwortung für die sehr große Zahl von Menschen übernehmen, die gegenwärtig von Palästina aufgenommen werden. Dieses Wachstum muß als eine Art Dynamik angesehen werden und befindet sich im Zustand dauernder Entwicklung. Darum nimmt die Aufnahmefähigkeit in gleichem Schritt mit diesem Entwicklungsprozeß zu. DAS HAUS KRELL-UCKO THEATINERSTR.16 TELEFON 27831—32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN — SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGMÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN — GARDINEN - DECKEN

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