Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 46 (14.11.1924)
- Date
- 1924-11-14
- Page
- Seite 385 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 Das Jüdische Echo 365 Als er sich späterhin nach Meran zurückzog, arbeitete er an seinem Werke Ethik des Judentums, dessen zweiten Teil zu vollenden ihm nicht mehr vergönnt war. Mit diesem Werk hat er gezeigt, daß er auf der Höhe seines Könnens bis zum Schlüsse seines reichen Lebens, das von idealer Gesinnung durchtränkt war, sich nunmehr ausschließlich den Problemen des Judentums zugewendet hatte. Er hatte schmerzlich vermißt, daß nirgendwo aus den zerstreuten, zum Teil schwer zugänglichen Schätzen der religiösen Literatur kein Extrakt gezogen war, der klar und deutlich die sittlichen Grundanschauungen und Aufgaben klar gestellt hätte. Und so hat er sich denn daran gemacht, diese hochbedeutsame Leistung zu vollziehen; als Quintessenz sejner ethischen Postulate ergibt sich die jüdische Aufgabe der Heiligung des Menschen. Der Redner ließ nicht unerwähnt, daß man Lazarus vorgeworfen habe, einseitig von Kant beeinflußt zu sein und meinte, man müsse die Bedeutsamkeit der Leistung anerkennen, selbst wenn die Gedanken durch eine kantische Brille gesehen seien. Am deutlichsten prägt sich die Persönlichkeit Lazarus’ in seiner Schrift: „Treu und frei“ aus, die den vornehmen Stilisten und den edlen Menschen gleichermaßen zeigt, den Mann, bei dem konservativtreue Gesinnung und Pietät mit geistiger Freiheit und Weite sich zu einem erhebenden Gesamtbild einen. Zu seinen hinreißendsten Schriften gehört die über Jeremias, seinem Lieblingspropheten, in der er selbst zum Propheten, zum Warner und Lehrer wird. Klassisch verlief sein Leben insoferne, als^dhi klares und ununterbrochenes Aufwärts seine ‘Entwicklung darstellt. Und seine Persönlichkeit und sein Werk sind dazu angetan, weiter befruchtend zu wirken, in gleichem hohen Sinne auf ihn zutreffend, wie er selbst es in einer Gedenkrede auf seinen über alles verehrten Lehrer Herbart diesem zuerkannt wissen wollte. K. Keren Hajes sod -Kampagne in England Die Keren Hajessod-Kampagne in England wurde mit einem am 3. November in der Kingsway Hall in London stattgefundenen Meeting eröffnet. Lord Balfour, Lord Robert Cecil, Lord Parmoor, Sir Lyndham Deedes, Chiefrabbi Dr. Hertz und Sir Alfred Hond hatten überaus wajm gehaltene Sympathie-Erklärungen gesandt. Dr. Weizmann über die Entwicklung in Palästina Meine Damen und Herren! Ich bin den Veranstaltern dieser Versammlung sehr dankbar, daß sie mir Gelegenheit geben, Ihneftvin einfacher Weise zu sagen, wie augenblicklich die Lage und der Fortschritt unserer Arbeit in Palästina ist. Ich hatte vor drei Wochen Gelegenheit, Palästina nach einer Pause von etwa 18 Monaten zu besuchen, und obgleich ich in fast täglichem Zusammenhang mit den Ereignissen und Vorkommnissen in Palästina gestanden hatte, war ich doch überrascht, den Fortschritt zu sehen, den das nationale Heim in verhältnismäßig kurzer Zeit gemacht hat. Ich möchte Ihnen so kurz wie möglich die Linien dieses Fortschrittes geben. Unsere Arbeit in Palästina kann in 7 Gruppen geteilt werden: Die erste und vielleicht die wichtigste und schwierigste Arbeit ist, wie Sie alle wissen, die kolonisatorische. Kolonisation an .und für sich ist ein schwieriges Problem; Kolonisation mit Juden ist noch schwieriger; Kolonisation mit Juden in Palästina ist dreifach schwierig. Die Bedingungen, unter denen wir gearbeitet haben, sind derartig, daß man schwer die Kräfte derjenigen abschätzen kann, die nach Palästina gehen, um sich dort auf dem Lande anzusiedeln, und ebenso derjenigen, die sie bei der Austeilungsarbeit leiten. Ich glaube, ich kann ohne Uebertreibung sagen, daß es ohne den Geist, den Mut und den Idealismus unserer Pioniere unmöglich gewesen wäre, das zu erreichen, was wir in Palästina erreicht haben. Hier ist ein Land, das seit Jahrhunderten vernachlässigt wurde, das immer und immer wieder verwüstet und durch die Malaria verheert worden ist, und dies ist das Land, wo wir ein Volk anzusiedeln haben, das keine landwirtschaftlichen Traditionen besitzt. Es sind keine Dänen oder Deutsche oder Engländer mit einer landwirtschaftlichen Vergangenheit. Das Menschenmaterial, mit dem wir zu tun haben, besteht aus Leuten, die seit Jahrhunderten Stadtbewohner gewesen sind. Und nun lassen Sie einmal einen unparteiischen Beobachter heute durch Palästina gehen, lassen Sie ihn unsere Siedlungen, z. B. im Emek Jesreel, sehen, was findet er da? Er findet große Strecken Land, die noch drei Jahre vorher Sumpf und Wildnis waren, auf denen nichts gedieh, nichts lebte, mit Ausnahme von Moskitos, und die jetzt mit blühenden Dörfern und Siedlungen bedeckt sind. . Am 4. Oktober, vor fast einem Monat, besuchte ich im Emek Jesreel eine unserer neuen Siedlungen namens Nahalal, die vor zwei Jahren buchstäblich noch ein Morast war. Wir schliefen in der Nacht bei offenen Fenstern und ohne Moskitonetz, und nicht eine einzige Moskitofliege zeigte sich. Wo vor drei Jahren ein Sumpf war — eine Schmach der ganzen Gegend — und eine gefährliche Ansteckungsquelle, da liegt heute ein blühendes Dorf, und das Wasser, das durch Drainage reguliert wurde, wird jetzt zur Bewässerung der umliegenden Ländereien benutzt. In der Umgebung der eigentlichen Kolonie findet man verschiedene Hügel, auf denen ehemals Dörfer standen, die jedoch verschwunden sind, weit die Bewohner an Malaria starben. Jetzt ist die Malaria verschwunden. Die Gegend ist vollkommen gesund, und blühende Ansiedlungen wachsen dort auf. Das ist an sich schon ein großer Fortschritt, aber er ist noch größer, wenn man bedenkt, daß die Trockenlegung der Sümpfe, die Anlegung der Siedlung, der Bau der Häuser und die Schaffung eines wirklich ländlichen Lebens — daß dies alles durch unsere Pioniere in nicht mehr als zwei Jahren geschaffen wurde. Was von dieser einen Siedlung gilt, trifft in gleicher Weise auch auf viele andere zu, die in den letzten vier oder fünf Jahren entstanden sind, und die jetzt deutlich zeigen, daß wir nicht genügend Menschenmaterial besitzen, das imstande wäre, die schwierige Pionierarbeit gerade in einem so schwierigen Lande wie Palästina durchzuführen. Ich möchte noch ein anderes, vom Standpunkt der Kolonisation gleich wichtiges Gebiet, die Linie längs der Küste von Haifa im Norden bis Jaffa im Süden, erwähnöft?uHier gibt es eine ganze Reihe von jüdischen Siedlungen. Diese Siedlungen stammen aus der Zeit vor dem Kriege, aber sie sind in ihrer Entwicklung ernstlich durch die Tatsache