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Das jüdische Echo · 1924-11-07 · 45 (7.11.1924) · p. Seite 369

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
45 (7.11.1924)
Date
1924-11-07
Page
Seite 369 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 45 Das Jüdische Echo 369 geweckt und gepflegt und damit der Grund zu jenem Gemeinschaftssinn gelegt, der die unerläßliche Voraussetzung für die Betätigung als wertvolles Mitglied der Glaubensgemeinde bildet. Als letztes Argument sei endlich noch der Umstand angeführt, daß die jüdische Schule einer Reihe von jüdischen Lehrern, die bei der enormen Überfüllung des Lehrberufs lange Jahre auf ständige Anstellung im Staats- oder Gemeindedienst warten müßten, die Möglichkeit der Verwendung bietet und so zugleich auch sich sozial auswirkt. Indessen erachte ich eine jüdische Schule nur dann als erstrebenswert, wenn sie einen Schulorganismus bildet, der neben einer vierklassigen Volksschule auch eine sich daran anschließende Mittelschule (Realschule, Gymnasium) umfaßt, wie dies beispielsweise in Frankfurt a. M., Fürth, Hamburg, Leipzig und an anderen Orten der Fall ist. Eine jüdische Volkschule allein ist m. E. nicht lebensfähig, da erfahrungsgemäß ein Teil der Schüler — und nicht die schlechtesten — nach dem 4. Schuljahr in die Mittelschulen einrückt, und so die Zahl der Schüler, die an und für sich — u. a. auch wegen der weiten Schulwege — nur eine beschränkte sein kann, noch weiterhin verringert wird, sodaß die oberen Klassen nur Zwergklassen bilden. Die Tatsache, daß in einzelnen Städten, wie in Frankfurt a. M. 8-klassige Volksschulen bestehen, spricht nicht gegen meine Begründung, da die Verhältnisse in den verschiedenen Städten ganz verschieden gelagert sind. Des weiteren muß von der jüdischen Schule verlangt werden, daß sie den Kindern aller Eltern ohne Rücksicht auf deren religiöse oder jüdischpolitische Einstellung offen steht und daß diese Möglichkeit nicht durch irgendwelche — außerhalb des Schulzwecks gelegene — Beeinflussung illusorisch gemacht wird. Der Geist der Tradition in allen religiösen Fragen und vor allem im Religionsunterricht, strikteste Neutralität in jüdisch-politischen und allen sonstigen Dingen, das sind die Richtpunkte, die die Leitung stets im Auge behalten muß, wenn nicht von allem Anfang an die Schule den Keim des Zwiespalts und der Auflösung in sich tragen soll. Was die Frage der Lehrkräfte betrifft, so würden die für die Volksschule benötigten, entsprechend vorgebildeten und staatlich geprüften Lehrkräfte ohne weiteres zur Verfügung stehen; auch für die Mittelschule dürfte die Bestellung der Lehrer für die Hauptfächer auf keine großen Schwierigkeiten stoßen; ungünstiger liegen die Verhältnisse wohl für die Besetzung der Lehrstellen für die technischen Fächer: Zeichnen, Turnen, Musik. Doch ließe sich dieser Mangel bald beheben, da doch angenommen werden darf, daß die Aussicht auf baldige Anstellung manchen befähigten jüdischen Studenten veranlassen wird, das Studium eines dieser Fächer zu ergreifen. Es hieße indessen das Problem der jüdischen Schule einseitig behandeln, wenn nicht auch die Momente angeführt würden, die gegen dieselbe sprechen. Um mit dem Antisemitismus wieder zuerst zu beginnen: Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß das Zusammensein in der Simultanschule dem christlichen Schüler Gelegenheit gibt, im Laufe einer Reihe von Jahren seinen jüdischen Mitschüler genau kennen zu lernen und ihn schließlich doch ganz anders zu beurteilen, als er es ohne diese Bekanntschaft getan. Daß dieses Urteil besser ausfällt, weil sich ihm der Jude nicht in jenem Zerrbild darstellt, wie es die Judenfeinde so gerne zeichnen, steht wohl außer Frage. Es ist ferner von Bedeutung, daß während der Schuljahre so manche Freundschaft zwischen christlichen und jüdischen Schülern geschlossen wird, die die Schulzeit überdauert und im spätem Leben noch befestigt wird. Daß solche Freundschaften im Kampfe mit dem Antisemitismus wertvolle Dienste leisten können, wird man ohne weiteres zugeben. Aber auch der christliche Lehrer hat die Möglichkeit, durch Jahre hindurch den jüdischen Schüler genau zu beobachten und sich so selbst sein Urteil zu bilden, das dann schließlich doch wesentlich besser ist als das der Straße. Wiederholt haben mir christliche Kollegen ihre Befriedigung darüber ausgedrückt, daß sie jüdische Schüler in ihren Klassen haben und so aus eigener Anschauung den so viel verschrieenen und „von der Parteien Haß“ verzerrten Juden kennen lernen. Daß auch gewisse erzieherische Momente für die Simultanschule sprechen, sei nur kurz angedeutet. Ungleich ernster spricht indessen eine andere Erscheinung gegen die jüdische Schule, eine Erscheinung, mit der naturgemäß auch die Frage der Schülerzahl unlöslich verknüpft ist: die Gleichgültigkeit vieler Eltern gegen alles Jüdische. Diese Indifferenz, von der namentlich der jüdische Religionslehrer ein trauriges Lied zu singen weiß und die sich zuweilen in eine Abneigung gegen alles Jüdische auswächst, bildet die größte Schwierigkeit für die erfolgreiche Verwirklichung der jüdischen Schule. Es bedürfte einer völligen Erschütterung und Neuorientierung der Geister, um mit Aussicht auf Erfolg ans Werk zu gehen. Und man braucht noch lange kein Pessimist zu sein, um Voraussagen zu können, daß Gleichgültigkeit und Abneigung die Bausteine einer Mauer bilden, die der Erreichung des Ziels: „Jüdische Schule“ ein schier unübersteigbares Hindernis in den Weg legen wird. München, im Oktober 1924. Dr. H. Klugmann. ni;niiiniiiiiiiiinffniii[iiiiiiBiiiiniiniiiniiiiininininiiniiiininniiiiininniininiinniinniimBiiiniiniiinniniiiinaiiniiinnniiinniinininHiiniiiiiBiiiinniiii)iinnniinininniinmiiimiiniininiHiiii' DAS HAUS KRELL-UCKO THEATINERSTR.16 TELEFON 27831—32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGMÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN - DECKEN

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