Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 44 (31.10.1924)
- Date
- 1924-10-31
- Page
- Seite 359 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44 Das 'Jüdische Echo 359 Mehr als 70 Prozent der neuaufgenommenen Schüler zahlten das Schulgeld. Richter Otto A. Rosalsky sprach über die zukünftigen Pläne der Jüdischen Erziehungsgesellschaft. Diese wird nun u. a. auch ihre Kräfte der Hebung des physischen Zustandes der Zöglinge der Religionsschulen widmen. Deutschland Eine Protestkundgebung der Berliner jüdischen Gemeinde an die Reichsregierung Berlin. (J.T.A.) In der letzten Sitzung der Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde kam die von der J.T.A. bereits angekündigte Interpellation Pincus über die bekannten Vorgänge bei der Feier, die die Reichsregierung anläßlich des Gedenktages für die Gefallenen des Weltkrieges veranstaltet hatte, zur Verhandlung. Nach sehr scharfen Ausführungen der Herren Rechtsanwalt Dr. Klee und Professor Löwe, denen sich auch der Wortführer der Konservativen, Hob, anschloß, wurde einstimmig die folgende Resolution angenommen, mit dem Auftrag an den Gemeindevorstand, sie zur Kenntnis der Regierung und der 0effentlichkeit zu bringen: „Die Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin gibt ihrer tiefsten Empörung darüber Ausdruck, daß die Reichsregierung anläßlich ihrer Gedenkfeier für die Gefallenen des Weltkrieges zwar Vertreter der christlichen Konfessionen als Redner bestimmt, die Zulassung eines Vertreters der jüdischen Religion aber abgelehnt hat. Sie erblickt in diesem Vorgang eine schwere Verletzung der verfassungsrechtlich gewährleisteten Gleichberechtigung aller Bürger, sowie vor allem eine schwere Kränkung des Andenkens der 12 000 jüdischen Toten, wie der vielen Tausende lebender Kriegsteilnehmer, die ihre Pflicht gegen das Vaterland in reichstem Maße erfüllt haben. Leitung der Werft in Friedrichshafen teilte mir mit, daß ein Herr vom Konstruktionsstabe, der dort als erster Statiker hervorragendes leistet, in Prag als Sohn eines deutsch-böhmischen Juden und einer deutschen Katholikin geboren ist, daß sich aber die Leitung der Werft und die Fortführung des Erbes des Grafen Zeppelin in rein deutschen Händen befindet.“ Preisausschreiben des Nationalfonds für ein Werbeplakat Das Hauptbüro des Keren Hajemeth schreibt einen Wettbewerb für ein Werbeplakat aus. Das Plakat soll eine Größe von 48: 72 cm haben. Es muß in Buchdruck, Lithographie, Offset oder einem anderen möglichst einfachen Verfahren herzustellen sein und zwar mit höchstens vier Farben. Einsendungen sind bis spätestens 31. Dezember d. J. an die KKL-Sammelstelle für Deutschland, Berlin W 15, Meinekestr. 10, zu richten. Der erste Preis beträgt St. 50, der zweite St. 30 und der dritte St. 20. Das Preisrichteramt haben übernommen: Maler Jakob Steinhardt, Plakatzeichner Hans Lindenstedt und! Schriftsteller Max Osborn in Berlin, S. Schocken jun., Zwickau, und Julius Berger, Jerusalem. (Ziko.) Die Frankfurter Gemeinde für die Jerusalemer Universität Interessanterweise hat als erste unter allen deutschen Großgemeinden die alte jüdische Gemeinde Frankfurt a. M. ihr Interesse am Aufbau Palästinas bekundet, indem sie anläßlich ihrer diesjährigen Etatsberatung für die jüdisch-wissenschaftliche Abteilung der Universität in Jerusalem einen Beitrag bewilligt hat. Dieser Beschluß der Frankfurter Gemeinde bedeutet einen recht erfreulichen Fortschritt. Hoffentlich folgen die anderen jüdischen Großgemeinden Deutschlands diesem Frankfurter Beispiel. (Ziko.) Der jüdische Erbauer de» „Z. R. 3“ Prag. (J.T.A.) Dr. Ing. Karl Arnstein, der Erbauer des American Zeppelin, ist — wie schon kurz mitgeteilt — Jude; er steht jetzt im 37. Lebensjahr. Nach seinen Studien an der Prager technischen Hochschule war er zwei Jahre lang Assistent bei Prof. Mekan an der Abteilung für Brükkenbau in Prag. Von 1911 bis 1914 war er Oberingenieur der Firma Züglin & Co. in Straßburg. Die berühmte Langewieser Eisenbahnbrücke der Chur-Arosa-Bahn ist von ihm gebaut. 1915 wurde er nach Friedrichshafen an die Zeppelinwerke berufen, wo er jetzt als Chef-Ingenieur wirkt. Interessant ist die Tatsache, daß Dr. Arnstein, als er sich im Jahre 1923 um eine Dozentur an der Prager deutschen technischen Hochschule bewarb, abgelehnt wurde. Seine berühmte Langewieser Eisenbahnbrücke ist auf dem Betonbau-Kongreß zu Berlin der Gegenstand interessanter wissenschaftlicher Besprechungen gewesen. Dr. Karl Arnstein und die deutschen Nationalisten Berlin. (J.T.A.) Die deutschen reaktionären Kreise zeigen sich sehr verlegen über die Tatsache, daß der Erbauer des berühmten Amerika- Zeppelins „Z. R. 3“ Dr. Karl Arnstein ein aus Prag stammender Jude sei. Die „Deutsche Zeitung“ läßt sich von ihrem nach Friedrichshafen entsandten Sonderberichterstatter berichten: „Die Die Deutschnationalen eröffnen den Wahlkampf mit einer antijüdischen Wahlparole — „Frei von Juden- und Franzosenherrschaft“ Berlin (J.T.A.) Einen Tag nach der Auflösung des Reichstags veröffentlichte die deutschnationale Reichstagsfraktion ihren ersten Wahlaufruf, der, eine klare antisemitische Note aufweist. Der letzte Passus lautet: „Unsere Partei bleibt wie sie war: Monarchisch und völkisch, christlich und sozial.Unsere ruhmreichen Farben bleiben: Schwarz-weiß-rot. Und unser Wille ist fester denn je: Ein Deutschland1 zu schaffen, frei von J u d e n h e r r s crn a f t und Franzosenherrschaft.“ Die mit den Nationalsozialisten verquickte „Deutsche Zeitung“, das Organ des Alldeutschen Claß, begrüßt diesen Wahlaufruf mit unverhohlener Genugtuung. Die Zeitung schreibt: „Wir dürfen diese Kundgebung mit lebhafter Freude begrüßen.Wie wir, erhofft die D.N.V.P. ein freies Deutschland von den Neuwahlen und wendet sich wie wir mit größter Schärfe gegen den jüdischen Marxismus in jeder Form. „Frei von Judenherrschaft und Franzosenherrschaft“, so heißt es eindeutig und klar in dem Aufruf. — Wir könnten also jedes Wort unterschreiben und vermissen außerdem nichts wesentliches.“ In informierten Kreisen nirrimt man an, daß diese antisemitische Note im offiziellen Wahlauf- 11 r m J. A. HEMCKELS ZWILLINGSWERK MUNCHIN I THEATINERSTRASSE 8