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Das jüdische Echo · 1924-10-31 · 44 (31.10.1924) · p. Seite 357

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
44 (31.10.1924)
Date
1924-10-31
Page
Seite 357 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 44 Das jüdische Echo 357 Christen dort zu vertreten, werden wir. durch unsere Leistungen im Lande und durch unsere Menschen eine sehr starke Stellung haben. Aber sie wird uns nichts helfen, wenn wir nicht schon hier, in Europa, in Deutschland, bei jeder Gelegenheit politisch in die Lehre gegangen, d. Ii. tätig gewesen sind. Ob das in deutschen poliitschen Parteien geschah, in Repräsentantenversammlungen, in jüdischen Parteien und Bewegungen oder in Landgemeinden, in Hilfsorganisationen oder selbst nur in Vereinen: wer mit starker Anteilnahme in solchen Gruppen tätig ist, d. h. wer sich immer wieder klar macht, erstens daß allgemeine Angelegenheiten auch sein Ich mit umfassen, zweitens, daß es sinnlos ist, Beschlüsse mitzumachen, deren Grund und Tragweite man nicht ganz und gar verstanden hat, drittens, daß es keine Schande ist, überstimmt zu werden, wohl aber eine, die persönliche Stimme, die man hat, brach liegen zu lassen, und viertens, daß eine Partei oder gar ein Volk ebenso wie eine Gemeinde mehr ist als bloß die Summe aller Einzelnen, die zu diesen größeren Einheiten zusammengetreten sind — wer, nochmals, diese Erkenntnisse tätig vertritt, der lernt Politik, d. h. er wird ein vollreifes, dienliches Glied seines Volkes. Zum deutschen Orientalistentag in Mönchen Reich und mannigfaltig war der III. deutsche Orientalistentag. Alle Gebiete der großen orientalischen Wissenschaft: die Aegyptologie, Assyrologie, Indologie usw. usw. wurden durch die besten Forscher vertreten. Auch das Gebiet unserer Heimatkunde — die Palästinaforschung, wie auch die Geschichte Israels und der Bibel, wurden mehrfach durch hervorragende Gelehrte behandelt. Ich möchte keinen Ueberblick über diese interessanten Abhandlungen geben (sie wurden doch meistens seinerzeit in der Tagespresse besprochen), sondern nur auf einen einzelnen Vortrag die Aufmerksamkeit des jüdischen Lesers lenken — den Ueberblick Prof. E. Brandenburgs über seine Arbeiten in Jerusalem im Winter 1923/24. Prof. Brandenburg, einer der bedeutendsten Spezialisten auf dem Gebiete der Felsenarchitektur, wurde voriges Jahr durch die „Jüdische Gesellschaft zur Erforschung Palästinas (v« rmpnp rv-inyn mnnnr *) eingeladen, um die zahlreichen Höhlen und Grotten Jerusalems zu erforschen. 1) Diese für uns wichtige Gesellschaft und ihre Aufgaben wollen wir gelegentlich besonders besprechen. Ueber ganz Palästina sind sehr viele und fast noch nie erforschte Höhlen zerstreut. Die interessantesten sind zweifellos die imposanten Höhlen in Beth-Gibrin (Eleutropolis) und die — in Jerusalem. Die jüdische Ueberlieferung glaubte in diesen Höhlen die Gräber der Könige, Propheten, Helden usw. zu erkennen. Der Tatsache nach sind sie hauptsächlich prähistorischer Abkunft und dienten ursprünglich vor Tausenden von Jahren als Wohnstätten den verschiedenen BewohnernPalästinas. Schon die Bibel weiß von Choritin, d. h. Höhlenbewohner, als uralten Bewohnern Kanaans zu erzählen. Die Forschungen Prof. Brandenburgs zeigen den großen Zusammenhang unserer palästinensischen Felsenarchitektur mit der Aegyptens, Klein-Asiens, ja sogar mit — Etruriens (in Unteritalien). Leider ist es mir hier unmöglich, mehr darauf einzugehen, um Schlüsse ziehen zu wollen auf die Bedeutung der Felsenarchitekturforschung für die kultur-historischen Beziehungen der Mittelmeerländer in dieser grauen Zeit. Wollen wir noch kurz die Bedeutung der Höhlen besprechen. Die ältesten Höhlen waren Naturhöhlen und dienten, wie schon bemerkt wurde, den Menschen als Wohnung, aber gleichzeitig als sein Grab und Kultstätte2). Der Tod war doch als eine Fortpflanzung des Lebens angesehen! Die Nischen dagegen waren nur Kultstätten und hatten meistens aphotropheischen Charakter — sie dienten als Wohnung der Götter. Der interessanteste, aber auch jüngste Typ der Höhlen sind die sogenannten Columbarien (columbarium —• lateinisch: die Nische eines Taubenschlages) — eine gut architektonisch gegliederte unterirdische Höhle mit sehr vielen kleinen Nischen in den Wänden. Die Nischen dienten entweder zur Beherbergung der Asche der Toten oder zur Aufnahme von kultischen Lampen. Solche Columbarien, neben anderen Arten von Höhlen, fand Prof. Brandenburg fünf und er glaubt noch mehrere finden zu können. Hoffentlich nimmt Prof. Brandenburg seine für die Kunde unserer Heimat Palästina so wichtigen Forschungen wieder auf. 2) Prof. Hommel glaubte (in seiner Bemerkung zu Brandenburgs Vortrag), daß die „Höhle Machpela“ (n^DDSn myö), die Grabanlage der biblischen Väter bei Hebron, ein Heiligtum der großen kleinasiatischen Göttermutter K y b e 1 e war. Diese Bmerkung ist auch sehr wichtig in Hinweis auf die Beziehungen Palästinas zu den Hethitern im II. Jahrtausend v. Chr. Argasi POBZELLM-IlISBiaiUfil MtNCBEH THE ATINER ST RASSE tj gsgenübtr <kr •■ftSSTK AVSWAlb XX fiKBXAKeiSP«BZKIillA]| VlfiAIClK AAttlBBKSAXIllV«

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