Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 43 (24.10.1924)
- Date
- 1924-10-24
- Page
- Seite 345 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43 Das J Misch« Echo 345 und sich gegen Beschimpfungen entsprechend zur Wehr zu setzen, dann werden die Kameraden bald -den nötigen Respekt vor ihnen bekommen und sich zum mindesten hüten, in ihrer Gegenwart gegen sie aufzutreten. Früher oder später muß doch jeder einmal Bekanntschaft mit dem Antisemitismus machen und ich glaube, daß viele Eltern mit mir der Ansicht sein werden, daß eine gewisse Abhärtung den Kindern gar nichts schaden kann und für sie — wie die Verhältnisse nun einmal heute sind — besser ist, als wenn sie nach Beendigung der Schule ins Leben hinaustretend nun auf einmal mit dessen Wirklichkeit zu rechnen beginnen müssen. Viel wichtiger als diese Gesichtspunkte erscheint mir jedoch noch eine andere Frage, die, wie ich -annehme, von den Anhängern der jüdischen Schule stets mit einem gewissen Stillschweigen Überziehungsprinzip aufstellen, als es in der Simultanschule. Es läßt sich doch kaum ein schöneres Erziehungsrinzip aufstellen, als es in der Simultanschule, in einer Schule also, in der die drei Konfessionen gleichberechtigt nebeneinander zugelassen sind, seine Verwirklichung gefunden hat. Gerade wir Juden haben doch allen Anlaß, so sollte man denken, den Konfessionsschulen, die wir in ihrer Beschränktheit doch in unserer Generation genügend kennen gelernt haben, nicht noch Vorschub zu leisten, sondern mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln für den weiteren Ausbau der gemeinsamen Schule für alle Religionsbekenntnisse zu wirken. Nicht zur Verschärfung der Gegensätze, sondern zu ihrer Beseitigung sollten wir so beitragen. Auch ich bin der Meinung, daß der Religionsunterricht an unseren Volks- und Mittelschulen nicht ganz ausreichend ist, wenn ich auch nicht einsehe, weshalb von uns in Deutschland lebenden Juden ein so großer Wert auf die Erlernung der hebräischen Sprache gelegt werden soll, wie es von nationaljüdischer Seite gefordert wird. Für uns, die wir in Deutschland unsere Heimat sehen, und die wir keinerlei Verlangen haben, unsere Kinder nach Palästina abwandern zu lassen, genügt es vollkommen, wenn unsere Jugend die nötigen Kenntnisse erwirbt, um sich ein tieferes Verständnis der religiösen Inhalte des Judentums, insbesondere der Bibel anzueignen. Dazu aber würde es vollkommen genügen, wenn an Stelle des zweistündigen Religionsunterrichtes ein dreistündiger Unterricht zur obligatorischen Forderung erhoben würde, während man den Eltern, die nun einmal Wert darauf legen, ihre Kinder noch weiter in den jüdischen Fächern auszubilden, anheimstellen müßte, Privat unterricht für ihre Kinder zu besorgen. Wer die Schulfrage nicht nur theoretisch, sondern praktisch beurteilt, der weiß, daß unsere Kinder heute schon mit Arbeiten mehr als überlastet sind. Es fällt ihnen häufig schwer genug, den in der Schule an sie gestellten Anforderungen in genügender Weise nachzukommen und es wäre geradezu in höchstem Maße unpädagogisch, wollte man sie noch mehr mit Schularbeiten belasten. Da die geforderte jüdische Schule aber angeblich ohne Hintansetzung der übrigen Fächer eine so ungemein starke Betonung auf das jüdische Wissen legen will, so wird dies eben nur auf Kosten der Arbeitskraft unserer Kinder zu geschehen vermögen. Man müßte gerade daraufhin arbeiten, jeden überflüssigen Erziehungsstoff auszuschalten und nicht neuen Wissensballast hinzuzufügen. Es wäre viel besser, wenn auf das Turnen und auf sportliche Betätigung, die unseren Kindern besonders not tun, mehr Nachdruck gelegt würde, als auf die Kenntnis der hebräischen Sprache, die doch schließlich nur für Fachleute oder Zionisten, die nach Palästina auswandern wollen, von tatsächlichem Werte für das Leben ist. Wenn die Kinder gelernt haben werden, ihren Körper richtig zu gebrauchen, wenn sie schwimmen, turnen und boxen werden, dann wird die antisemitische Gefahr für sie lange nicht so wichtig sein. Dann werden sie die beste Waffe im Kampf gegen den Judenhaß gefunden haben. Ich fordere daher alle klardenkenden und vorurteilsfreien jüdischen Eltern auf, das alte demokratische Ideal der Simultanschule nicht fallen zu lassen und dafür den höchst zweifelhaften Wert einer jüdischen Schule einzutauschen, die im strikten Gegensatz zur Weltanschauung derer steht, die stark genug sind, immer noch daran zur glauben, daß Deutschtum und Judentum sich im Leben draußen wie in der gemeinsamen Schule harmonisch vereinigen lassen. Wir von unserer Seite wenigstens wollen jederzeit bereit dastehen, wenn es gilt, einzutreten für das Ideal einer Schule, die jeder Deutsche, welcher Konfession er auch immer sei, mit Recht seine Schule nennen kann. Ein jüdischer Vater. Die hebräische Renaissance Eine der wichtigsten und interessantesten Erscheinungen in der Renaissance unseres Volkes ist die Auflebung seiner uralten Sprache. Das Hebräische, ein Zweig des großen semitischen Sprachstammes, war neben dem Griechischen das Hauptinstrument der geistigen Entwicklung der Menschheit. Verschieden aber ist das Schicksal dieser beiden Sprachen: die homerische Sprache ist schon lange für immer tot, die biblische dagegen ist und bleibt lebendig. Warum? Weil Hellas durch einen fremden Geist erstickt wurde, der Geist unseres Volkes dagegen ist trotz der zweitausendjährigen Knechtung immer lebendig geblieben. Als Israel ins Golath ging, nahm es von seiner Heimat diesen lebendigen Geist — die hebräische Bibel mit. Während der ganzen Zeit, da Israel gequält zwischen den Völkern herumwanderte, war die Bibel und die mit ihr verknüpfte Sehnsucht nach einer besseren Zu- KRELL-UCKO DAS HAU S rmhhh-W*imWTHEATINERSTR.16 TELEFON 27831-32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGMADCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN — GARDINEN - DECKEN