Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 42 (17.10.1924)
- Date
- 1924-10-17
- Page
- Seite 335 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9072829-9103074-9152617--06231-9078933- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 42 Das Jüdische Echo 335 sagter Vortrag Prof. Baschs verboten worden ist. Die Resolution wurde telegraphish an den bayerischen Ministerpräsidenten Held abgesandt. Prof. Basch ist bekanntlich ein treuer Jude und warmer Anhänger der zionistischen Bewegung. Frankreich Jackie Coogans Europa- und Orientreise Paris (J.T.A.) Jackie Coogan, der weltberühmte klelinie jüdische Filmlhield, wird dieser Tage in Europa eintreffen. Er wird zunächst London besuchen, dann eine Woche in Paris zubringen, von wo er sich nach dem nahen Osten und Palästina begeben wird. Jackie Coogan ist von der hauptsächlich aus Amerikanern sich zusammensetzenden Internationalen Organisation für Kinderhiife zu dieser Tournee eingeladen worden, um die von ihm aufgebrachten Summen unter notleidende Kinder selbst zu verteilen und an neuen Aktionen teiilzunehimen. Jackie Coogan hat auf seiner vor kurzem unternommenen Reise um Amerika eine Million Dollar gesammelt. Dieses Geld wird zur Beschaffung von Nahrungsmitteln, kondensierter Milch, sowie Kleidung usw. verwendet. Jackie wird auf seiner Orientreise Griechenland, Kleinasien, Armenien, Syrien und Palästina besuchen und überall die Hilfsaktionen fördern. ■1 11 111 mi ■ 1 Feuilleton |||| ■ ■ ■ III Ul! uni III Ärarat4) Daniel fällte Bäume, er sammelte Moos, er schlug Getreide, er mahlte Mehl, er sammelte Beeren und wildes Obst. Er raffte schon für den Winter. Fleißig ging er auf die Jagd und häutete Wiild, um sein Haus und seine Menschen sorgsam zu vermummen. Eines Tages war er weit vom Hause fort und nahe der Ebene, in der Baguta lag, da hörte er Hörner, die lange, lange Rufe suchend bliesen. Daniel erbleichte: Soldaten? Und als er einen Baum erklommen hatte, sah er in der Ebene etwas Wunderbares: Eine Karawane stand beim verbrannten Dorfe, die Zugtiere waren abgeschirrt und weideten gemächlich, und Menschen gingen ruhevoll hin und wieder. Einzelne trugen Waffen, das konnte er sehen, aber von ihnen allen herüber schlug nicht die Dunkelheit des Bösen und der Gefahr. Denn siehe, an hohem Maste flatterte eine weiße Fahne, schön und groß. Von Zeit zu Zeit riefen die Hörner, als wollten sie Verirrten den Sammelplatz weisen. Daniel kroch ins hohe Gras der Ebene hinaus; niemand konnte ihn sehen. Die weiße Fahne wellte sich grell im leisen Winde. „Sie haben Leinwand!“ staunte er und blickte anbetend die Kostbarkeit in der Höhe an. Plötzlich sprang er empor, das Gewehr ließ er im Grase liegen, die Arme breitete er weit aus und rief: „Friede, Friede!“ Man deutete auf ihn und rief den Führer; er kam, und ein Mädchen in hellem gelben Gewände schritt ihm zur Seite. Daniel schrie laut auf, lief auf die beiden zu. Der Fremde stutzte, und dann kniete der Einsame vor ihm nieder und nannte ihn bei seinem Namen: „Manasse, Manasse!“ „Ach, er lebt!“ rief das Mädchen, „Vater, er lebt! Welches herrliche Wunder, welche Gnade!“ „Steh auf,“ sagte Manasse. „Großes hat der. Herr an dir getan! Denn siehe, wir wandern seit Monaten durch die Welt, um Menschen zu suchen, du aber bist der erste Lebendige, den wir finden.“ „Sogar ein Mädchen habt ihr mitgebracht! ‘ rief Daniel. „Wie ist das schön, euch alle anzuschauen!“ „Und dich zu sehen, welche Freude ist das auch für uns! Wir bringen große Reichtümer aus Palästina, welches der Herr mit wunderbarer Ernte gesegnet hat! In jedem dieser Wagen steckt Köstliches für die Menschen, die wir finden wollten! Du *) Aus dem Roman von Arnold Ulitz, erschienen im Albert Langen-Verlag, München, zu beziehen durch die „Ewer“-Buchhandlung, Ottostr. 2. aber, du!“ rief er erschüttert wiederum, „du bist der einzige, den wir fanden!“ Daniel blickte mit glänzenden Augen die Fahrzeuge an. „Alle voll?“ fragte er. „Alle voll! Weizen, getrocknete Trauben, Salz und Leinwand. Gedörrtes Fleisch und Früchte des Südens!“ „Und Wein, Wein!“ rief Hanna Manasse. „Ich werde ihm Wein bringen!“ „Wir haben Weizen ausgestreut an vielen Stellen,“ sagte der Rabbi. „Nun wird er wuchern, und wenn aus den Wäldern noch einmal Menschen kommen, werden sie Feldfrucht finden. Weiße Fahnen ließen wir über Steinkammern wehen, damit sie alle Menschen locken. Sie werden sich nicht fürchten vor dieser Farbe, und in den Kammern werden sie Nützliches finden!“ Hanna Manasse brachte roten süßen Wein in einem tönernen Kruge, und der Krug war so groß, und die Köstlichkeit so schwer, daß sie noch zarter und feiner erschien, als sie die Gabe herantrug, und Daniel eilte ihr behutsam entgegen und nahm ihn ihr ab. Alle aber erkannten, daß das nicht die Gier eines Durstigen war, sondern die Freude an diesem schönen Mädchen. „Trinke,“ bat sie ihn. „Es ist Wein aus unserem Lande.“ Doch ehe er trank, setzte er den Krug noch einmal ab und sagte ehrfürchtig: „Solch ein schöner Krug aus Ton, solch ein teurer Krug!“ „Behalte ihn,“ sagte sie. „Behalten? Ach,“ lachte er, „Nadja wird sich freuen!“ „Wie, du bist nicht allein?“ rief Manasse. „Du redest von einem Weibe?“ „Nein, ich bin nicht allein, ihr müßt kommen und sehen!“ Und nun erst brach er erschüttert nieder, er setzte sich schwer und begann zu weinen: „So eine große, große Gnade!“ „Was willst du deiner Frau mitnehmen, Daniel?“ fragte Hanna. „Wir werden in einem Wagen fahren und wollen aufpacken alles, was ihr braucht.“ „In einem Wagen fahren?4 schrie er wie ein Kind. „Ja, komm, wir suchen uns das Schönste für sie aus!“ „Salz,“ rief er, und dann: „Leinwand, ein wenig Leinwand, halb so groß wie die Fahne dort!“ Aber Hanna raffte, ohne daß er es sah, Dinge ihres Eigentums zusammen, schöne Hemden und einfache helle Gewänder, wie sie selber e'.ie;, trug. Und dann fuhren sie dem Walde zu. D »niel war kindisch vor unerhörtem Glück. Er besh.'inb die