Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 41 (10.10.1924)
- Date
- 1924-10-10
- Page
- Seite 325 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 41 Das jüdische Echo 325 Plan eines neuen großen Hotels in Jerusalem Der bekannte Jerusalemer Hotelier Bersky kehrte soeben aus Amerika zurück, wo es ihm laut „Doar Hajom“ gelungen ist, eine Gesellschaft namens „Palestine Corporation Hotel“ mit einem Kapital von 600 000 Dollar zu gründen, die in Jerusalem ein großes modernes Hotel errichten will. Dieses Hotel soll nach den neuesten amerikanischen Erfahrungen erbaut werden und 240 Zimmer und 140 Badezimmer haben, wie auch einen großen Saal für Versammlungen und Konzehe. eine Gartenanlage und Terrassen rings um das Hotel, Tennisplätze, Fußballplätze u. dergl. Eine Röhrenanlage soll im Sommer durch die einzelnen Zimmer einen Kaltwasserstrom leiten, um eine erträgliche kühle Temperatur zu schaffen. Für eine passende Benennung des Hotels wurde ein Preis von 103 Dollar ausgeschrieben. Vorschläge sind an das Hotel „Allenby“, Jerusalem, zu richten. (Ziko.) Die palästinensische Gemeindeordnung im Prinzip angenommen Jerusalem. (J.T.A.) Der Staatssekretär für die Kolonien Herr Thomas hat der Gemeindeordnung im Prinzip zugestimmt. Jedoch im Hinblick darauf, daß noch mehrere kleinere Details auszuarbeiten sind, wird die betreffende Verordnung erst im März 1925 bekanntgegeben werden. Deutschland 20. Delegiertentag der deutschen Zionisten Der diesjährige Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland findet vom 21. bis 24. November in Frankfurt a. M. statt. Prof. Weizmann hat seine Teilnahme an der Tagung zugesagt. Leon Blum französischer Botschafter in Berlin? Paris. (J.T.A.) Hier verlautet, daß die Ernennung des Deputierten Leon Blum, des Führers der Vereinigten sozialistischen Partei, zum französischen Botschafter für Deutschland nahe bevorsteht. In den letzten Wochen war mehrfach davon die Rede, daß Leon Blum zum französischen Botschafter in einem der wichtigsten europäischen Staaten ausersehen sei. Zuerst wurde erwogen, Blum als Botschafter nach England gehen zu lassen, dann hieß es auch, Blum sei zum französischen Botschafter in Moskau ausersehen, sobald die französisch-russischen Beziehungen soweit gefestigt sind, daß die Ernennung eines Botschafters aktuell wird. Endlich scheint es die Meinung der maßgebenden Regierungskreise zu sein, daß Leon Blums große Begabung sich am besten in Deutschland auswirken könnte. Ein Entmündigungsantrag gegen den Bautzener Landgerichtsrat Starck. Berlin. (J.T.A.) Gegen den früheren Untersuchungsrichter in Bautzen, Landgerichtsrat Starck, dessen eigenartige Haftbefehle in der Oeffentlichkeit allgemeine Verwunderung erregt haben, ist jetzt ein Antrag auf Entmündigung eingereicht und zugleich beantragt worden, das Untersuchungsergebnis, soweit es von Starck herrührt, für nichtig zu erklären. Die Behauptung, daß Starck geisteskrank sei, ist nicht neu. Sie stützt sich diesmal auf die Akten von Beleidigungsprozessen, die Starck gegen den Bautzener Justiz- Oberwachtmeister Franke geführt hat, der sich geweigert hat, seinen Vorgesetzten, Starck, zu grüssen, da er, wie er sagte, nachweisen könne, daß „Starck ein ehrloser und charakterloser Mann“ sei. Der daraufhin gegen Franke von Starck angestrengte Beleidigungsprozeß endete damit, daß Starck die Prozeßkosten übernahm. Auch die nächsten Anverwandten des Starck werden als Zeugen für seine Geisteskrankheit verwandt. 1IIIIII1 llllllllllllllllll IM Feuilleton ||||| lllll 1111 lllllllllll! II Die Wahhabiten (Proko.) Leser großer deutscher Tageszeitungen werden in den letzten Tagen zur Kenntnis genommen haben, der König von Hedschas habe bei der englischen Regierung um Flugzeuge gebeten, um der Wahhabiten Herr zu werden, die auf Mekka vorstoßen, wie sie ganz vor kurzem noch im Begriffe waren, Amman, die Hauptstadt Transjordaniens, zu erobern. Wer sind diese Wahhabiten? Viele deutsche Juden, die den Zionisten prophezeien, die Araber würden sich eine jüdische Heimstätte in Palästina nun und nimmermehr bieten lassen, werdensich auf diese innerarabischen Kriegszüge keinen Reim machen können, für sie sind Araber Araber, eine einmütige und einheitliche Masse voll antijüdischer Instinkte — und wäre es auch nur, um den Palästinafeinden der ganzen \yp,lt einen Gefallen zu tun. In Wirklichkeit liegen die Dinge gründlich anders. Was sich jetzt, nachdem die Faust des Paschas die Araber nicht mehr vereinigt oder druckt, auf der ganzen arabischen Halbinsel offenbart, sind die uralten Gegensätze, die seit Jahrhunderten die arabische Ohnmacht begründet und besiegelt haben. Einer davon ist der Zwist der Wahhabi mit den anderen Araberreichen, Diese Wahhabi sind jetzt ein politisches Reich, aber sie sind es auf der Basis einer religiösen Sekte!. Sie haben ihren Namen von Abdul Wahhab, einem blinden Prophe-, ten, der um die Mitte des 18. Jahrhunderts bei den Stämmen und Clans des arabischen Hochlandes, des Nedschd, auftauchte und die reine unverfälschte Lehre des Kuran wiederherzustellen versuchte. Seine Predigt gegen den Luxus der Lebensführung, gegen die götzendienerische Verehrung der Kaaba in Mekka, gegen die Frömmigkeitsindustrie der Pilgerstätten und gegen alle anderen Abweichungen von Mohammeds Urtext — z. B. auch gegen das Tabakrauchen, das im Islam sonst überall als erlaubt gilt — fand bei den wilden und darbenden Hochlandstämmen bald Widerhall. Ein.Stamm des Nedschd, unter einem Emir Saud, nahm für den Propheten Partei und warf sein feldgewohntes Schwert in die Wagschale seiner Lehre. Das Wort und das Schwert wirkten überraschend zunächst im Hochland; asketisch und zu strengem Glauben geneigt wie alle Gebirgler der Erde — in Schottland wie in Tirol, in den baskischen Pyrenäen wie im Apennin oder im tibetanischen Himalaya — städtisches Siedeln und reichere Lebensweise gleicherweise verachtend —1 schlossen sich die Stämme des Nedschd unter der Führung des Emir Saud und seines Sohnes Abdul Asis eng aneinander; und dann begann eine genaue Wiederholung jener Methode, mit der nach Mohammeds Tode der Islam in ganz Vordeirasien ausgebreitet wurde: zunächst wurden die Siedlungen rund um das Hochland aufgefordert, sich in Güte den Lehren Abdul Wahhabs zu unterwerfen, ihren Luxus — seidene Kleider, Kostbarkeiten, Bücher, vor allem Rauchwerkzeuge und Wohnungsluxus — zu zerstören und ein reines und gottgefälliges Leben zu führen; und dann, als, wie zu erwarten, diese Aufforderung von den kultivierten und leichtlebigen, weltlich gerichteten und religiös skeptischen