Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 41 (10.10.1924)
- Date
- 1924-10-10
- Page
- Seite 322 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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322 Das Jüdische Echo Nr. 41 geltend machten, kamen sie der Fassungskraft und den Begriffen der ersteren auf wünschenswerteste Weise entgegen: mit dem Erfolg, daß, im Bestreben, die Rechte der Juden zu formulieren und ihnen günstige Existenzbedingungen auf der Erde zu schaffen, die politischen Mächte zunächst einmal die Begriffe „Judenheit“ und „Palästina“ ebenso zusammenbanden wie einst einmal „Italiener“ und „italische Halbinsel“. Und jene Begriffsverbindung, die ja eine Tatsachenverbindung ist, wird sich als ebenso unzerstörbar erweisen, wie diese letztere. IV. An der Judenheit auf der Erde ist es jetzt, eine sehr schwierige Pionierarbeit zu leisten. Da es aber eine intellektuelle Pionierarbeit ist, so dürfte sie bei ihnen in guten Händen sein — in besseren als bei anderen Menschenarten. Es gilt nämlich für solche Gebilde, wie sie — aber nicht allein — die Judenheit auf Erden darstellt, den organisatorischen Ausdruck zu schaffen. Zur Zeit der Einheitstendenzen waren die geographischen Tatsachen da, für die nationalen Minderheiten sind kulturelle und ethische Faktoren Unterscheidungsmerkmal. Die Juden stellen in Europa eine Tatsachen-Klasse für sich dar, und das erschwert die Selbstbestimmung. Vor allem aber legt sich vor jede ernsthafte Erfassung dieses Problems die Barre von Angst: wie vereinbaren wir in der öffentlichen Meinung der europäischen Staaten unsere jüdische Besonderheit, sobald wir sie organisatorisch darstellen, mit unseren Rechten auf Staatsbürgerschaft? Diese Angst ist durchaus berechtigt — nicht, weil diese beiden Dinge mit einander streiten und unvereinbar wären, sondern weil die politischen Begriffe der öffentlichen Meinungen noch ganz unklare und heute sogar gereizt sind. Aber je intensiver diese Klärung erfolgt, desto leichter wird auch diese Aufgabe; sie gehört zu denjenigen Gebilden, die desto größer und unüberwindlicher erscheinen, je weiter man von ihnen entfernt steht; geistige Gegebenheiten haben ihre eigenen Gesetze der Perspektive. Die Polen im alten Preußen wagten Ihre Staatsbürgertreue zu verteidigen, indem sie ihre polnische Sonderheit unterstützten: durch Vereine, durch Banken, Schulen, Sprachbewegungen. Nicht durch solche Organisationsformen werden die Juden sich zusammengestalten. Sie werden neue finden müssen. Vor allem aber müssen sie wagen lernen. Hinter ihnen stehen zwangsläufig arbeitende Gewalten. V. Ein erster Anlaß wird sich bieten, wenn die Organisation der Jewisch Agency zustande kommen wird. Um den Aufbau Palästinas werden sich Judengruppen sammeln, wie sie etwa in Karlsbad zur Jüdischen Nothilfe zusammentraten. Aber das sind erste Stufen, nicht mehr. Aus dämmernden Ereignissen tritt die Gestalt eines jüdischen Volkes vor das geistige Auge, das seine Verbundenheit über die ganze Erde hin bekräftigt durch Organisation, und ohne die Positionen der Diaspora preiszugeben, sich in Palästina eine Spitze schafft, die aller Welt sichtbar die Existenz des jüdischen Menschen repräsentiert. Arnold Zweig. Ein Gespräch mit Älbert Einstein Prof. Einstein hielt sich vor kurzem in Wien auf, um dort für den Palästinagedanken zu arbeiten. Die „Wiener Morgenzeitung“ veröffentlicht nun in ihrer Nummer vom 24. 9. 24 folgendes Interview: Ueber das Palästina werk und seine Bedeutung für die jüdische Gemeinschaft In einem hochgelegenen Zimmer des Hotels „Astoiria“ hat Albert Einstein für die zwei Tage seines \yiener Aufenthaltes sein Heim aufgeschlagen. Er ist hier aber kaum anzutreffen. Er verbringt die Zeit mit Konferenzen und Besprechungen, deren Inhalt ganz seiner zionistischen Aufgabe gewidmet ist, am Wiederaufbau der jüdischen Heimat mitzuwirken. Der Interviewer, den die Berufspflicht zu ihm führt, tritt ihm mit einiger Befangenheit gegenüber. Er ist doch der Mann, der die Wissenschaft von Zeit und Raum in ganz neue Bahnen geführt, der die Gesetze des naturwissenschaftlichen Denkens ganz neu formuliert hat. Der Mann, dessen Name von den geistigen Menschen von London bis Tokio mit Ehrfurcht genannt wird. Ein kräftiger Mann in einfachem Sportanzug, brauner Schnurrbart, leicht angegrautes Haupthaar, tiefe, braune Augen unter einer mächtig gewölbten Stirn. Es bleibt für jeden, der mit dem Gelehrten ins Gespräch kommt, ein Augenblick starken Erlebens. Die ersten Fragen, sozusagen die Generalien, sind rasch absolviert. Mit der ruhigen Liebenswürdigkeit des Weltmannes gibt der Forscher Auskunft, wobei ihn die kurze englische Pfeife stark beschäftigt. Er spricht heute abends in einem geschlossenen Kreis (im „Grand Hotel“) über die Palästinafrage, reist morgen nach Innsbruck zum Kongreß der deutschen Naturforscher und muß anfangs Oktober nach Zürich, wohin ihn die Berufspflicht ruft. Er kommt zu- •v .<> T?auThallmcrier München ‘Theaänerür.ld. 'n& Glaser tTxyvz&lLjnjQ.