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Das jüdische Echo · 1924-10-10 · 41 (10.10.1924) · p. Seite 320

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
41 (10.10.1924)
Date
1924-10-10
Page
Seite 320 (sequence 4)
Language
German
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320 Das Jüdische Ecko Nr. 41 Im übrigen war, wie gesagt, Palästina und der Zionismus eine Angelegenheit dritten Ranges für den „Entdecker“ des Orients und gerade deshalb lag die Vermutung nahe, daß der Verfasser der Artikelserie ein Jude sein mußte, eine Annahme, die sich in der Folgezeit als gerechtfertigt herausstellte. * Im Verlag der „Frankfurter Societätsdruckerei“ ist nun eine Sammlung dieser Aufsätze unter c.em Titel: „Unromantisches Morgenland“ erschienen und im 1. Morgenblatt der „Frankfurter Zeitung“ vom 30. September 1924 von Alfons Paquet ausführlich besprochen worden. Es ist zweifellos interessant, festzusteilen, wie Paquet, der Nichtjude, der die Verhältnisse in Palästina ebenfalls aus eigener Anschauung kennt, zu dem auf Palästina bezüglichen Teil des Buches von Weiß Stellung nimmt, interessant ebenso sehr als beschämend. Man macht den Juden so häufig — und sicher sehr oft mit Unrecht — den Vorwurf der zersetzenden Kritik und der Respektlosigkeit gegenüber tatsächlichen Leistungen produktiver Art. Umso schmerzlicher berührt es dann, wenn man gezwungen Ist, festzustellen, daß dieser Vorwurf einmal mit. voller Berechtigung erhoben wird, daß hier eine Lektion erteilt wurde, die doppelt trifft, weil sie Fragenkomplexe, die einzig und allein den inner jüdischen „Belangen“ angehören, betrifft. Was schreibt Alfons Paquet über den Palästinabericht des Weißschen Buches? „Leopold Weiß schildert in einem klugen, aufmerksamen Kapitel das schicksalbrütende Kairo. Er ergründet mit vorsichtiger Sonde die elegante, tief verschwiegene, farbenschillernde Passivität von Damaskus. Er erzählt einiges auch von der harten Arbeitswelt der kleinen SiedlergrupDen in Palästina. Warum aber gerade von diesen so wenig, die ihm doch am tiefsten zugänglich sein müßten? Sind hier nicht stille, wachsende Dinge, voll innerer Bedeutung für viele Menschen im Abendlande? Vollzieht sich nicht in dem groben und entbehrenden Arbeitsleben dieser Landarbeiter mehr als nur der bloße Vorgang mühevoller Kolonisation? Ist hier nicht etwas ganz Demütiges ienseits der Tagesnolitik und der von den Stimmungen halbbeteiligter Völker abhängigen Schicksale? Tst dort nicht irgendwo auf dem snröden, doch trächtigen morgenländischen Boden der wiederonkehrte Mensch. dessen verzweifelte Entschlossenheit sich löst in einer geduldigen, saugenden Ruhe, die sich an ein Fußbreit dieses Landes klammert, um es nicht mehr zu lassen und nach dem Morgen und TTobermorgen zu fragen aufgehört hat“? Das Urteil des Reisenden über die offizielle Politik und Ideologie des Zionismus ist schonnngslos. Fs ist sehr kurz, fast ein Achselzucken. Gut. Fs ist nur. als sähe er hinter dem AHmimenschlichen nicht die Not. die sich in dieser Bewegung zusammenzieht, nicht den Glauben, der hier trotz allem die bewegende, einigende Hebelkraft ist. die iede Enttäuschung auf dem oft für sinnlos erklärten Wege aushält und die ein von tausendfacher Skepsis angegriffenes Volk auf einmal ganz ernst und einfach macht. Wenn die Aufgabe begonnen hat, ihm Gesetz zu werden, so ist dieses Innere wichtiger als alles Aeußere.“ Dem wäre eigentlich nichts mehr hinzuzusetzen. Freuen könnten und dürften wir uns darüber, daß hier wieder einmal ein Mensch, der es gelernt hat, mit offenen, empfänglichen Augen und frei von Vorurteilen die Dinge zu sehen, von der Schönheit und Kraft des längst Geschauten immer wieder überwältigt, in einer Buchbesprechung die großen, unvergeßlichen Eindrücke wiedergeben muß, die ihm, der doch blutsmäßig keinerlei Bindungen mit dem Volke der Juden hat, sein Aufenthalt in Palästina vermittelt hat. Auch er — Paquet — sieht Unzulänglichkeiten und Widerwärtigkeiten, auch er übt Kritik und wer wollte ihm das verdenken? Kritik, scharfe Kritik ist nicht nur zulässig, sondern erwünscht und gerade von den für den Aufbau Palästinas verantwortlichen Instanzen von jeher begrüßt worden. Aber sie muß getragen sein von einem Geiste, der letzten Endes eine positive Einstellung zu dem großen Endziele, das wir alle erstreben, zu dem jüdschen Palästina, hat und sie darf jedenfalls niemals ihren Ausgangspunkt und ihr Ende in dem Bestreben finden, eine Volksbewegung, die nunmehr immerhin schon Jahrzehnte lang unter Opfern, die wir von unserem Standpunkte aus immer noch für ungenügend halten können, die dem Außenstehenden jedoch enorm erscheinen müssen, als eine unbedeutende Sache hinzustellen, die irgend welchen Aufhebens nicht wert erscheint. * „Unromantisches Morgenland“ nennt Leopold- Weiß sein Buch und in diesem Titel finden wir einen Grund für seine Berichte über das neue jüdische Palästina, neben dem anderen, daß er eben ein assimilierter, wahrscheinlich getaufter —■ keineswegs geistloser — Literat ist. Die zionistische Bewegung ist im guten Sinne des Wortes eine romantische Bewegung. Was da die jungen Menschen treibt, fette Berufe in Europa gegen Mühen und Todesgefahr in Palästina umzutauschen, was selbst ergraute und rechenhaft veranlagte Juden dazu zwingt. Ma’ aser von ihrem Vermögen für den Aufbau dieses kleinen Ländchens zu geben, was eine alte Sprache, eine vergessene Literatur wieder neu schafft, diese Renaissancebewegung ist nur durch Imnnuderabüien zu erklären, ist allerdings Romantik und etwas ganz anderes als der müde, vielleicht in vielem dekadente Geist, den Herr Weiß bei seinen Freunden, den Arabern, gefunden haben wird. Wir Juden machen nun einmal eine Ausnahme, wir lassen uns nicht so leicht unter allgemeine und schöne Ueberschriften einrep-istrieren. so angenehm dies auch für viele ..Fncvclomdisten“ wäre. Trotz der Wiener assimilierten Kaffeehau«literaten können wir für unseren Teil den „Untergang des Abendlandes“ nicht mitmachen, wenn er auch nach Sncno-ier schon für uns seit einigen Jahrhunderten fällig wäre. Wir sind vielmehr im Gegen- A S HAUS KRELL-UCKO THEATINERSTR.16 TELEFON 27831-32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN. UND JUNGMADCH EN-KONFEKT ION TEPPICHEN — GARDINEN - DECKEN

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