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Das jüdische Echo · 1924-10-10 · 41 (10.10.1924) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
41 (10.10.1924)
Date
1924-10-10
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 41 10. Oktober 1924 11. Jahrgaue n i d Wir haben die erste Hälfte des T i s c h r i hinter uns, den ernsten Tagen folgt das Fest, das in der heiligen Schrift „die Zeit unserer Freude“ genannt wird. Freude herrschte im Volke an diesen Tagen in doppelter Beziehung: Freude über die am Versöhnungstage neuerlangte Sühne, Freude über die um diese Zeit beendete Ernte des ganzen Jahres an Obst, Oel, Wein usw., deren Ertrag man jetzt voll bemessen konnte. Wie die beiden anderen Feste der 0 h $ 1 tP 1 h HP neben der religiösen eine nationale Feier darstellen, so auch das letzte Fest des Jahres, das uns die Geschichte unseres Volkes während der Wüstenwanderung vor Augen führt. Nach der Vorschrift der Thora sollen wir an diesem Feste Hütten bauen und sieben Tage uns darin wohnlich einrichten, um so den Schutz zu veranschaulichen, welchen der Herr seinem Volke auf diesem Zuge angedeihen ließ. Aber neben dieser Vorschrift, welche dem Feste den Namen Hüttenfest verlieh, haben wir noch andere, unter welchen der Feststrauß eine hervorragende Stelle einnimmt. Dieser Feststrauß, welcher sich aus Esrog, Palme, Myrte und Bachweide zusammensetzt, soll uns die Einheit im Volke vor Augen führen. Das schmackhafte Esrog, die stolze Palme, die sanfte Myrte und die armselige Bachweide sollen uns andeuten, daß Hoch und Nieder, Arm und Reich, Gelehrte und Laien einträchtig Zusammenhalten, daß in Israel keine Trennung und Zersplitterung der Kräfte herrschen sollen, sondern daß wir als einheitliches Volk in allen Lagen unseres Lebens uns bewahren müssen. Gerade in unseren Tagen, wo die Stürme von außen so laut an unsere Pforten rütteln, muß man ganz besonders zur Einigkeit mahnen. „Achdus“ soll das Losungswort sein, unter welchem wir uns alle vereinigen können; die Nöte unserer Zeit sind so groß, daß genau betrachtet die verschiedenen Parteien im Judentum die Pflicht hätten, all die kleinen Trennungspunkte hintanzustellen und sich im jüdischen Volkstum zusammenzuschließen. Unsere Hoffnung möchten wir ganz besonders auf unsere Jugend setzen. Sie, die wahren Träger unserer Zukunft, werden die Hütten unseres Volkes auszubauen wissen und werden, ohne nach rechts oder links zu schauen, den geraden Weg finden, der unser Volkstum erhalten und neubeleben wird. J v r i. Unromantisches Morgenland Zu einem Buche von Leopold Weiß. Es ist eine ebenso merkwürdige, als unbestreitbare Tatsache, daß unsere Juden, bei denen d!as Interesse an positiven Nachrichten aus Erez- Israel sicherlich nicht ein übersteigertes ist, sich für Mitteilungen mehr negativer Art aus oder über Palästina sehr erwärmen können. Die wichtigsten Daten der modernen jüdischen Entwicklung sind gar nicht oder doch nur in sehr dürftigen Umrissen bekannt, aber die verhältnismäßig wenigen ungünstigen Ereignisse oder Pressemeldungen bilden einen beliebten allgemeinen Gesprächsstoff und dienen vorzüglich zur Bildung eines „sachverständigen Urteils“ über den Zionismus oder die Lage in Palästina. Ein Beispiel für viele: Die Nachricht von der Ermordung de Haan’s war kaum in der „Frankfurter Zeitung“ veröffentlicht, als bei uns eine Reihe dringender Anfragen einliefen, alle mehr oder weniger erregt und, was noch wichtiger ist, nicht von Leuten, die etwa die Deklaration von San Remo oder die Rekordziffern der Einwanderung im vergangenen Monate oder vielleicht die Höchstleistungen des Keren-Hajessod in dem letzten Rechnungsabschnitte eines Telefongespräches für würdig erachtet hätten. Nein, gerade die sonst ganz stillen, teilnahmslosen sog. „Mitläufer“ von der einen oder „Skeptiker“ von der anderen Seite waren plötzlich mobil geworden, sie hatten eine Sensation gefunden, auf die ihr armes, ödes Dasein wahrscheinlich angewiesen! sein muß, wenn sie sich mit Dingen „geistiger Art“ beschäftigen. Wer an der Richtigkeit des Gesagten noch zweifeln sollte, den erinnern wir an die Taufe des Hans Herzl, die vor einigen Wochen erfolgte, und die wahrscheinlich den Dichter der „Wacht am Rhein“ zu einer ähnlichen Strophe begeistern hätte können, als seinem: „Durch Hunderttausend zuckt es schnell und aller Augen blitzen hell“, ein Gedicht, das allerdings aus einer wesentlich würdigeren Situation heraus geschaffen wurde. •' ' m Vor mehr als einem Jahre erschienen in der „Frankfurter Zeitung“ eine Reihe von Artikeln, als deren Verfasser Herr Leopold Weiß zeichnete und die aus den oben geschilderten Gründen heraus großes Aufsehen in deutsch-jüdischen Kreisen erregten. Während es sonst kaum jemanden, Zionisten oder Nichtzionisten, Juden oder Nichtjuden gab und gibt, der der Aufbauarbeit, wenn nicht Liebe, zu der bekanntilich niemlandl gezwungen werden kann, so doch mindestens Respekt entgegenbringt, kaum jemanden, der sich nicht ernsthaft mit all den schwebenden wichtigen Fragenkomplexen auseinandersetzte, vom britischen Ministerpräsidenten auf der einen Seite bis hinüber zum kleinen Lodzer Textilfabrikanten, der seine Erez-Israelfahrt als Krönung seines Lebens betrachtet, auf der anderen Seite, war es Herrn Weiß Vorbehalten geblieben, die Angelegenheit Palästina „en bagatelle“ zu behandeln und den islamitischen Orient zu „entdecken“, der nach ihm „tausendmal wichtiger“ als das Palästinaproblemchen — sit venia verbo — ist. —i Er prägte für den kräftigsten, geistig und körperlich gesündesten und schönsten Menschentypus, den das neuzeitliche Judentum hervorgebracht hat, für den C h a 1 u z den Ausdruck „Neurotiker“ und wußte von den Selbstmordepidemien zu erzählen, die in den Kwuzoth während des dreiwöchentlichen Aufenthaltes des Herrn Weiß grassierten.

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